Abschnitt: Organisation und Kooperation der Kita → Qualitätsmanagement
 

Qualitätsmanagement in Kitas – das sind die gesetzlichen Grundlagen auf Landes- und Bundesebene

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Die wichtigste Rechtsgrundlage für die Umsetzung des gesetzlichen Auftrages zur Erziehung, Bildung und Betreuung von Kindern bis zum Schuleintritt und für ein verantwortliches Qualitätsmanagement findet sich in § 22a SGB VIII. In den Absätzen 1 und 5 wird unter der Überschrift Förderung in Tageseinrichtungen das Qualitätsmanagement bislang ausdrücklich den Trägern von Kindertageseinrichtungen zugewiesen:

»§ 22 Abs. 1: Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe sollen die Qualität der Förderung in ihren Einrichtungen durch geeignete Maßnahmen sicherstellen und weiterentwickeln. Dazu gehören die Entwicklung und der Einsatz einer pädagogischen Konzeption als Grundlage für die Erfüllung des Förderungsauftrags sowie der Einsatz von Instrumenten und Verfahren zur Evaluation der Arbeit in den Einrichtungen.

Abs. 5: Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe sollen die Realisierung des Förderungsauftrags nach Maßgabe der Absätze 1 bis 4 in den Einrichtungen anderer Träger durch geeignete Maßnahmen sicherstellen.«

Mit dem Landesrechtsvorbehalt in § 26 SGB VIII wird die Konkretisierung des individuellen Rechtsanspruchs eines jeden Kindes auf Erziehung, Bildung und Betreuung den Bundesländern übertragen:

»Das Nähere über Inhalt und Umfang der in diesem Abschnitt geregelten Aufgaben und Leistungen regelt das Landesrecht.«

Die landesrechtlichen Regelungen zu den Voraussetzungen für Qualitätsentwicklung und -management im Rahmen der bereits zu stellenden Angebotsstruktur für Erziehung, Bildung und Betreuung unterscheiden sich erheblich voneinander. Nachfolgend werden exemplarisch zwei Kita-Gesetze herausgestellt, die jeweils eine unterschiedliche fachliche Positionierung hinsichtlich

  • der Einordnung des bundesgesetzlichen Auftrags zur Qualitätssicherung der Angebote nach §§ 22–26 SGB VIII für das Evaluationsverständnis und

  • bezogen auf den Grad der Verbindlichkeit in der Absicherung öffentlicher Angebote der Erziehung, Bildung und Betreuung vornehmen.

Im Vergleich der 16 Landes-Kita-Gesetze verknüpft § 13 Kindertagesförderungsgesetz – KitaFöG Berlin am weitreichendsten den Auftrag des SGB VIII mit den fachlichen Erkenntnissen zu Wirkungsradien der pädagogischen Prozessqualität auf kindliche Entwicklung und fordert unter der Überschrift »Qualitätsvereinbarung«:

»Zwischen der für Jugend und Familie zuständigen Senatsverwaltung und den Spitzenverbänden der freien Wohlfahrtspflege und dem Dachverband der Kinder- und Schülerläden unter Beteiligung der Eigenbetriebe sind verbindliche Vereinbarungen über die Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung zur Gewährleistung der Ziele nach § 1 einschließlich näherer Anforderungen an die Konzeptionen der Tageseinrichtungen auf Grundlage eines von der für Jugend und Familie zuständigen Senatsverwaltung beschlossenen landeseinheitlichen Bildungsprogramms einschließlich Sprachdokumentation zu verhandeln und abzuschließen. Diesem Zweck dienen auch Vereinbarungen über die Durchführung von Evaluationen im Sinne einer prozessorientierten Unterstützung der Träger. In die Vereinbarungen soll die Verpflichtung der Träger aufgenommen werden, entsprechend der Qualitätsentwicklungsvereinbarung die Ergebnisberichte zu Evaluationsverfahren und andere erforderliche Informationen über die Qualitätsentwicklung an die Jugendämter und an die für Jugend und Familie zuständige Senatsverwaltung wie auch an die mit der Begleitung der Qualitätsentwicklung beauftragten Dritten weiterzuleiten. Daten von Kindern sind zu anonymisieren oder zu pseudonymisieren.«

