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Spezielle Pflegeleistungen – wann sind sie möglich?

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Übersteigt der Pflege- und Unterstützungsbedarf eines Kindes im Bereich der Selbstversorgung, Mobilität und Gestaltung des Alltagslebens aufgrund einer nicht nur vorübergehenden Beeinträchtigung den in diesem Alter üblichen Hilfebedarf oder bedarf das Kind krankheits- und behinderungsbedingt besonderer Anleitung und Aufsicht (z.B. bei autoaggressivem Verhalten, nächtlicher Unruhe, mangelnder räumlich-zeitlicher Orientierung), so hat das Kind eventuell Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung nach SGB XI. Die Pflegeleistungen werden sowohl bei körperlichen Einschränkungen als auch bei erheblichen Einschränkungen der Alltagskompetenz gewährt. Pflegen die Eltern das Kind selbst, erhält es Pflegegeld. Entlastet ein ambulanter Pflegedienst die Eltern, werden dem Kind anstelle oder in Kombination mit dem Pflegegeld Pflegesachleistungen erbracht. Die Pflege kann auch stationär erfolgen und sei es auch nur wochen- oder tageweise bei Verhinderung oder zur Entlastung der Eltern (Verhinderungs- und Kurzzeitpflege). Umfang und Höhe des Pflegegeldes und der Leistungen für die ambulante und stationäre Pflege richten sich danach, wie sehr die Selbstständigkeit der pflegebedürftigen Person bei Aktivitäten in insgesamt sechs pflegerelevanten Bereichen beeinträchtigt ist. Anhand eines Punktesystems erfolgt eine Einstufung des Bedarfs in fünf Pflegegraden. Dabei muss stets ermittelt werden, ob die Einschränkungen der Kinder noch alterstypischer Natur oder auf ihre Beeinträchtigung zurückzuführen sind.

Gewährt werden je nach Bedarf außerdem ein Zuschuss zur Entlastung der Angehörigen von Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz (Entlastungsbetrag), Pflegehilfsmittel sowie Zuschüsse zu wohnfeldverbessernden Maßnahmen (z.B. dem Einbau einer Rampe) mit je EUR 4.000 pro Maßnahme. Eltern, die wegen der Pflege ihres Kindes kurzzeitig oder längerfristig nicht mehr ihrer Erwerbsarbeit nachgehen können, haben gegebenenfalls Anspruch gegen den Arbeitgeber auf Arbeitsfreistellung und Pflegeunterstützungsgeld.

Die Leistungen der Pflegeversicherung sind »gedeckelt«, d.h. sie decken in vielen Fällen nur einen Teil der tatsächlichen Kosten ab. Sind die Eltern nicht gesetzlich pflegeversichert oder in vergleichbarer Weise privatversichert (private Pflegeversicherungen erbringen u.U. weniger Leistungen als die gesetzlichen Pflegekassen) oder übersteigt der Hilfebedarf des Kindes die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung, können Eltern Anspruch auf Unterstützung durch das Sozialamt in Form der Hilfe zur Pflege nach § 19 Abs. 3 und §§ 61 ff. SGB XII haben, die allerdings nur einkommens- und vermögensabhängig gewährt werden.

Ergänzende Arbeitshilfen

Tabelle: Zuständigkeit bei Leistungen zur Rehabilitation und Teilhabe (SGB IX)

Die Tabelle zeigt, dass je nach Ursache der Beeinträchtigung (z.B. Krankheit, Unfall, Gewalttat), Versicherungsstatus des Kindes bzw. seiner Eltern und Art seines Bedarfs unterschiedliche Rehabilitationsträger für die Leistungen zuständig sein können. Dokument herunterladen

Beispiel: Leistungen der Rehabilitation und Teilhabe

Welche Leistungen im Bereich der Rehabilitation und Teilhabe nach SGB IX möglich sind, zeigt diese Aufstellung überblicksartig. Nutzen Sie sie für eine erste Orientierung. Dokument herunterladen

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