Abschnitt: Wege zur Qualität → Qualität durch Evaluation
 

Benchmarking – Vergleichen Sie Ihre Kita mit den Besten!

fotolia_120647060_s.jpg
© iQoncept / Fotolia

Hauptintention des Benchmarking ist der systematische Vergleich mit führenden Einrichtungen im jeweiligen Arbeitsfeld, die in einzelnen Bereichen besonders gut arbeiten und ähnliche Herangehensweisen oder Themen – wie jene, die von der eigenen Einrichtung angestrebt werden – bereits implementiert haben.

Definition
Benchmarking ist der Vergleich mit Vorgehensweisen und Prozessen in anderen Einrichtungen, die somit als Vorbild fungieren. Hierdurch kann einerseits die eigene Position gegenüber der Konkurrenz besser eingeschätzt werden und andererseits dienen stärkere Mitbewerber als Beispiel für die eigene Qualitätsentwicklung. Die vergleichende Analyse der Unterschiede zwischen der eigenen Einrichtung und Institutionen, die etwas besser machen, bietet Perspektiven und Impulse für Veränderungsprozesse, um die eigene Dienstleistung zu optimieren.

Im Benchmarking werden also kontinuierlich Vorgehensweisen, Prozesse oder Einzelaspekte der Dienstleistungen mit jenen der stärksten Mitbewerber in einem Bereich oder im Ganzen verglichen. Dies bedeutet, dass eine Einrichtung mehrere Vergleichseinrichtungen besitzt, die sich im Laufe der Zeit ändern können.

Beispiel
Die Kita Ahornbaum möchte ihren Garten komplett neugestalten und umbauen. Um Ideen und Anregungen zu gewinnen und sich über Schwierigkeiten, die auftreten können, zu informieren, besuchen die Fachkräfte mehrere ganz unterschiedliche Einrichtungen. Im ländlich gelegenen Kindergarten St. Martin erkundigt sich das Team über abwechslungsreihe Bepflanzungsmöglichkeiten und natürliche Baustoffe, die verwendet werden können. Der alternative Kindergarten Ringelsocke gewährt Einblicke in Bau und Gestaltung eines Gemüse- und Kräutergartens sowie in die vielfältigen Möglichkeiten die Ernteerträge gemeinsam mit Kindern im Alltag gesund zuzubereiten. Schließlich besuchen die Fachkräfte als dritte Station die für ihr ausgezeichnetes Sportkonzept bekannte Einrichtung »am alten Stadion«. Dort erhalten sie eine Führung durch die eindrucksvollen und höchst modernen Kneipp- und Trimm-Dich-Pfade im Garten. Während eines kurzen Vortrags erläutert die Leitung Frau Müller sowohl Einsatzbereiche, aber auch potenzielle Gefahren der einzelnen Geräte, sowie notwendige Sicherheitsmaßnahmen, die zu ergreifen sind.

Die im Beispiel vorgestellte Kita Ahornbaum vergleicht ihre eigenen Möglichkeiten hinsichtlich der Gartengestaltung mit mehreren anderen Einrichtungen die in ihrem jeweiligen Bereich zu diesem Zeitpunkt die »beste Fachpraxis« (best practice) repräsentieren. Dabei können Einrichtungen gewählt werden, die als Konsultationseinrichtung ausgewiesen sind oder auch ohne dieses Attribut für hervorragende Arbeit in einem Bereich stehen. Informationen über Konsultationseinrichtungen können zum einen bei Fachberatungen erfragt werden. Zum anderen über selbstständige, bundesland- oder kreis- oder themenspezifische Internetrecherche, da es ganz unterschiedliche Modellprojekte und Zusammenschlüsse von Konsultationseinrichtungen gibt.

Neben einem differenzierten Bild und den Stärken stehen Schwierigkeiten und Probleme im Aufmerksamkeitsfokus. Der fachliche Austausch über Sackgassen, Hürden oder Schwierigkeiten ist wichtig, um diese in der eigenen Arbeit von Vornherein zu vermeiden oder aber zumindest einplanen zu können. Im Gegensatz zum kollegialen Austausch, der ebenfalls Anregungen für das eigene Handeln bietet, handelt es sich beim Benchmarking um ein systematisches und strukturiertes Vorgehen. Vor dem Vergleich werden zentrale Qualitätsdimensionen identifiziert und definiert. Gegebenenfalls können auch andere Instrumente hinzugezogen werden, um möglichst viele Themen und Bereiche zu berücksichtigen und keine wichtigen Fragen zu vergessen. In einem Benchmarking-Prozess sind neben der Themenauswahl weitere Verfahrensschritte zu bewältigen (Merchel, 2013).

  • Auswahl der Bereiche, Themen und Prozesse die verglichen werden

  • Sammeln und Auswählen von Bewertungskriterien

  • Auffinden geeigneter Vergleichspartner (z.B. andere Einrichtungen)

  • Sichtung und Auswahl der Vergleichsinstrumente (z.B. Beobachtungsverfahren, Videographie)

  • Anwendung der Instrumente im Vergleichsprozess in den ausgewählten Einrichtungen

  • Auswertung und Interpretation der Ergebnisse

  • Planung der angestrebten Verbesserungsmaßnahmen

  • Umsetzung der Einzelmaßnahmen

  • Evaluation und Ergebnissicherung

  • Durchführung weiterer Benchmarking-Prozesse zum selben Bereich, wenn die Ergebnisse nicht zufriedenstellend sind, oder zu neuen anderen Themen.

Benchmarking ist also eine Methode zur nachhaltigen Qualitätssteigerung, resultierend aus dem direkten Vergleich mit Mitbewerbern am Markt, das nicht nur in besonderen Ausnahmesituationen (beispielsweise die Gartengestaltung im obigen Beispiel), sondern kontinuierlich und fortlaufend im Einrichtungsalltag Einsatz finden kann.

Um nun einen tatsächlichen Benchmarking-Prozess zu verfolgen sollte die Kita Ahornbaum ggf. auch priorisierende Kriterien festgelegt haben, anhand derer sie die Eindrücke und Innovationen der drei besuchten Einrichtungen für sich selbst sortieren und bewerten kann. Die Ergebnisse des Vergleichsprozesses münden in Planungen und Zieldefinitionen für die eigenen Verbesserungen und Umgestaltungen im Einrichtungsgarten. Nach Realisierung der Änderungen findet ein Vergleich zwischen dem nun erreichten Ist-Zustand und dem geplanten Soll-Zustand statt, evtl. sind sofort Nachbesserungen notwendig, die erneut den Besuch von Einrichtungen erfordern, oder die Kita setzt sich weitere Ziele und setzt den Benchmarking-Prozess auf diese Weise – kontinuierlich – fort.

Literatur

Merchel, J. (2013): Qualitätsmanagement in der Sozialen Arbeit. Eine Einführung. Weinheim: Beltz Juventa.

Nach oben

Anmelden