Abschnitt: Akteure im Qualitätsmanagement → Die Eltern
 

Sechs Leitziele für die Zusammenarbeit mit Eltern

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Die Familien werden in der Einrichtung willkommen geheißen.

»Familien sind als aktiv Teilnehmende in der Einrichtung willkommen und wertgeschätzt. Sie sind, sowohl miteinander, als auch mit den pädagogischen Fachkräften und mit der Einrichtung, verbunden. Die Atmosphäre ist von Vertrauen und Verbindlichkeit, Respekt und Achtung geprägt.« (Tschöpe-Scheffler et al., 2014)

Dieses erste Leitziel bedeutet, dass Familien in der Einrichtung nicht nur geduldet werden, sondern dass sie erwünscht sind. Und dies nicht nur als bloß Anwesende, sondern auch als aktiv am gemeinsamen Erziehungs- und Bildungsprozess Beteiligte. Gemeinsames Ziel von Familien und pädagogischer bzw. Jugendhilfeeinrichtung ist, wie bereits erwähnt, für das Wohlergehen der Kinder zu sorgen und zu deren Entwicklung und Förderung bestmöglich beizutragen. Dieses Leitziel kann unter anderem dadurch erreicht werden, dass Familien auf vielfältige Weise angesprochen und informiert werden. Auch eine Ansprache in der jeweiligen Muttersprache ist empfehlenswert; hierbei können auch andere Personen dazu beitragen, Kontakt zu den Familien herzustellen und ihn zu festigen. Nicht nur der Kommunikationsweg kann vielfältig sein, sondern ebenso die Inhalte des Kontaktes zwischen Fachkräften und Familien, die sich bestenfalls auch an den Bedürfnissen, Bedarfen, Interessen, Fähigkeiten und Potenzialen der Familien orientieren sollten. Zugleich sollten die Einrichtung und die Fachkräfte transparent bezüglich ihrer pädagogischen Ausrichtung, der aktuellen Projekte und Themen und der anstehenden Veranstaltungen etc. sein. Auch hinsichtlich der Strukturqualität lassen sich Bedingungen schaffen, die zu dem oben genannten Leitziel beitragen. So könnte es für Familien einladende Möglichkeiten des Aufenthaltes in der Einrichtung geben. Die Räume sind bestenfalls nach Bedarf und Wunsch gestaltbar und veränderbar. Hierbei könnten auch die Familien beteiligt werden, damit leichter neue Räume der Begegnung und Beziehung entstehen. Dazu gehört auch, dass Arbeitszeiten und das Zeitmanagement aller Beteiligten berücksichtigt werden. Für das Willkommenheißen ist es zudem wesentlich, dass die Kommunikation vonseiten der Fachkräfte respektvoll und wertschätzend ist.

Methodische Anregungen

  • Es werden Schwarze Bretter, Briefe, Newsletter, Portfolios, Wanddokumentationen, Tage der Offenen Tür, persönliche Ansprache etc. zur Information genutzt.

  • Familien werden persönlich begrüßt und einander vorgestellt.

  • Es gibt Willkommenspaten und -patinnen und ein Willkommensfest.

  • Ein Raum wird als Familiencafé und/oder Familiensprechzimmer genutzt.

  • Es gibt für Familien und Gäste eine einladende Sitzgruppe, z.B. im Eingangsbereich.

  • Die Einrichtung kooperiert mit Dolmetschern und Dolmetscherinnen und anderen Akteuren des Sozialraums.

In der Einrichtung wird achtsam und konstruktiv kommuniziert.

»Familien und pädagogische Fachkräfte kommunizieren regelmäßig, konstruktiv und von beiden Seiten ausgehend über die Entwicklung der Kinder, die Bedürfnisse der Familie und weitere relevante Themen. Die Art der Kommunikation ist respektvoll und wertschätzend, Familien und pädagogische Fachkräfte stehen dadurch in einer für alle förderlichen Verbindung.« (Tschöpe-Scheffler et al., 2014)

Wie für das erstgenannte Leitziel spielt auch für dieses der Aspekt der vielfältigen Kommunikationswege eine wichtige Rolle. Sie ermöglichen und erleichtern sowohl den Kontaktaufbau von den Fachkräften zu den Familien als auch die kontinuierliche Kommunikation und Erziehungspartnerschaft. Alle Fachkräfte sollten sich den Familien vorstellen und transparent darin sein, wann sie für die Familien erreichbar sind. Basierend auf einer vertrauensvollen und offenen Kommunikation kann ein wechselseitiger Informationsaustausch stattfinden. Die Fachkräfte sollten – auch unter Berücksichtigung ihrer eigenen Zeitkapazitäten und Grenzen – den Familien zuhören, ihre Themen und Anliegen ernst nehmen, konstruktiv und ergebnisoffen kommunizieren und zeitnah auf Fragen und Probleme reagieren. Dabei nehmen sie sich sowohl Zeit für Tür- und Angelgespräche als auch für regelmäßig stattfindende geplante Gespräche. Meinungen, auch Verbesserungsvorschläge oder Kritik, von Seiten der Familien sollten erwünscht sein und aufgegriffen werden. Dies trägt zu einem gleichwürdigen Miteinander von Fachkräften und Familien bei. (Tschöpe-Scheffler et al., 2014)

Methodische Anregungen

  • Es gibt für Familien und Fachkräfte gemeinsame Aktivitäten wie Wanderungen, Essen, Raumgestaltungen, Elternhandbuch schreiben.

  • Hausbesuche werden angeboten.

