Abschnitt: Schutz, Gesundheit und Sicherheit von Kindern → Übergriffe, Gewalt oder sexueller Missbrauch durch Mitarbeiter
 

Ihr Handeln bei vermuteten Übergriffen sollte klar geregelt sein – So gehen Sie vor

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Innerhalb jeder Einrichtung sollten klare Ansprechpartner/innen für Verdachtsfälle benannt sein. Diese können gleichzeitig als Anlaufstelle für betroffene Kinder und Eltern dienen und müssen entsprechend bekannt und zugänglich sein. Gleichzeitig muss geregelt sein, dass die Leitungsebene zu informieren ist.

Es muss überdies klar geregelt sein, dass das Aussprechen einer Vermutung bei Anhaltspunkten ausdrücklich erwünscht ist und keinerlei negative Konsequenzen für die meldende Person hat. Häufig bestehen große Ängste, Kolleginnen/Kollegen zu Unrecht zu belasten, sich in eine Außenseiterposition zu begeben oder bei Vorgesetzten in Ungnade zu fallen.

Bei der Vermutung auf Gewalt und sexuellen Missbrauch in der Institution muss der Träger der Einrichtung durch die Einrichtungsleitung informiert werden.

Sofortmaßnahmen

Für die betroffenen Kinder müssen mögliche Schutzmaßnahmen festgelegt werden, die im Einzelfall in Anspruch genommen werden können.

Eine zentrale Schutzmaßnahme bei Gewalt und sexuellem Missbrauch ist die Trennung von Opfer und Täter/in, wobei dem betroffenen Kind die gewohnte Umgebung soweit möglich erhalten bleiben sollte. Besteht ein Missbrauchsverdacht innerhalb einer Einrichtung, wird dies durch Freistellung der/des Beschuldigten gewährleistet. Es ist deutlich zu machen, dass hiermit keine Schuldzuweisung verbunden ist, sondern die Freistellung als Vorsichtsmaßnahme zu werten ist und letztlich auch dem Schutz der/des Beschuldigten dient. Auch ehrenamtlich Tätige oder Honorarkräfte müssen von ihrer Tätigkeit entbunden werden.

Bei weniger schwerwiegenden Grenzverletzungen kann zunächst ein Gespräch mit der beschuldigten Person und eine Abmahnung angezeigt sein. Aber auch hier ist es erforderlich, dass der/die Beschuldigte keine Möglichkeit haben darf, Druck auf das betroffene Kind oder die mitteilende Kollegin/den mitteilenden Kollegen auszuüben.

Es sollte geregelt sein, dass und wie die anderen Mitarbeiter/innen, Kinder und Eltern informiert werden, insbesondere wenn es zu einer Entfernung des/der Beschuldigten kommt. Es muss berücksichtigt werden, dass die Information über (sexuelle) Übergriffe in der Kita durch eine Mitarbeiterin/einen Mitarbeiter für alle Eltern und Mitarbeitenden eine hohe Betroffenheit, Verunsicherung und massive Ängste auslösen wird.

Dem betroffenen Kind und den Eltern sollten Beratungs- und Therapieangebote unterbreitet und gegebenenfalls vermittelt werden. Hierzu sollten Adressen von ortsnahen Fachberatungsstellen, spezialisierten Rechtsanwältinnen/Rechtsanwälten sowie Therapeutinnen/Therapeuten vorhanden sein.

Von Gewalt und sexuellen Übergriffen ist das gesamte Team betroffen und belastet. Es muss deshalb geregelt werden, dass und welche Angebote zur Einzel- und Teamsupervision durch externe Supervisor/innen angeboten werden.

§

Wichtig

Bei der Vermutung von Gewalt und sexuellen Übergriffen müssen Sofortmaßnahmen für die betroffenen Mädchen und Jungen, die übrigen Kinder, die Eltern, den Beschuldigten/die Beschuldigte und die Mitarbeiter/innen getroffen werden.

Einschaltung von Dritten

In einem Interventionsplan muss geregelt sein, wann das Jugendamt und die Kita-Aufsicht eingeschaltet werden muss, wann und welche externen Fachberatungsstellen hinzugezogen werden können und ob und unter welchen Voraussetzungen die Strafverfolgungsbehörden informiert werden.

Die Kita-Aufsicht hat nicht nur eine beratende Aufgabe, sondern kann z.B. als Aufsichtsbehörde den Träger bei arbeitsrechtlichen Maßnahmen unterstützen, indem es für die beschuldigten Mitarbeiter oder die Leitung eine Tätigkeitsuntersagung ausspricht.

Eine gesetzliche Verpflichtung zur Einschaltung von Polizei oder Staatsanwaltschaft besteht nicht. Bei einer Information der Polizei – auch bei Anfragen oder Fallbesprechungen – ist zu beachten, dass diese dem Legalitätsprinzip unterliegt. Das bedeutet, dass die Polizei immer Ermittlungen aufnehmen muss, wenn sie von einer Straftat Kenntnis erhält. Eine förmliche Strafanzeige ist für die Einleitung von Ermittlungen nicht erforderlich, ebenso wenig das Einverständnis der von der Straftat betroffenen Personen. Bereits mit der Information der Polizei wird also ein Strafverfahren in Gang gebracht.

Ergänzende Arbeitshilfen

Linkliste: Gefährdungseinschätzungsbögen für den Bereich Kindertagesstätten

In dieser Linkliste finden Sie hilfreiche Links mit weiteren Arbeitshilfen und öffentlich zugänglichen Dokumenten für den Bereich des Kinderschutzes. Dokument herunterladen

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