Abschnitt: Wege zur Qualität → Qualität durch Beratung
 

Fachberatung – Nutzen Sie diese Dienstleistung

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Die Fachberatung ist im Bereich der Tageseinrichtungen für Kinder ein längst eingeführter, jedoch kein eindeutiger Begriff. »Fachberatung« gibt es seit fast 100 Jahren sowohl im kommunalen Bereich (Stadt Köln, Sonnabend, 1993) als auch im Bereich der freien Wohlfahrtspflege. Inzwischen haben bundesweit fast alle Tageseinrichtungen für Kinder die Möglichkeit, Fachberatung in Anspruch zu nehmen. Andere Beratungsformen wie Konsultationskitas, Coaching oder Supervision kommen nur für einen Teil der Einrichtungen und/oder nur zeitweise in Betracht. Fachberatung ist demgegenüber die einzige Beratungsform, die überall und »von Amts wegen« zur Verfügung steht. Dadurch ist sie ein zentrales Instrument der fachlichen Weiterentwicklung und auch des Qualitätsmanagements im Bereich der Tageseinrichtungen für Kinder.

»Fachberatung ist eine personenbezogene strukturentwickelnde soziale Dienstleistung (bzw. Vermittlungs- und Verknüpfungsdienstleistung) im Rahmen der Jugendhilfe. Sie weist sich aus durch ihre Praxisnähe und ihre Beratungskompetenz und verfügt über praktische Fähigkeiten im Elementarbereich. Sie wirkt qualitätssichernd und qualitätsentwickelnd im Felde der Elementarpädagogik und setzt Impulse für Innovationen.« (Hense, 2008) Mit dem ersten Satz charakterisiert die Autorin den Dienstleistungscharakter der Fachberatung und deutet die Bandbreite dessen an, was diese Dienstleitung umfassen kann: Die Beratung auf der Grundlage eigener fachlicher Kompetenzen, die Feldkenntnis und Beratungskompetenz umfasst, die Vermittlungstätigkeit, die einerseits Vermittlungsprozesse zwischen verschiedenen Beteiligtengruppen (z.B. Team und Leitung), andererseits die Vermittlung zu Fachdiensten oder geeigneten Personen, aber auch den Zugang zu Fort- und Weiterbildungsangeboten umfasst. Mit dem Wort »Verknüpfungsleistung« wird auf die Netzwerkarbeit hingewiesen, die einerseits einrichtungsübergreifend, andererseits sozialraumbezogen stattfinden kann. Der zweite Satz verweist auf das Kompetenzprofil, der dritte auf die Rolle der Fachberatung im Qualitätsmanagement; beide Aspekte werden später ausführlicher behandelt.

Die Fachberatung ist strukturell an unterschiedlichen Orten angesiedelt: Die kommunale Fachberatung im Jugendamt, im Bereich der freien Jugendhilfe entweder beim eigenen Einrichtungsträger, beim Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege oder auch auf einer dazwischenliegenden mittleren Ebene, z.B. bei den evangelischen Kirchenkreisen oder den Kreisverbänden der AWO oder des Paritätischen Wohlfahrtsverbands1. Bei der ersten Alternative (z.B. bei Caritasverbänden katholischer (Erz-)Bistümer haben die dort angesiedelten Fachberater/innen bessere Möglichkeiten des internen Austauschs, aber auch der inhaltlichen Schwerpunktbildung. Bei der zweiten sind die Wegstrecken erheblich kürzer, die ohnehin einen beträchtlichen Teil der Arbeitszeit in Anspruch nehmen. Auch externe Anbieter erbringen Beratungsleistungen. Zugleich sind mit der Fachberatung je nach Anstellungsträger in unterschiedlichem Ausmaß Funktionen der Fach- und oder Dienstaufsicht verbunden. Dies sind zwei der Gründe, weshalb eingangs davon gesprochen wurde, dass »Fachberatung« einen alles andere als eindeutigen Begriff darstellt. Vielmehr »… hat der Begriff kein klares Profil und kann unterschiedlich interpretiert werden. Ob die Suche nach einem Alternativbegriff jedoch zwingend notwendig ist, da der Begriff trägerübergreifend als etabliert gelten kann, muss die weitere Fachdiskussion klären.« (Hense, 2008)

