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Verschaffen Sie sich mit Hilfe der SWOT-Analyse einen Überblick

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In einer SWOT-Analyse werden im Zusammenhang mit einem vorher definierten Thema oder Handlungsfeld sowohl die positiven als auch die negative Aspekte zusammengetragen, und zwar sowohl solche innerhalb der Einrichtung (intern) als auch solche von außen (extern). Dadurch ergeben sich vier Kombinationen

Intern: Strengths (Stärken) bzw. Weaknesses (Schwächen),

extern: Opportunities (Chancen) und Threats (Risiken).

Aus den Anfangsbuchstaben der vier englischen Begriffe wurde das Kunstwort SWOT gebildet. Die folgende Abbildung zeigt das Resultat einer SWOT-Analyse für das Handlungsfeld »Bewegungs- und Erfahrungsräume für Kinder«:

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Abb. 1: SWOT-Analyse (Quelle: Bertelsmann Stiftung, 2012)

Auf dieser Grundlage kann jetzt eine Zielentwicklung starten, bei der nicht nur (aktuelle oder zukünftige) Probleme im Blick sind, sondern auch die Stärken bzw. der bereits erreichte Stand sowie günstige Gelegenheiten, die sich zukünftig wahrscheinlich ergeben oder sich schon abzeichnen. Diese breitere Grundlage kann auch helfen, die Zielentwicklung und damit auch den Blick in die eigene berufliche Zukunft nicht so problembeladen und vielleicht deprimierend ausfallen zu lassen.

Sind die Ziele im Dialog erarbeitet und festgehalten, fällt schnell auf, dass sie zwar die Richtung angeben, in die sich die Dinge entwickeln sollen, dass aber über das konkrete Handeln noch nicht allzu viel gesagt wird. Auch die oben im Beispiel formulierten Ziele sind eher »Richtungs-« oder »Grobziele« als konkrete Handlungsziele. Zum Beispiel wurde das Ziel formuliert: »Das Mittagessen soll die Gemeinschaft der Kindergruppe fördern.« Diese Formulierung ist zwar inhaltlich gut nachvollziehbar und beschreibt das Anliegen des Teams eindrucksvoll, ist aber noch nicht konkret genug. Handlungsziele sollten nämlich so formuliert werden, dass überprüfbar, beobachtbar wird, ob sie erreicht wurden oder nicht. Um dies deutlich zu machen, werden sie dann nicht mehr als »wünschenswert« formuliert (»wir wollen…« »Kinder sollen ›nein‹ sagen können«), sondern als faktisch gegeben (»Es gibt feste Mittagessenszeiten für alle« – nicht: »Wir wollen…« oder »wir streben an…«). Deshalb wird auch von »Indikatoren« (d.h. Prüfkriterien) gesprochen: Es kann nachgeprüft werden, ob sie zutreffen oder nicht.

In auf dem Markt befindlichen Evaluationsverfahren finden sich zu bestimmten Inhalten mehr oder weniger ausführliche Indikatorenlisten oder »Checklisten«. Sie passen jedoch in der Regel nicht zu den Zielsetzungen, die ein bestimmtes Team für sich und für die eigene, individuelle Einrichtung entwickelt hat1. Deshalb ist es wesentlich ertragreicher, diese Indikatoren selbst zu entwickeln. »Auch wenn dieser Schritt den meisten Teams erst einmal schwerfällt, kann man in der Moderation immer wieder die Erfahrung machen, dass es mehr Spaß macht, sich einen fachlichen Relevanzrahmen selbst zu erarbeiten und sich nicht einfach der vorformulierten normativen Vorgaben zu bedienen. Denn diese können abschrecken und eher Unlust hervorrufen, da sie die eigene Praxis in einem schlechten, weil defizitären Licht erscheinen lassen.« (Schumann/Schumann, 2007)

Im beschriebenen Beispiel »Gestaltung des Mittagessens« sah ein Auszug aus der Liste gemeinsam entwickelter »Indikatoren« so aus:

»Beispiel für Indikatoren zum Schlüsselprozess ›Gestaltung des Mittagessens‹ (Auszug):

  1. 1.

    Es gibt feste Mittagsessenszeiten für alle.

  2. 2.

    Für Nachzügler gibt es einen nächsten Zeitpunkt zum Essen.

  3. 3.

    Es gibt jeden Tag eine warme Mahlzeit.

  4. 4.

    Die Kinder haben Mitspracherecht bei der Essensplanung.

  5. 5.

    Die Erzieher(innen) sorgen für ablenkungsfreie Zeit während des Essens unter Berücksichtigung alters- und entwicklungsgemäßer Bedürfnisse der Kinder.

  6. 6.

    Das Mittagessen ist auch ein Ort der Begegnung und des Austauschs. Die Erzieher(innen) fördern Gruppengespräche.

  7. 7.

    Die Erzieher(innen) sorgen dafür, dass sich jedes Kind einbringen kann und gehört wird.

  8. 8.

    Die Mitarbeiter(innen) haben ein Recht auf ein ruhiges Mittagessen.

  9. 9.

    Die Kinder bestimmen selbst, was und wie viel sie von dem Angebotenen essen.

  10. 10.

    Die Kinder dürfen Nein sagen zu bestimmten Nahrungsmitteln. Dies wird von den Erzieher(inne)n akzeptiert …«

Literatur

Bertelsmann Stiftung (Hrsg.) (2012): Die gute gesunde Kita gestalten: Stärken entdecken, Ziele setzen, Maßnahmen festlegen. URL: http://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/guteGesundeKita_Heft3_Staerken__Ziele__Massnahmen.pdf

Schumann, Ingeborg/Schumann, Michael (2007): Dialogisches Qualitätsmanagement (»QualKi«) In: KiTa aktuell HRS, Heft 9, S. 177–180.

Ergänzende Arbeitshilfen

Überblick: SWOT-Analyse

Mithilfe dieses Überblicks wissen Sie was die SWOT-Analyse ist und wofür man sie gebrauchen kann. So entwickeln Sie die Qualität Ihrer Kita nachhaltig weiter. Dokument herunterladen

Dass es später auch sehr interessant sein kann, sich mit anderen zu vergleichen (»Benchmarking«), steht auf einem anderen Blatt. Zunächst allerdings geht es darum, dass ein Team für sich selbst Klarheit gewinnt.


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