Die aus dieser landesgesetzlichen Regelung abgeleitete Vereinbarung zwischen dem Land Berlin und den Trägern von Kindertageseinrichtungen Qualitätsvereinbarung Tageseinrichtungen – QVTAG (Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport des Landes Berlin, 2008) regelt seit 2006 erst- und bislang bundesweit einmalig verbindlich, dass für jedes öffentlich geförderte Angebot der Erziehung, Bildung und Betreuung nach dem SGB VIII alle fünf Jahre eine externe Evaluation durchzuführen ist. Die im Sinne dieser Vereinbarung zugelassenen Anbieter für externe Evaluation werden vom Berliner Kita-Institut für Qualitätsentwicklung BeKi akkreditiert und veröffentlichen ihr jeweiliges Angebot auf der Homepage des BeKi1. Die Träger der Kindertageseinrichtungen können zwischen den aktuell acht akkreditierten Anbietern für externe Evaluation in Kindertageseinrichtungen auswählen wobei jedoch einer dieser Anbieter nachweislich zu beauftragen ist. Die übersichtliche Darstellung des Verfahrens hat das BeKi in einem Schaubild auf seiner Homepage bereitgestellt2. Zwingende Voraussetzung für eine Akkreditierung als Anbieter externer Evaluation in Kindertageseinrichtungen des Landes Berlin ist die Anbindung der Evaluationsrückmeldungen an die Anforderungen des Berliner Bildungsprogramms (Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft des Landes Berlin, 2014). Bislang wird allerdings mit der QVTAG auf eine Konkretisierung der Informationen über die Qualität der Einrichtungen im Sinne der Forderung des 12. Kinder- und Jugendberichts noch verzichtet, in dem es heißt:

»Diese Informationen der externen Qualitätssicherung sind so aufzubereiten, dass sie dem Verbraucherschutz, der Orientierung der Nachfrager (Eltern/Kinder) und der Stimulierung eines qualitätsorientierten Wettbewerbs der Anbieter dienen. Seine Primärdaten sind in datenschutzrechtlich geeigneter Weise der unabhängigen Bildungsforschung für Re-Analysen zugänglich zu machen.« (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2005)

In allen anderen Bundesländern fallen die Regelungen zur Qualitätsentwicklung und -sicherung in den Verantwortungsbereich der Träger, so regelt bspw. § 11 Abs. 2 Kinderbildungsgesetz – KiBiz NRW zu Fortbildung und Evaluierung:

»(2) Zur Sicherung und Weiterentwicklung der pädagogischen Arbeit in den Kindertageseinrichtungen ist eine kontinuierliche Evaluierung erforderlich. Dafür sollen von den Trägern Qualitätskriterien entwickelt werden, die Aussagen über die Begleitung, Förderung und Herausforderung frühkindlicher Bildungsprozesse enthalten. Qualitätsentwicklungsmaßnahmen werden von den Trägern der Kindertageseinrichtungen in eigener Verantwortung durchgeführt. Zur Grundlage für die Evaluierung gehören insbesondere:

  1. 1.

    eine schriftliche Konzeption der Arbeit der Kindertageseinrichtung, in der Leitlinien für die Arbeit und ein eigenes Profil formuliert sind,

  2. 2.

    ein träger- oder einrichtungsspezifisches pädagogisches Konzept und

  3. 3.

    eine Darstellung über die Durchführung des Qualitätsentwicklungsprozesses in der Kindertageseinrichtung.«

Beide exemplarisch dargestellten Kita-Gesetze unterscheiden sich hinsichtlich des Evaluationsverständnisses und des Grads der Verbindlichkeit in der Evaluation gegenüber dem Land als aufsichtführende Verwaltungseinheit für die Angebotsstruktur öffentlicher Erziehung, Bildung und Betreuung voneinander. Das Berliner Kita-Gesetz fokussiert die fachliche transparente – wenngleich einrichtungsspezifische – Rückmeldung hinsichtlich der Umsetzung des curricularen Auftrags in jeder Kindertageseinrichtung und stellt einen Vergleich über Mindestanforderungen an die Evaluationsformen auf der Basis akkreditierungsseitig transparenter Kriterien für die externe Evaluation der Fachpraxis her. Die QVTAG verlangt dabei einen Grad von Verbindlichkeit für die Absicherung bester Fachpraxis, der die Aufsichtsfunktion des Staates über öffentlich finanzierte Angebote der Erziehung, Bildung und Betreuung konkretisiert und sich auf diese Weise dem hoheitlichen Anspruch schulischer Bildungsangebote annähert, dabei gleichwohl eine konzeptionelle Vielfalt sicherstellt. Das nordrheinwestfälische KiBiZ hingegen überträgt einer breiten Trägerlandschaft die Entfaltung der Kriterien bester Fachpraxis für ihre jeweilige konzeptionelle Ausrichtung, die als »Qualität vor Ort« bezeichnet werden kann, die einer externen fachlichen Überprüfung entzogen bleiben kann.