Rechtliche Verankerung auf Bundesebene

Trotz der erheblichen Relevanz für das Kita-System ist die Fachberatung im SGB VIII bisher nicht eindeutig, d.h. ausdrücklich verankert. Zwei Bestimmungen lassen sich sinngemäß heranziehen:

Gemäß § 22a SGB VIII sollen die »Träger der öffentlichen Jugendhilfe […] die Qualität der Förderung in ihren Einrichtungen durch geeignete Maßnahmen sicherstellen und weiterentwickeln.« Als »geeignete Maßnahmen« werden im Folgenden nur »die Entwicklung und der Einsatz einer pädagogischen Konzeption« sowie »der Einsatz von Instrumenten und Verfahren zur Evaluation der Arbeit in den Einrichtungen« ausdrücklich erwähnt, jedoch mit der Formulierung »dazu gehören…«. Die Fachberatung dürfte aber ebenso dazugehören.

Gemäß § 72 SGB VIII haben »die Träger der öffentlichen Jugendhilfe […] Fortbildung und Praxisberatung der Mitarbeiter des Jugendamts und des Landesjugendamts sicherzustellen.« Auch wenn hier der Begriff »Praxisberatung« verwendet wird, wird deutlich, dass zur Weiterentwicklung der pädagogischen Qualität nicht nur Fort- und Weiterbildung, sondern auch Beratung notwendig ist – in welcher Form auch immer.

Auch wenn in beiden Bestimmungen – der Logik des SGB VIII entsprechend – nur der »öffentliche Träger der Jugendhilfe« ausdrücklich angesprochen wird, haben diese Bestimmungen auch für die freien Träger rechtliche Relevanz, wie sich aus § 74 (»Förderung der freien Jugendhilfe«) ergibt. Details würden hier zu weit führen. In Bezug auf die Fachberatung wäre darauf hinzuweisen, dass vor der Einführung des § 72 SGB VIII die Träger und Verbände der freien Jugendhilfe Fachberatung in größerem Umfang aufgebaut haben als die Kommunen (Sonnabend, 1993).

Länderübergreifend existieren zwei wichtige Grundsatzpapiere: Die »Empfehlungen zur Fachberatung« der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter (BAGLJAE) von 2003 und die »Empfehlungen des Deutschen Vereins zur konzeptionellen und strukturellen Ausgestaltung der Fachberatung im System der Kindertagesbetreuung« von 2012.

Literatur

Sonnabend, Barbara (1993): Fachberatung für Tageseinrichtungen für Kinder in Nordrhein-Westfalen. In: Merker, Helga/Schulte, Franz-Josef/Siebenmorgen, Elisabeth (Hrsg.): Tageseinrichtungen für Kin-der. Beiträge aus der Praxis. 2. Aufl. Stuttgart, Köln: Kohlhammer, S. 27–30.

Hense, Margarita (2008): Zur Wirksamkeit der Fachberatung. Eine empirische Studie. Dissertation, Universität Bielefeld, Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft. URL: https://pub.uni-bielefeld.de/publication/2303371

Ergänzende Arbeitshilfen

PromiK: Professionalität messen in Kitas

Diese Arbeitshilfe stellt Ihnen das PromiK-Verfahren zur Professionalitätsmessung vor. Bedeutend dafür ist der Einsatz von Fachberatung. Dokument herunterladen

Die Landesjugendämter erbringen im Rahmen der Erteilung der Betriebserlaubnis ebenfalls Beratungsleistungen gegenüber den Trägern von Kindertageseinrichtungen.


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