Abschnitt: Organisation und Kooperation der Kita → Finanzierung
 

Finanzierung – eine existenzielle Aufgabe der Kita-Leitung

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Bei dem Thema der Finanzierung handelt es sich um eine originäre Managementaufgabe, die in allen Organisationen mit Betriebscharakter wahrgenommen werden muss. Das heißt, die Frage nach der Finanzierung der zu produzierenden Güter oder zu erbringenden Dienstleistungen, stellt sich für private Unternehmen genauso wie für öffentliche Verwaltungen oder privatrechtliche Nonprofit Organisationen.

Üblicherweise wird das Thema der Finanzierung im Bereich der Betriebswirtschaft verortet, sodass das Kita-Management nicht umhinkommt, sich mit einigen relevanten betriebswirtschaftlichen Fachtermini zu befassen.

Betriebe aller Art – und so auch Kindertageseinrichtungen – benötigen danach zum Kauf von Materialien, von Gebäuden, von Spielgeräten, aber vor allem auch zur Entlohnung ihrer Beschäftigten und zur Begleichung von Verbindlichkeiten Geldmittel, denn all diese Vorgänge lösen bei dem Betrieb Zahlungsverpflichtungen aus. Dementsprechend kann unter Finanzierung allgemein die Versorgung des Betriebes mit den für die Zahlungsverpflichtungen notwendigen Geldmitteln verstanden werden.

Ein Betrieb, der in der Lage ist seine Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen, ist liquide. Liquidität bezeichnet damit die Fähigkeit des Betriebes, seinen Zahlungsverpflichtungen termingerecht vollumfänglich nachkommen zu können. Ist die Zahlungsdeckung zu jeder Zeit höher als der Zahlungsmittelbedarf, dann befindet sich der Betrieb in einem finanziellen Gleichgewicht. Der Terminus des »finanziellen Gleichgewichts« ist gerade auch für den öffentlichen Sektor bedeutsam. So fordert z.B. § 75 Gemeindeordnung Nordrhein-Westfalen (NRW) das finanzielle Gleichgewicht zu gewährleisten, in dem es heißt, dass der Haushalt in jedem Jahr ausgeglichen sein muss. Dies bedeutet im Kern nichts anderes, als dass die geplanten Ausgaben durch entsprechend geplante (überwiegend Steuer-)Einnahmen gedeckt sein müssen.

Private Betriebe – und als solche können Organisationen der Freie Wohlfahrtspflege im Gegensatz zu Behörden oder öffentlichen Betrieben interpretiert werden – die ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen können, sind illiquide und laufen Gefahr, in Konkurs zu gehen. Der Konkurs setzt eine dauerhafte Illiquidität voraus. Von dieser wiederum ist die nur kurzzeitige Unfähigkeit, seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen, die Zahlungsstockung, zu unterscheiden. So kann etwa ein Fall von Zahlungsstockung vorliegen, wenn ein Betrieb eine vorliegende und fällige Verbindlichkeit aktuell nicht begleichen kann, weil weder ausreichend Bargeldreserven, noch kurzfristig verfügbare Bankguthaben herangezogen werden können, jedoch in nächster Zeit entsprechende Mittel verfügbar gemacht werden können (Mroß, 2015).

Es liegt auf der Hand, dass Managementfragen rund um das Thema Finanzierung nicht losgelöst von der Trägerschaft der Kindertageseinrichtungen betrachtet werden können. Kindertageseinrichtungen in kommunaler Trägerschaft stellen regelmäßig sogenannte Regiebetriebe dar. Als solche sind sie sowohl rechtlich als auch organisatorisch/wirtschaftlich unselbständiger Teil des kommunalen Haushalts und i.e.S. nicht konkursfähig. Die Leitungen dieser Einrichtungen verfügen im Rahmen des Kita-Managements über keine echten Führungskompetenzen und treffen in diesem Sinne folglich keine echten Führungsentscheidungen (Mroß, 2014, 2016). Kindertageseinrichtungen in (gemeinnütziger oder erwerbsorientierter) privater Trägerschaft hingegen werden innerhalb ihres Verbandes oder Unternehmens mindestens als separate (End-)Kostenstelle (siehe Abschnitt 7.5) betrieben und werden ihr Finanzierungsmanagement damit so ausrichten müssen, dass die Einrichtung geringstenfalls neutrale Deckungsbeiträge erzielt. Für das (Finanz-)Management der Einrichtungen stellen sich – unabhängig davon, auf welcher Ebene das Management institutionell verankert ist – Finanzierungsfragen hier mitunter in existenzieller Form.

Literatur

Mroß, M. (2014): Die Führungsposition in der sozialen NPO. In: VM Fachzeitschrift für Verbands- und Nonprofit Management, Heft 3/2014, S. 37–39.

Mroß, M. (2015): Betriebswirtschaft im öffentlichen Sektor. Eine Einführung, 2. Aufl., Wiesbaden: Springer-Gabler.

Mroß, M. (2016): Plädoyer für ein angemessenes Führungsverständnis im öffentlichen Sektor. In: Der Öffentliche Dienst – Personalmanagement und Recht, Heft 1/2016, S. 6–12.

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