Abschnitt: Wege zur Qualität → Qualität durch Qualifikation
 

Zeigen Sie Ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen Wertschätzung!

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Führung und Mitarbeiterbindung führen eine enge Symbiose. Nicht nur der Erzieherberuf profitiert durch eine wertschätzende Führungskultur. Auch andere Branchen stellen seit einigen Jahren das Thema Wertschätzung/ethische Führung und Mitarbeiterbindung in einen engen Zusammenhang. Dieses Thema findet auch vermehrt Einzug in den Wirtschaftsteil renommierter Tageszeitungen, da man die enge Korrelation und auch die finanziellen Auswirkungen bei hoher Fluktuation erkennt und gezielter in den Fokus nimmt.

Die Autoren der AQUA-Studie (Arbeitsplatz und Qualität in Kitas) stellten 2014 fest, dass 67 % der Befragten, deren Arbeitsbedingungen eher als schlecht eingeschätzt wurden, zu einer niedrigen Bindung an ihren Arbeitgeber tendieren. Dagegen fühlen sich zwei Drittel der pädagogischen Fachkräfte an ihren Träger/Arbeitgeber als auch an den Beruf sehr gebunden, wenn entsprechend positive Arbeitsverhältnisse vorliegen.

Für fast 90 % der pädagogischen Fachkräfte wird zudem festgestellt, dass für sie ein gutes Verhältnis zu den Führungskräften sehr wichtig ist. Zudem spielen gemeinsame und gelebte Werte ebenso eine große Rolle bei der Bindung an den Arbeitgeber. Dies erhöht nachweislich auch die Identifikation und somit das Zugehörigkeitsgefühl. Eine zentrale Rolle nimmt dabei eine wertschätzende Führungskultur ein. Ist das Leitungshandeln von ethischen Prinzipien geleitet, werden diese auch positiver wahrgenommen. Im umgekehrten Fall gibt es keine starken Bindungstendenzen und die Mitarbeiter/innen kündigen verstärkt.

Ein weiteres, sehr interessantes Ergebnis der AQUA-Studie ist, dass Fachkräfte sich generell ihrem Beruf gegenüber sehr verbunden fühlen und sehr gerne in ihrem Beruf als Erzieher/in arbeiten. Generell haben sie, wenn sie an einem Arbeitsplatz tätig sind, der ihnen gefällt, eher weniger die Absicht zu einem anderen Arbeitgeber zu wechseln.

Der größte Teil der pädagogischen Fachkräfte weist eine gewisse Kontinuität und einen längeren Verbleib an seiner Dienststelle auf. Vorausgesetzt, sie fühlen sich dort wohl, finden angenehme Bedingungen vor und sind mit ihrer Kitaleitung zufrieden.

»Insgesamt gesehen ziehen nur wenige Fachkräfte in Betracht, ihre Stelle in der Kita oder bei ihrem Träger zu kündigen oder das Berufsfeld zu wechseln. Kita-Fachkräftescheinen eine eher loyale Berufsgruppe zu sein.« (Schreyer, 2014).

Führung durch Wertschätzung

Die Führung eines Teams trägt entscheidend zur Bindung und zum Vertrieb in der Kita bei. Von der eigenen Haltung bis hin zum Feedbackgespräch: In all diesen Dimensionen drückt sich das Thema Wertschätzung aus. Es kann als leitende Handlungsmaxime genau so verstanden werden wie als wichtiger Treiber der Mitarbeitergewinnung. Zudem hat eine ethisch handelnde Führungskraft auch eine positive Strahlkraft nach außen in ihr Umfeld: Die eigenen Mitarbeiter/innen arbeiten motiviert und begeistert und sie identifizieren sich mit der Einrichtungsphilosophie ihrer Kita. Mitarbeiter/innen als Botschafter gelebter positiver, werteorientierter Kita-Kultur tragen das gerne an ihr privates Umfeld und ihr berufliches Netzwerk weiter. Die wichtigste Ressource sind daher überzeugte, engagierte Mitarbeiter/innen, denn sie werben gerne für ihre Kita: aus Überzeugung. Das wirkt nachhaltiger und authentischer, als jegliche Hochglanzbroschüre versprechen kann.

Im Kita-Alltag sind es oft Kleinigkeiten, die Anerkennung verdienen: Jemand setzt sich für eine kranke Kollegin engagiert ein. Jemand denkt vorausschauend an die organisatorischen Kleinigkeiten in der Sommerfest-Vorbereitung usw. Als wertschätzende Führungskraft gilt es, den manchmal normalen Kleinigkeiten im Alltag die nötige Dankbarkeit und Aufmerksamkeit zu zeigen. Jeder Mensch hat ein Grundbedürfnis nach Anerkennung, Lob und Wertschätzung. Nicht inflationär gebraucht, sondern ehrlich in den unterschiedlichsten Momenten kommuniziert. Gerade in herausfordernden Situationen, wie bei Konflikten, macht sich eine wertschätzende Grundhaltung glaubwürdiger, da es dann auf besondere personale Kompetenzen ankommt.

Solch ein Führungshandeln wirkt sich auch positiv auf die Teamkultur aus, dies wiederum auf das langfristige positive Mitarbeiten an der Kita. Wer sich aktiv einbringen kann, wer mit seinen Stärken und Ressourcen wahrgenommen fühlt und sich mit seinen Möglichkeiten entfalten kann, reduziert Krankheitsphasen genauso wie potenzielle Konflikte.

Neuen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen tut es gut, wenn sie eine Willkommenskultur in der Kindertageseinrichtung vorfinden: Wie werden Sie aktiv miteingebunden? Gibt es ein Einarbeitungskonzept? Mit welchen Maßnahmen wird die Teamentwicklung begleitet?

Das sind Beispielsfragen, mit denen ein sogenannter Onboarding-Prozess begleitet werden kann. Wenn neue Mitarbeiter/innen sich gleich in ihrer Einarbeitungsphase ehrlich willkommen fühlen, bleiben sie längerfristig der Kita erhalten. Wertschätzende Führungskultur beteiligt die Mitarbeiter/innen sowohl an der Konzeption bis hin zur Gestaltung pädagogischer Projekte. Die Grundhaltung ist wertschätzend, das wirkt sich ebenso auf das Kommunikationsverhalten aus. Aber auch der anerkennende Umgang mit den multiprofessionellen Teams und deren Vielfalt an Qualifikationen und Kompetenzen ist eine weitere Säule in der ethischen Führung.

Literatur

Schreyer, Inge, Krause, Martin, Brandl, Marion & Nicko, Oliver (2014): AQUA – Arbeitsplatz und Qualität in Kitas. Ergebnisse einer bundesweiten Befragung. München: Staatsinstitut für Frühpädagogik.

Ergänzende Arbeitshilfen

Checkliste für die Einarbeitung

Sobald ein/e neue/r Mitarbeiter/in bei Ihnen anfängt, müssen Sie und Ihr Team den Neuen/die Neue einarbeiten. Die Checkliste stellt die wichtigsten Bereiche zusammen, über die Sie eine/n neue/n Mitarbeiter/in informieren müssen. Dokument herunterladen

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