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Getrennte Eltern – wer darf entscheiden?

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Kommt es zwischen Eltern, denen die elterliche Sorge gemeinsam zusteht, zur Trennung oder lassen sie sich scheiden, bleibt es unabhängig von der Trennung und Scheidung bei der gemeinsamen elterlichen Sorge. Der Akt der Trennung und der Scheidung wird auch als »sorgerechtsneutral« bezeichnet (Lorenz, 2016). Auf Antrag eines Elternteils kann die gemeinsame elterliche Sorge aus diesem Anlass jedoch nach § 1671 BGB aufgelöst und ihm zugewiesen werden (Schleicher, 2014).

Für die pädagogischen Fachkräfte bringt eine Trennung bzw. Scheidung in der Praxis häufig die Frage mit sich, welcher Elternteil nun entscheiden darf, wenn die getrenntlebenden Eltern sich nicht einig sind und beiden das Sorgerecht gemeinsam zusteht. Diese Frage beantwortet § 1687 BGB, worin die Ausübung der elterlichen Sorge bei Getrenntleben geregelt ist.

Angelegenheiten des täglichen Lebens und der tatsächlichen Betreuung

In Angelegenheiten des täglichen Lebens und der tatsächlichen Betreuung entscheidet nach § 1687 Abs. 1 S. 2 bis 4 BGB der Elternteil allein, bei dem das Kind seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat bzw. der das Kind gerade betreut, etwa während vereinbarter Umgangskontakte. Als Angelegenheiten des täglichen Lebens gelten solche, die im täglichen Leben der Familie häufig vorkommen und die keine nachhaltige Auswirkung auf die Entwicklung des Kindes haben bzw. ohne Aufwand wieder abänderbar sind (§ 1687 Abs. 1 S. 3 BGB).

Beispiel für Angelegenheit des täglichen Lebens

Ob ein Kind in der Musik-AG der Kita angemeldet wird und ob es an einem Tagesausflug teilnimmt, entscheidet der Elternteil, bei dem das Kind nach Trennung der Eltern dauerhaft lebt. Bezogen auf den privaten Bereich bestimmt z.B. der Elternteil, welcher das Kind im Rahmen seines Umgangsrechts gerade betreut, über den Fernsehkonsum und die Freizeitgestaltung während der Zeit des Umgangs.

Diese Befugnis zur alleinigen Entscheidung ist allerdings beschränkt, soweit kindeswohlgefährdende Auswirkungen zu erkennen sind. Leidet das Kind bspw. unter heftigen Albträumen und Schlafstörungen, weil ein Elternteil ihm Zugang zu jugendgefährdenden Medien ermöglicht hat, kann die Alleinentscheidungsbefugnis des jeweilig betroffenen Elternteils nach § 1687 Abs. 2 BGB durch das Familiengericht eingeschränkt oder ausgeschlossen werden.

Angelegenheiten von erheblicher Bedeutung

Bei Entscheidungen, deren Regelung für das Kind von erheblicher Bedeutung ist, bedarf es nach § 1687 Abs. 1 S. 1 BGB des gegenseitigen Einvernehmens der Eltern. Denn Eltern bleiben Eltern, auch wenn sie als Frau und Mann getrennte Wege gehen. Hierin liegt für viele Eltern eine große praktische Herausforderung: Sie müssen mit dem anderen Elternteil kooperieren, obgleich sie getrennt leben und die Trennung ein Ereignis darstellt, was für alle Beteiligten mit Belastungen unterschiedlichster Art verbunden ist und häufig Konflikte im Umgang mit diesem anderen Elternteil mit sich bringt. Infolge dieser Konflikte tragen Eltern häufig vor, dass sie sich mit dem anderen nicht mehr verständigen können (oder wollen), auch wenn es hierbei um die Angelegenheiten des gemeinsamen Kindes geht.

Beispiel für Angelegenheit von erheblicher Bedeutung

Die An- und Abmeldungen eines Kindes in der Kita oder in der Schule müssen getrenntlebende Eltern gemeinsam entscheiden, ebenso die Durchführung von Schutzimpfungen, die Ernährungsumstellung des Kindes auf vegane Kost oder die Urlaubsreise in politische Krisengebiete.

Literatur

Lorenz, A. (2016): Zivil- und familienrechtliche Grundlagen der Sozialen Arbeit. 2. Aufl., Baden-Baden: Nomos Verlag.

Schleicher, H. (2014): Jugend- und Familienrecht. 14. Aufl., München: C.H. Beck Verlag.

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