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Evaluation: Wie Sie mit der Hilfe von Daten die Qualität verbessern

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Qualitätsmanagement in Einrichtungen und Institutionen soll alle Bereiche des Alltags systematisieren und dadurch zu einer verbesserten und transparenteren Erziehung, Bildung, Betreuung und Pflege beitragen. Implementierte Qualitätsentwicklungsmaßnahmen vereinfachen durch ihren hohen Grad an Strukturierung und Transparenz die Arbeit, so dass den Kindern mehr Zeit und Aufmerksamkeit entgegengebracht werden kann. Damit dies gelingt, benötigt jede Einrichtung ein auf ihre individuellen Bedürfnisse abgestimmtes Verfahren der stetigen Qualitätsentwicklung und nachhaltigen Qualitätssicherung. Beide inkludieren unterschiedliche Varianten von Evaluationsverfahren.

Definition

Evaluation ist der Prozess des systematischen Sammelns, Bewertens, Analysierens und Interpretierens von Daten anhand fachlich legitimierter bzw. standardisierter Maßstäbe, um daraus Konsequenzen für die Sicherung und Weiterentwicklung der Qualität in allen Bereichen der Einrichtung abzuleiten. Maßnahmen und Wirkungen können so möglichst objektiv beurteilt werden. (Amerein/Amerein, 2011).

Ein wesentlicher Baustein der vorangehenden Definition ist der Terminus objektive Beurteilung.

Definition

Die Objektivität macht deutlich, wie unabhängig die Evaluationsergebnisse von den jeweiligen Rahmenbedingungen sind. Das heißt eine Evaluation sollte, wenn sie von unterschiedlichen Personen durchgeführt wird, immer zum selben, zumindest aber zu einem ähnlichen Resultat führen.

Evaluationen in Einrichtungen werden also realisiert, um möglichst detaillierte und aussagekräftige Informationen über z.B. Wirkung, Effizienz, Kosten und Nutzen bestimmter Prozesse, Maßnahmen oder Gegebenheiten zu erhalten. Häufig bevor diese in die Wege geleitet oder nachdem sie implementiert wurden. Eine Evaluation kann eine gesamte Kindertageseinrichtung mit all ihren Gruppen, Prozessen und Strukturen, also alle möglichen Bewertungsprozesse betreffen, oder aber nur einzelne spezifische Bewertungsbereiche wie etwa die Fachkraft-Kind-Interaktion.

Grundsätzlich ist vor einer unsystematischen Ad-hoc-Evaluation zu warnen. Um neben objektiven auch wirklich aussagekräftige sowie zuverlässige Informationen zu erhalten, muss der Prozess möglichst standardisiert und systematisch ablaufen. Eher abzuraten ist also vor der Verwendung von spontanen und auf die Schnelle selbst entwickelten Fragebögen o.ä., denn damit können keine aussagekräftigen Hinweise generiert werden. Vielmehr sollte stattdessen, auf bereits existierende, seriöse und vor allem mehrfach erprobte Instrumente zurückgegriffen werden, welche aber jeder Zeit auf die spezifischen Bedarfe einer Einrichtung angepasst oder erweitert werden. Unter Umständen kann es auch angeraten sein, Experten ins Boot zu holen.

Grundsätzlich sind drei Vorgehensweisen möglich (Haucke/Strätz, 2016):

  1. 1.

    Die Konzeptionsbasierte Evaluation. Die Einrichtung verfügt über eine umfassende aussagekräftige Konzeption mit eindeutigen Zielformulierungen, die als Soll-Basis herangezogen werden kann. Es findet ein systematischer Abgleich zwischen dem Ist-Zustand in der Einrichtung und den formulierten Zielen der Konzeption statt. Ein nicht unproblematisches Vorgehen, da Impulse von außen fehlen, die objektive Bewertung der selbst geschriebenen Konzeption und der eigenen Arbeit ein Höchstmaß an Selbstreflexivität und Distanzierungsfähigkeit voraussetzt.

  2. 2.

    Die Verwendung gegebener Evaluationsverfahren ist die gängigste Praxis. Solche »fertigen« Verfahren formulieren entweder Mindeststandards, die auf jeden Fall vorhanden sein müssen oder dienen als Best Practice Orientierung, welche in den besten Einrichtungen beobachtbar ist. Schwierig ist die Auswahl des richtigen Verfahrens: das Instrument muss zum pädagogischen Leitbild der Einrichtung, zur Konzeption und zur Arbeitsweise der Fachkräfte passen, damit überhaupt wesentliche, alltagsrelevante Kriterien beobachtet werden können, welche die Weiterentwicklung der Qualität unterstützen. D.h. diese Praxis erfordert eine gewissenhafte Auswahl des Instruments; es sollte in allen wesentlichen Bereichen äquivalent der Konzeption, Arbeitsweise etc. sein.

  3. 3.

    Variante drei steht in enger Verbindung mit der Verwendung gegebener Verfahren. Evaluationsverfahren werden auf die eigenen Verhältnisse und Voraussetzungen angepasst oder gar selbst entwickelt. Die Entwicklung eines kompletten Verfahrens ist für eine einzelne Einrichtung kaum leistbar, deshalb schließen sich mehrere, die meist einer Trägerschaft angehören oder nach demselben Konzept arbeiten, zusammen. Ein geeignetes Vorgehen ist bspw. die »Integrierte Qualitäts- und Personalentwicklung« (IQUE) (Ziesche/Gebauer-Jorzick, 2002).

Unabhängig von diesen drei möglichen Praxen soll sich das Evaluationsverfahren immer an der Konzeption, damit am pädagogischen Alltag und den Werten und Haltungen der Einrichtung orientieren.

Literatur

Amerein, B./Amerein, K. (2011): Qualitätsmanagement in Arbeitsfeldern der Frühen Bildung. Troisdorf: Bildungsverlag EINS.

Haucke K./Strätz R. (2016): Themenpaket Qualitätsanalyse & Evaluation. Carl Link.

Ziesche, U./Gebauer-Jorzick, S. (2002): Qualitätswerkstatt Kita – Bildungsprozesse bei Kindern. Luchterhand: Beltz-Verlag.

Ergänzende Arbeitshilfen

Ein Plan für den Ablauf einer Evaluation

Die folgende Arbeitshilfe hilft Ihnen bei der Planung und Durchführung einer Evaluation. Sie zeigt, auf welche Punkte besonders geachtet werden sollten und wie diese idealerweise umgesetzt werden. Dokument herunterladen

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