Abschnitt: Schutz, Gesundheit und Sicherheit von Kindern → Übergriffe, Gewalt oder sexueller Missbrauch durch Mitarbeiter
 

Schaffen Sie Bedingungen zur Minimierung des Risikos von Übergriffen!

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Für die Kita-Leitung ergeben sich aus den Verträgen sowohl mit den Eltern der betreuten Kinder als auch mit dem Träger der Kinder- und Jugendhilfe Schutzpflichten gegenüber den anvertrauten Mädchen und Jungen, deren Verletzung Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche zur Folge haben kann. Es stellt sich nun die Frage, wie weit diese Rechtspflichten gehen, d.h. welche Maßnahmen erforderlich und zumutbar sind, um den Schutz von Kindern vor Gewalt und sexualisierten Übergriffen zu gewährleisten. Diese Maßnahmen umfassen zum einen die Prävention, beispielsweise die Überprüfung der persönlichen Eignung der Mitarbeiter/innen nicht nur unter engen fachlichen Gesichtspunkten, zum anderen die Intervention im Fall einer Vermutung oder bei bestätigter Gewalt oder sexualisierten Übergriffen durch Mitarbeiter/innen.

Schutzkonzepte

Ein Schutzkonzept hat das Ziel, eine Kita zu einem sicheren Ort für Mädchen und Jungen zu machen. Es sollen Bedingungen geschaffen werden, die das Risiko minimieren, dass Kinder in der Einrichtung Gewalt, Grenzverletzungen oder sexuelle Übergriffe erleben.1 Dazu enthält es Handlungsvorgaben zur Prävention und zur Intervention. Der Runde Tisch Sexueller Kindesmissbrauch hat in seinem Abschlussbericht Leitlinien zur Prävention und Intervention formuliert, die in den Einrichtungen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, verankert, konkretisiert, regelmäßig überprüft und weiterentwickelt werden sollen.2

Tipp

Wichtig ist es, dass ein solches Schutzkonzept nicht nur vom Träger vorgegeben, in einer Mitarbeiterinformation weitergegeben und anschließend in einem Ordner abgeheftet wird, sondern dass die Mitarbeitenden an der Erstellung des Konzepts aktiv mitarbeiten und dieses zu ihrem eigenen Konzept machen. Nur so kann ein auf die Einrichtung zugeschnittenes Konzept und vor allem eine Haltung, dieses auch umzusetzen, entwickelt werden.

Risikoanalyse

Am Beginn der Erstellung eines Schutzkonzeptes steht eine Risikoanalyse. Hier wird hinterfragt, welche Schwachstellen sich Täter/innen zunutze machen können, um Gewalt und sexuelle Übergriffe unbemerkt ausüben zu können. Das umfasst eine Auseinandersetzung mit dem Umgang mit Nähe und Distanz in der Einrichtung ebenso wie eine Analyse der baulichen Gegebenheiten. In diese Risikoanalyse sollten sowohl die Mädchen und Jungen als auch die Eltern mit einbezogen werden.

Verhaltenskodex

Weiterer Bestandteil eines Schutzkonzepts ist ein Verhaltenskodex zum grenzachtenden Umgang und eine Verpflichtung, Verstöße gegen diesen Kodex zu melden. Hier sollten ganz konkret fachlich angemessene Verhaltensweisen im Umgang mit Kindern festgeschrieben (z.B. Körperkontakt zu Kindern ist mit angemessener professioneller Distanz zu gestalten) und verbotene Verhaltensweisen (z.B. Mädchen und Jungen werden nur auf der Wickelkommode gewickelt) aufgelistet werden.3 Damit soll den Mitarbeitenden Orientierung und Handlungssicherheit geboten werden. Bereits die Erarbeitung und offene Diskussion solcher Verhaltensregeln innerhalb des Teams wird in der Regel zu mehr Klarheit und Achtsamkeit führen. Zum anderen wird mit einem offen kommunizierten Verhaltenskodex ein klares, abschreckendes Zeichen an potenzielle Täter/innen gesendet.

Tipp

Sinnvollerweise wird der Verhaltenskodex zum Bestandteil des Arbeitsvertrages gemacht. Damit bekommt er die höchstmögliche Verbindlichkeit, und ein Verstoß kann arbeitsrechtlich sanktioniert werden.

Ergänzende Arbeitshilfen

Merkblatt zur Mitteilung an das Jugendamt bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung

Worauf Sie achten müssen, wenn Sie aufgrund eines Verdachts auf Kindeswohlgefährdung eine Mitteilung an das Jugendamt machen müssen, ist in dieser Arbeitshilfe zusammengefasst. So vergessen Sie keinen wichtigen Sachverhalt. Dokument herunterladen

Leitfaden: Ablauf der Kollegialen Beratung in Kinderschutzfällen

Dieser Leitfaden hilft Ihnen, eine kollegiale Beratung bei Kinderschutzfällen zu organisieren und durchzuführen. Dokument herunterladen

Linkliste: Gefährdungseinschätzungsbögen für den Bereich Kindertagesstätten

In dieser Linkliste finden Sie hilfreiche Links mit weiteren Arbeitshilfen und öffentlich zugänglichen Dokumenten für den Bereich des Kinderschutzes. Dokument herunterladen

Zu Risiko- und Schutzfaktoren für sexuellen Missbrauch in Institutionen s. Bange, D. (2014), S. 139 ff.


Runder Tisch Sexueller Kindesmissbrauch, Anlage 3.


Siehe dazu Enders, U. (2014a).


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