Abschnitt: Wege zur Qualität → Qualität durch Problembewusstsein
 

Vermeiden Sie durch Teamwork Stolpersteine

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»Wenn einer sagt: »Ich mag dich, du, ich find’ dich ehrlich gut«. Dann krieg’ ich eine Gänsehaut und auch ein bisschen Mut.« Andreas Elbert (Theologe, 1952).

Ein Stolperstein bezeichnet etwas, das im Weg liegt und nicht wahrgenommen wird. Unwillkürlich bleibt jemand daran hängen und es entsteht etwas Unvorhersehbares, meist Negatives oder Schmerzhaftes. Stolpersteine zu erkennen ist demnach etwas, wobei Menschen frühzeitig achtsam auf ihrem Weg sein müssen, um sie zu erkennen. Es gilt sie zu beseitigen, bevor unangenehme Folgen eintreten und sie einen langen Weg noch beschwerlicher machen

Kulturelle Unterschiede, Traditionen, neue Bildungsansprüche sowie eine sich verändernde Gesellschaft verlangen von jedem viel, der darin lebt und mit den damit verbundenen Bedingungen umgehen muss. Es ist ratsam, hin und wieder nach dem Vers von Andreas Elbert, »Wenn einer sagt: »Ich mag dich, du, …« zu handeln. Das kann nicht nur Stolpersteine, sondern ganze Berge versetzen. Ein wertschätzender, unterstützender Umgang miteinander ist eine Grundvoraussetzung und äußerst hilfreich, um die Identifikation von Stolpersteinen zu gewährleisten.

Auf etwas zu schauen, das schiefgehen könnte, benötigt den Mut aller. Häufig definieren sich Stolpersteine durch den Umgang miteinander: Der Umgang mit den Eltern, den Kindern oder anderen Kollegen und Kolleginnen. Eine regelmäßige Reflexion mit allen beteiligten Personen ermöglicht ein frühzeitiges Hinsehen, wenn sich am Horizont ein Hindernis zeigt.

Täglich entstehen Stolpersteine z.B. durch:

  • zeitliche Vorgaben im Tagesablauf

  • gegenseitige Erwartungen,

  • zu hoch gesteckte Erwartungen oder Eigenerwartungen,

  • Erziehung zu Hause oder in der Kita,

  • erhöhten Bildungsanspruch,

  • Inklusion,

  • Verbindung unterschiedlicher Kulturen,

  • Traditionen in einer modernen Gesellschaft.

Meistens »stolpert« es in der Folge auf Grund von unzureichender Kommunikation.

Umgang miteinander

Häufiger ein gut und ehrlich gemeintes Zeichen der gegenseitigen Sympathie laut aussprechen, auch wenn es nur Sympathie für einen Moment ist, verhindert, dass eine große Menge Steine auf einem Weg landen. Herausforderungen und Stolpersteine im Leben und im Beruf können durch einen wertschätzenden Umgang und einer positiven Pflege der Beziehungen frühzeitig erkannt werden.

Ist die Haltung gegenüber einer Person bereits negativ vorbelastet, dann ist es schwierig, offen und vorurteilsfrei mit diesem Menschen umzugehen. Hier liegen versteckte Gefahren, dass negative Eigenschaften in jemanden hineingedeutet werden, ohne das der- oder diejenige etwas getan oder gesagt hätte, das tatsächlich negativ war. Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und eine wohlwollende Wahrnehmung sind wichtig, vor allem wenn sich jemand ehrlich bewusst ist, dass die Person gegenüber zunächst als unsympathisch empfunden wird. Dann ist es umso wichtiger, Positives in ihr zu suchen, denn jeder Mensch besitzt positive Eigenschaften.

Übung 1

Um zu überprüfen, ob diese These stimmt, suchen Sie sich einen Menschen in ihrer Umgebung, der Ihnen unsympathisch ist und von dem Sie überzeugt sind, dass er nur Schlechtes will oder macht. Dann beobachten Sie denjenigen und versuchen, jeden Tag ein oder zwei für Sie positive Reaktionen oder Aussagen von diesem Menschen wahrzunehmen. Schreiben sie diese auf und sammeln Sie sie über einige Wochen.

Zu Beginn der Übung herrscht der Glaube, dass nichts Gutes sichtbar werden kann, in diesem Fall sollten Sie jedoch nicht aufgeben. Es kann dauern, sich auf die andere Person positiv einzulassen. Irgendwann wird jedoch deutlich, dass niemand ausschließlich negative Eigenschaften hat, und das allein kann die Meinung über eine ungeliebte Person ändern und hilft, einen Menschen aus einem anderen, positiveren Blickwinkel zu betrachten.

