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So ist »Familienbildung« im Gesetz definiert

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Familienbildung ist eine Leistung der Kinder- und Jugendhilfe und hier eine Leistung zur Förderung der allgemeinen Erziehung in der Familie. Entsprechend ist die Familienbildung im Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) verankert. Sie soll gem. § 16 SGB VIII:

  • Familien in unterschiedlichen Lebenslagen und Erziehungssituationen unterstützen,

  • junge Menschen auf Partnerschaft, Ehe und das Zusammenleben mit Kindern vorbereiten und

  • die Einbindung von Familien in Nachbarschafts- und Selbsthilfe fördern.

Mit Inkrafttreten des Bundeskinderschutzgesetzes zum 1.1.2012 wurde die Familienbildung im Kontext der Frühen Hilfen für Schwangere, werdende Väter und Familien mit kleinen Kindern gestärkt.

§

§ 16 SGB VIII im Wortlaut

§ 16 Allgemeine Förderung der Erziehung in der Familie

(1) Müttern, Vätern, anderen Erziehungsberechtigten und jungen Menschen sollen Leistungen der allgemeinen Förderung der Erziehung in der Familie angeboten werden. Sie sollen dazu beitragen, dass Mütter, Väter und andere Erziehungsberechtigte ihre Erziehungsverantwortung besser wahrnehmen können. Sie sollen auch Wege aufzeigen, wie Konfliktsituationen in der Familie gewaltfrei gelöst werden können.

(2) Leistungen zur Förderung der Erziehung in der Familie sind insbesondere

  1. 1.

    Angebote der Familienbildung, die auf Bedürfnisse und Interessen sowie auf Erfahrungen von Familien in unterschiedlichen Lebenslagen und Erziehungssituationen eingehen, die Familien in ihrer Gesundheitskompetenz stärken, die Familie zur Mitarbeit in Erziehungseinrichtungen und in Formen der Selbst- und Nachbarschaftshilfe besser befähigen sowie junge Menschen auf Ehe, Partnerschaft und das Zusammenleben mit Kindern vorbereiten,

  2. 2.

    Angebote der Beratung in allgemeinen Fragen der Erziehung und Entwicklung junger Menschen,

  3. 3.

    Angebote der Familienfreizeit und der Familienerholung, insbesondere in belastenden Familiensituationen, die bei Bedarf die erzieherische Betreuung der Kinder einschließen.

(3) Müttern und Vätern sowie schwangeren Frauen und werdenden Vätern sollen Beratung und Hilfe in Fragen der Partnerschaft und des Aufbaus elterlicher Erziehungs- und Beziehungskompetenzen angeboten werden.

(4) Das Nähere über Inhalt und Umfang der Aufgaben regelt das Landesrecht.

Für die Ausgestaltung der Familienbildung als eine Leistung zur Förderung der allgemeinen Erziehung in der Familie ist die Zielsetzung der Kinder- und Jugendhilfe, »Eltern und andere Erziehungsberechtigte in der Erziehung (zu) beraten und (zu) unterstützen« (§ 1 Abs. 3 SGB VIII), maßgeblich. Damit wird zugleich dem Grundgesetz und dem hier verankerten besonderen Schutz der Familie durch den Staat Rechnung getragen (Art. 6 Abs. 1). Dieses Grundrecht beinhaltet zum einen »Abwehrrechte« im Sinne von Schutz vor externen Eingriffen, zum anderen aber auch die Teilhabe der Familien an staatlichen Leistungen. Die elterliche Erziehungsverantwortung wird somit nicht nur durch staatliche Kontrolle und die Ausübung des staatlichen Wächteramtes gestützt. Es besteht vielmehr »der Auftrag, Bedingungen zu schaffen, die es den Eltern ermöglichen, ihre Erziehungsverantwortung bestmöglich wahrzunehmen« (Münder/Wiesner 2007).

Familienbildung hat somit die Aufgabe, Eltern in ihren Erziehungskompetenzen und in der Wahrnehmung ihrer Erziehungsverantwortung zu stärken. Damit trägt sie dazu bei, dass dem Recht junger Menschen auf Förderung ihrer Entwicklung und Erziehung entsprochen wird (§ 1 SGB VIII, Münder u.a. 2006). Originär begrenzt sich die Zuständigkeit der Kinder- und Jugendhilfe auf junge Menschen (bis 27 Jahre) und ihre Familien. Familienbildung versteht sich aber grundsätzlich als lebensbegleitend und damit über die junge Familie hinaus auch für die älter werdende Familie zuständig. Familienbildung findet sich darum auch im Bereich der Erwachsenenbildung.

Aus der skizzierten rechtlichen Einordnung ergibt sich eine grundsätzlich primärpräventive Ausrichtung der Familienbildung. In dem Maße wie Familienbildung zielgruppenspezifische Angebote entwickelt und hierbei insbesondere auch Familien in besonderen und schwierigen Lebenslagen (z.B. Armut, Arbeitslosigkeit, schwere Erkrankung eines Elternteils etc.) adressiert, nimmt sie auch sekundärpräventive Funktionen wahr.

Literatur

Münder, J. u.a. (2006, 5. Aufl.): Frankfurter Kommentar zum SGB VIII: Kinder- und Jugendhilfe. Baden-Baden: Nomos.

Münder, J. / Wiesner, R. (Hrsg.) (2007): Kinder- und Jugendhilferecht. Handbuch. Baden-Baden: Nomos.

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