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Diese Kinderrechte sollten Sie kennen

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Jedes Kind ist einzigartig. Es hat eine eigene Würde und ist als Subjekt von Beginn an Träger eigener Rechte. Kinderrechte sind nicht abhängig von bestimmten Eigenschaften, sondern unmittelbarer Ausdruck der jedem Kind innewohnenden und unveräußerlichen Würde. Bereits Friedrich Fröbel, der Gründer des ersten Kindergartens in Deutschland, wies darauf hin, dass Kinder von Beginn an vollwertige Menschen sind. Er betonte, dass die Qualität des Menschseins nicht erst im Verlauf der kindlichen Entwicklung erworben wird, sondern schon bei Neugeborenen vorhanden ist: »Das neugeborene Kind nicht nachher erst Mensch wird, sondern der Mensch schon, mit all‘ seinen Anlagen und der Einheit seines Wesens, im Kinde erscheint und da ist« (Fröbel, 1838/2015).

Die Würde des Kindes zu achten und Kinder als Rechtssubjekte zu respektieren, ist Aufgabe all derer, die Verantwortung für Kinder übernehmen, darunter Pädagoginnen und Pädagogen in Kitas. Mit der Orientierung an den Kinderrechten ist die Absage an paternalistische Haltungen verbunden. Kinder sind nicht bloß Objekte des Schutzes und der Fürsorge. Kinderrechtsschutz ist viel mehr als Kinderschutz. Eine an den Kinderrechten orientierte Pädagogik respektiert das Kind als eigenständigen Träger von Schutz-, Förder- und Beteiligungsrechten.

Kinder und Erwachsene sind gleich und verschieden. Werden der Status des Menschseins und die damit verbundenen Menschenrechte als Maßstab des Vergleichs genommen, sind Kinder den Erwachsenen gleich. Zugleich aber unterscheiden sich Kinder zweifellos von Erwachsenen: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Als ‚Seiende‘ sind sie einerseits Menschen wie alle anderen auch. Als ‚Werdende‘ sind sie andererseits Menschen in einer besonders dynamischen Entwicklungsphase und auf Erwachsene angewiesen, die sich fürsorgend für sie einsetzen.

Kinder und Erwachsene: Gleichheit und Verschiedenheit

Gleichheit: Kinder sind wie Erwachsene Menschen. Sie sind Träger aller Menschenrechte.

Verschiedenheit:

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Sie haben entwicklungsbedingt spezifische Bedürfnisse und damit verbundene Kinderrechte.

Das Verhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern ist daher asymmetrisch: Erwachsene tragen Verantwortung für Kinder, nicht jedoch umgekehrt Kinder in gleicher Weise für Erwachsene. Aufgrund der Entwicklungstatsache brauchen Kinder besonderen Schutz, besondere Förderung und besondere, kindgerechte Beteiligungsformen. Für eine gesunde Entwicklung sind sie auf Erwachsene angewiesen, die Verantwortung dafür übernehmen, dass die Kinder zu ihrem Recht kommen.

In pädagogischen Einrichtungen wie zum Beispiel in Kitas findet die Begegnung zwischen Erwachsenen und Kindern jeweils in zweifacher Weise statt. Einerseits – gemessen am Subjektstatus jedes Menschen – als Begegnung zwischen Gleichen. Dies kommt in der Forderung zum Ausdruck, dass pädagogische Beziehungen auf Augenhöhe erfolgen sollen. Wie alle Menschen sind Kinder als eigenständige und gleichwertige Persönlichkeiten zu achten. Sie sind (Rechts-) Subjekte und Experten in eigener Sache, ausgestattet mit einer jeweils individuellen Sichtweise, die es zu respektieren gilt. Kinder bringen ihre besonderen Bedürfnisse in die Beziehung ein und gestalten diese aktiv mit.

Andererseits ist die Beziehung zwischen pädagogischen Fachkräften und Kindern eine Begegnung zwischen Ungleichen. Erzieherinnen und Erzieher stehen in der Verantwortung, Kinder zu ihrem Recht kommen zu lassen. Diese Verantwortung besteht nicht auf Seiten des Kindes. Mit dieser Asymmetrie verbunden ist eine strukturelle Machtungleichheit. Erwachsene haben die Pflicht, ihre Macht nicht für eigene Zwecke, sondern ausschließlich an den besten Interessen des Kindes (Kindeswohl) orientiert zu gebrauchen.

Im pädagogischen Alltag ist die Parallelität von Gleichheit und Ungleichheit nicht immer leicht zu balancieren. Eine Reduktion auf das eine oder andere Element wird den Anforderungen an pädagogische Beziehungen nicht gerecht. Wird die Gleichheit überbewertet, so leugnet dies die zwischen Erwachsenen und Kindern notwendigerweise bestehenden Unterschiede. Kinder werden in diesem Fall wie kleine Erwachsene behandelt und die pädagogische Beziehung pervertiert zur Kumpanei mit allen damit verbundenen Gefahren von Grenzverletzungen zu Lasten des Kindes.

Verschiebt sich umgekehrt die Balance einseitig in Richtung Ungleichheit, geschieht dies auf Kosten der Gleichwertigkeit von Kindern und Erwachsenen. Kinder werden in diesem Fall auf einen Status des ‚Noch nicht‘ festgelegt. Die sich entwickelnden Fähigkeiten und die wachsende Bereitschaft von Kindern zu Verantwortungsübernahme bleiben unbeachtet. Erwachsene Verantwortung für Kinder verkehrt sich zur Verfügungsmacht über das Kind. Die pädagogische Beziehung erstarrt zu paternalistischer Inbesitznahme.

Bei der Bestimmung des Verhältnisses zwischen Kindern und Erwachsenen geht es also sowohl um Gleichberechtigung wie auch um Anerkennung der Verschiedenheit. In der Balance von Gleichheit auf der einen und Verschiedenheit auf der anderen Seite liegt die besondere Herausforderung im Umgang der Erwachsenen mit den Kindern.

Literatur

Fröbel, F. (1838/2015): »Kommt, lasst uns unsern Kindern leben!« In: Margitta Rockstein (Hrsg.). Fröbels Kindergarten. Ein Zukunftsmodell aus der Vergangenheit. Friedrich-Fröbel-Museum Bad Blankenburg.

Ergänzende Arbeitshilfen

Merkblatt: UN-Kinderrechtskonvention (UN-KRK)

Die UN-Kinderrechtskonvention bildet den Grundstein für die aktuellen Kinderrechte. Hier bekommen Sie eine kurze Einführung in das Vertragswerk und dessen Rechtsstatus. Dokument herunterladen

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