Nach einer Übung wie dieser ist ein Gespräch mit der anderen Person i.d.R. einfacher, weil sich ein neues Verständnis für das Verhalten der Person entwickeln konnte. Kaum ein Mensch macht etwas, weil er »böse« ist, sondern er hat lediglich eine andere Sichtweise auf die gleiche Situation, die geklärt werden sollte.

Kommunikation

Gerade ungeliebten Menschen sollte so sachlich und genau wie möglich zugehört und gegebenenfalls ehrliche Rückfragen gestellt werden, um zu überprüfen, ob das, was verstanden wurde, auch dem entspricht, was das Gegenüber gemeint hat.

Häufig fällt das Verständnis einer Botschaft einem persönlichen Beziehungsproblem zwischen den an der Kommunikation Beteiligten zum Opfer. Den Grund dafür zeigt das Kommunikationsquadrat nach F. Schulz von Thun (1981) (Abb. 1). Es verdeutlicht, welche Inhalte in einer Aussage eines Menschen zusammentreffen. Eine Botschaft von einer Person zu einer anderen beinhaltet auf beiden Seiten jeweils vier Informationen, die nicht gleich sein müssen: Einen Sachinhalt (1), eine Selbstkundgabe (2), einen Beziehungshinweis (3) und einen Appell (4).

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Abb. 1: Das Kommunikationsquadrat (Quelle: Schulz von Thun, 1981)

Abb. 2 verdeutlicht das Modell anhand eines Beispiels aus dem Alltag. Ein Ehepaar sitzt am Mittagstisch und möchte essen. Die Frau hat gekocht. Der Mann stellt die Frage: »Was ist das Grüne in der Soße?«.

Der sachliche Inhalt dieser Botschaft ist: »Da ist etwas Grünes in der Soße.« (1). Dieser sachliche Inhalt ist für beide Gesprächspartner der Gleiche. Es gibt jedoch noch andere Inhalte in der Botschaft, z.B. die Selbstkundgabe (2). Der Sender gibt zu, dass er keine Ahnung hat, was das Grüne in der Soße ist. Jetzt hört die Empfängerin, außer der sachlichen Botschaft, mit diesem Ohr etwas ungesagt anderes, nämlich die Selbstkundgabe »Mir schmeckt das nicht.« (2). Und im Hinblick auf die (vielleicht nicht ganz so gute) Beziehung, die zwischen ihr und dem Sender in diesem Punkt besteht, hört sie weiterhin »Du bist eine schlechte Köchin.«, während er als Beziehungshinweis (3) meinte, dass sie die Fachfrau ist, die weiß, was das ist, »Du wirst es wissen.«. Sein Appell (4) ist daher, »Sag mir, was es ist.«. Ihr Verständnis von dem Appell aber ist »Lass das nächste Mal das Grüne weg«.

Das bedeutet, die vier Ohren, mit denen die Empfängerin das Gesagte hört, stimmen inhaltlich nicht überein mit den vier Informationen, die gesendet wurden. Diese verschieden verstandenen Informationen, die nicht ausgesprochen werden, aber in der Aussage unhörbar enthalten sind, liefern die beste Basis für einen Konflikt.

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Abb. 2: Beispiel einer Störung in der Kommunikation (Quelle: Schulz von Thun, 1981)

Wenn zum Sender einer Information z.B. ein Beziehungsproblem besteht, kommt es schnell zu falsch verstandenen Botschaften oder Stolpersteinen, die jedoch jederzeit hinterfragt werden können. Es setzt Mut voraus und eine wohlwollende Einstellung damit offene, wertschätzende Fragen vom Sender abgegeben und vom Empfänger unkritisch angenommen werden können, um Störungen zu klären und Stolpersteine zu identifizieren oder zu vermeiden.

Literatur

Schulz von Thun, F. (1981): Miteinander reden 1 – Störungen und Klärungen. Reinbek bei Hamburg.

Ergänzende Arbeitshilfen

Das Team als Ganzes verstehen: Das Seerosen-Modell

Das Seerosen-Modell zeigt auf, wie ein Team agieren sollte, um die maximale Effizienz zu erlangen. Die Partizipation eines jeden Einzelnen hilft dabei, eine gemeinsame Einheit zu bilden und wird mit dem Vergleich einer Seerose veranschaulicht. Dokument herunterladen

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