Abschnitt: Netzwerke und Übergänge → Unterstützung durch das Jugendamt
 

Diese Rolle spielt das Jugendamt bei Streitigkeiten über den Umgang mit dem Kind

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In vielen familiengerichtlichen Fällen streiten die Eltern sich nicht um die elterliche Sorge. Es geht vielmehr um eine Regelung der Umgangskontakte. Kinder haben nach § 1684 Abs. 1 BGB das Recht, Umgang zu dem Elternteil wahrzunehmen, bei welchem sie nicht täglich leben. Da dieser Umgang für das Kind förderlich sein soll, gibt es keine starre Regelung. Dieser kann je nach Alter und Entwicklung der Kinder von wenigen Stunden Kontakt bis zu mehrtägigen Aufenthalten sein. Teilweise wird auch das sogenannte Wechselmodell praktiziert, bei welchem sich die Kinder zu gleichen Zeitanteilen bei den Elternteilen aufhält.

Hier kann das Jugendamt gem. § 18 SGB VIII den Eltern Unterstützung in Form von Beratung, aber auch Begleitung von Umgangskontakten gewähren. Hierbei wird vor allem die Situation des Kindes in den Fokus gestellt und die Eltern daran erinnert, zum Wohle ihrer Kinder eine gute gemeinsame Lösung zu finden.

Schlichtungspraxis

Genau diese Suche nach einer guten gemeinsamen Lösung in Fragen der elterlichen Sorge und des Umgangs wurde auch mit dem 2009 in Kraft getretenen Gesetz über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (abgekürzt: FamFG) rechtlich unterlegt. Vielerorts wurden bereits zuvor Modelle der Schlichtungspraxis, zum Beispiel das »Cochemer Modell« oder der »Elternkonsens« durchgeführt. Hintergrund ist die Erkenntnis, dass strittige gerichtliche Verfahren und Entscheidungen selten zu einer Entlastung der Kinder und Jugendlichen führen, sondern vielmehr jahrelange belastende Loyalitätskonflikte mit sich bringen.

Im Vordergrund steht daher das Wohl der betroffenen Kinder und Jugendlichen, sodass die Eltern schnell an eine Einigung herangeführt werden sollen, aber auch mit dem Ziel, dass es in einer eventuell gerichtlichen Auseinandersetzung keinen »Gewinner« oder »Verlierer« gibt. Eltern sollen erkennen, dass es sinnvoll ist, im Interesse ihrer Kinder eine tragfähige gemeinsame Lösung zu finden.

»Die entsprechenden Verfahrensschritte zielen hierauf ab:

  • Die Antragsschrift an das Gericht wird auf das Notwendigste beschränkt. Hierzu gehört eine kurze, konzentrierte Sachverhaltsdarstellung ohne persönliche Vorwürfe und der eigentliche Antrag. Eine Erwiderung des Antragsgegners ist vor dem Termin entbehrlich. Grundsätzlich beschränken sich die Anwältinnen und Anwälte auf eine knappe Darstellung der Tatsachen; es soll vermieden werden, dass der Streit weiter eskaliert.

  • Das Gericht terminiert kurzfristig, nach § 155 Absatz 2 FamFG binnen eines Monats nach Eingang des Antrags. In dem Gerichtstermin erhalten beide Elternteile ausreichend Gelegenheit, alle Punkte vorzubringen, die sie für wesentlich halten.

  • Das Jugendamt wird sofort in das Verfahren eingebunden und nimmt an dem ersten Gerichtstermin teil. Zuvor führt der zuständige Mitarbeiter Gespräche mit beiden Elternteilen und den Kindern. Teilweise haben Gericht und Jugendamt verabredet, dass ein schriftlicher Bericht des Jugendamtes nicht erforderlich ist.

  • Alle am Verfahren beteiligten Berufsgruppen wirken während des ganzen Verfahrens auf ein Einvernehmen der Eltern hin.

  • Kommt eine Einigung im ersten Gerichtstermin nicht zustande, wird den Eltern kurzfristig eine Beratungsmöglichkeit eröffnet.

  • Viele Gerichte setzen sogleich einen Folgetermin fest, um das Verfahren zügig weiterbetreiben zu können, wenn die Eltern auch in der Beratung keine Einigung finden.

In der großen Mehrzahl der Fälle gelingt es auf diese Weise, entweder bereits im ersten Termin oder während der Beratung eine von den Beteiligten auch innerlich akzeptierte, einvernehmliche Lösung zu finden.«1

Dennoch bleibt, dass eine Trennung oder Scheidung für die Eltern, aber vor allem auch für die betroffenen Kinder eine große Belastung und Herausforderung ist. So stellte der Kinderpsychotherapeut Helmuth Figdor fest, um eine Scheidung gut verarbeiten zu können, würden Kinder Eltern benötigen, »die nach der Trennung so einfühlsam, geduldig, ausgeglichen, optimistisch und zuwendend sind, wie sie es im bisherigen Leben (die ersten Lebensmonate ausgenommen) nie sein mussten. Zur selben Zeit jedoch befinden sich die meisten Eltern in einer so schwierigen psychischen Situation, dass sie Kinder brauchen würden, die so ruhig, anspruchslos, loyal, seelisch gefestigt, vernünftig und selbstständig sind, wie sie bisher noch nie sein mussten.«2

Literatur

Figdor, H. (2011, 7. Aufl.): Scheidungskinder – Wege der Hilfe. Gießen: Psychosozial-Verlag.


Figdor, H. 2011 (7. Aufl.): Scheidungskinder – Wege der Hilfe.


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