Beide Landes-Kita-Gesetze bilden ab, was sich seit Ende der 1990er Jahre in den Gesetzesinitiativen zum Bereich der Kinder- und Jugendhilfe niederschlug. So wurde bereits 2005 im Entwurf eines Gesetzes zum qualitätsorientierten und bedarfsgerechten Ausbau der Tagesbetreuung und zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe (Tagesbetreuungsausbaugesetz – TAG) (Deutscher Bundestag, 2004) ausgeführt, dass Vergleichbarkeit und Transparenz der Angebotsstruktur parallel zum quantitativen Ausbau des Platzangebots auf der Grundlage öffentlich finanzierter und auf wissenschaftlicher Grundlage entwickelter Qualitätskriterien vorzunehmen sei:

»Absatz 1 verpflichtet den Träger der öffentlichen Jugendhilfe zur Qualitätsentwicklung und -sicherung in seinen Tageseinrichtungen. Dem Stand der wissenschaftlichen Diskussion entsprechend (vgl. u.a. Fthenakis, Preissing, Strätz, Tietze im Rahmen der »Nationalen Qualitätsinitiative im System der Tageseinrichtungen für Kinder«) ist die Entwicklung eines pädagogischen Konzepts für die Erfüllung des Förderungsauftrags sowie der Einsatz von Instrumenten und Verfahren zur Evaluation der Arbeit heute ein unverzichtbares Instrument zur systematischen Qualifizierung der Arbeit in Tageseinrichtungen. Entsprechende Qualitätskriterien sowie Verfahren und Instrumente zur Qualitätsmessung und -entwicklung sind auf bundesweiter Basis innerhalb der »Nationalen Qualitätsinitiative« sowie von Trägern entwickelt worden, so dass Qualität künftig nicht mehr nur behauptet, sondern auch nachgewiesen werden kann.« (ebenda)

Der im Gesetzentwurf noch enthaltene Hinweis auf die maßgeblichen fachlichen Grundlagen für Qualitätsentwicklung und Evaluation wurde als Arbeitsergebnis des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im 12. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung 2005 – etwa ein Jahr nach Abschluss der Arbeiten in den Projekten der Nationalen Qualitätsinitiative und der Veröffentlichung ihrer im zitierten Gesetzentwurf empfohlenen Arbeitsergebnisse – dahingehend betont, dass die »traditionelle verwaltungsorientierte Qualitätssteuerung durch Regelung von (Input-)Bedingungen der Struktur- und Orientierungsqualität für alle Anbieter« nicht ausreiche, vielmehr »ein internes Qualitätsmanagement der Träger und ein externes, von Trägern und Finanzgebern unabhängiges, nach bundeseinheitlichen Kriterien arbeitendes Qualitätssicherungssystem umfassen [müsse], das Informationen für die einzelne Kindertageseinrichtung bzw. Tagespflegestelle öffentlich bereitstellt« (ebenda).

In der nachfolgenden Diskussion des Gesetzentwurfs für das TAG wurde entschieden, die Konkretisierung der Qualitätskriterien für Erziehung, Bildung und Betreuung in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege nicht in das Tagesbetreuungsausbaugesetz aufzunehmen. Es bliebt damit bei § 22a SGB VIII und den Aussagen zur Qualitätssicherung in einer nur allgemein gehaltenen Formulierung auf der Ebene einer Soll-Vorschrift.

Literatur

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2005): 12. Kinder- und Jugendbericht. Bericht über die Lebenssituation junger Menschen und die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland. URL: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/15/060/1506014.pdf

Deutscher Bundestag (2004): Entwurf eines Gesetzes zum qualitätsorientierten und bedarfsgerechten Ausbau der Tagesbetreuung und zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe (Tagesbetreuungsausbaugesetz – TAG). URL: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/15/036/1503676.pdf

Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport des Landes Berlin (2008): Vereinbarung über die Qualitätsentwicklung in Berliner Kindertagesstätten Stand 23.Juni 2008 – Unter Berücksichtigung der Änderungen vom 04.9.2007 (zu Nr. 8), vom 21.April 2008 (zu Nr. 3.7, Nr. 3.8a, Nr. 8), vom 23.Juni 2008 (zu Nr.8). Hinweis: mittlerweile zuständige Senatsverwaltung ist die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung (vormals Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport)., Berlin. URL: http://www.daks-berlin.de/downloads/01_qvtag_1_aenderungsfassung.pdf

Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft des Landes Berlin (2014): Berliner Bildungsprogramm für Kitas und Kindertagespflege, Berlin: verlag das netz. URL: https://www.gew-berlin.de/public/media/berliner_bildungsprogramm_2014.pdf

Ergänzende Arbeitshilfen

Rechtliche Grundlagen zur Qualitätsentwicklung und –sicherung

Diese Arbeitshilfe fasst kurz die wichtigsten rechtlichen und gesetzlichen Grundlagen zur Qualitätssicherung zusammen. Welche Gesetze gibt es und was muss der Träger beachten? Dokument herunterladen

Weitere Informationen unter http://www.beki-qualitaet.de/.



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