  • Ein Raum wird auch als Rückzugsraum für Familien oder Fachkräfte genutzt.

  • Für Rückmeldungen/Anregungen steht ein Feedbackkasten oder eine Ideenbox bereit.

  • Fachkräfte verzichten auf umständliche Fachsprache und teilen eigene Unsicherheiten mit.

Es wird eine gelungene Erziehungs- und Bildungspartnerschaft gelebt.

»Familien und pädagogische Fachkräfte tauschen sich regelmäßig über die Kinder und die Bedürfnisse der Familien, über Unterstützungsmöglichkeiten und Angebote aus. Sie arbeiten kontinuierlich und partnerschaftlich zusammen, um die Entwicklung und Lebenskompetenz der Kinder sowohl zu Hause als auch in der Institution zu fördern und sich wechselseitig zu ergänzen.« (Tschöpe-Scheffler et al., 2014)

Die Familien können sowohl mit ihren Bedürfnissen und Bedarfen als auch mit ihren vielfältigen individuellen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kompetenzen ihren Platz in der Einrichtung finden. Dazu sollten die Fachkräfte den Blick für diese Ressourcen schärfen und Möglichkeiten bereitstellen, dass sie genutzt werden. Ein wichtiger Aspekt ist, dass Familien über die Entwicklung ihres Kindes und darüber, was ihr Kind den Tag über in der Einrichtung gemacht und erlebt hat, kontinuierlich und ausführlich informiert werden. Auch Hospitationsmöglichkeiten und Möglichkeiten der Mitgestaltung können zu dieser Transparenz beitragen. Bestenfalls kann zudem das Zeitbudget der jeweiligen Familien bei gemeinsamen Aktivitäten und Projekten berücksichtigt werden. Die Räume sollten vielfältig – auch als Begegnungsräume, Gedankenräume, Entwicklungsräume, Anerkennungsräume etc. – genutzt werden. Regelmäßige Gespräche zwischen Fachkräften und Familien sollten strukturell verankert sein und kontinuierlich und auf wertschätzende, respektvolle Weise geführt werden. Zu dieser Art von wertschätzender Kommunikation gehört auch, dass Ziele am besten gemeinsam festgelegt und auch dokumentiert werden. (Tschöpe-Scheffler et al., 2014)

Methodische Anregungen

  • Es gibt eine Fähigkeitenbörse, die erleichtert, dass sich Familien einbringen.

  • Bildungs- und Lerngeschichten und Portfolios werden genutzt.

  • Die Konzeption ist einsehbar und Familien erhalten eine Kurzkonzeption in ihrer Muttersprache.

  • Konzeptionelle Vorschläge vonseiten der Familien werden berücksichtigt.

Partizipation ist im Sinne von Teilhabe und Teilgabe möglich.

»Familien und pädagogische Fachkräfte sind gleichwürdige PartnerInnen in Entscheidungen, die die Kinder und Familien in der Institution betreffen. Sie tauschen gegenseitige Informationen aus und sind an der Entwicklung von Methoden und Konzepten und (ggf. Richtlinien) beteiligt. Partizipation wird im Sinne von Teilhabe und Teilgabe gelebt.« (Tschöpe-Scheffler et al., 2014)

Anhand des Leitziels kann hier nun überprüft werden, inwieweit sich alle Familien in ihren vielfältigen und individuellen Möglichkeiten einbringen können. Dabei werden unterschiedliche Wege der Umsetzung von Partizipation berücksichtigt wie beispielsweise die kontinuierliche Überprüfung der Interessenlage und Aufgabenbereiche der Familien, an denen sie mitwirken können. Gleichzeitig sollten Informationen und Partizipationsmöglichkeiten transparent und klar verständlich formuliert bzw. kommuniziert werden, wobei beispielsweise die gemeinsame Gestaltung und Weiterentwicklung der pädagogischen Konzeption eine bedeutende Rolle einnehmen kann. In allen Belangen werden Familien und Fachkräfte als gleichwertige, gleichwürdige und letztlich als gleichberechtigte Partner betrachtet. Unter dem Aspekt der Reflexion kann als gemeinsames Feinziel angestrebt werden, dass alle Beteiligten Raum und Zeit bekommen, um beispielsweise Ängste, Konflikte und Wünsche anzusprechen und diese auch aushalten zu können. Dabei ist es unter anderem von großer Bedeutung, dass mit Rückmeldungen angemessen und wertschätzend umgegangen wird.

Methodische Anregungen

  • Religiöse Speisevorschriften werden eingehalten.

  • Es werden vielfältige und unterschiedliche Informationswege genutzt.

  • Alle Beteiligten haben die Möglichkeit, die Konzeption einzusehen und mitzugestalten.

  • Entscheidungen werden partnerschaftlich getroffen.

  • Alle Beteiligten können sich, unter Berücksichtigung des Datenschutzes und pädagogischen Alltags, frei und zugänglich in allen Räumen bewegen.

Familien und pädagogische Fachkräfte treten gemeinsam für die Rechte der Kinder ein.

»Eltern und Fachkräfte sind kompetente Fürsprecher für die Rechte der Kinder. Die Eltern kennen ihre eigenen Rechte und die ihrer Kinder und können sie zusammen mit den Fachkräften umsetzen.« (Tschöpe-Scheffler et al., 2014)

In der Praxis kann evaluiert werden, inwieweit Kinderrechte ein Thema sind bzw. auf welche Art und Weise sie vielfältig zur Sprache kommen und umgesetzt werden. Eine gelingende Kommunikation in Bezug auf die Rechte der Kinder kann unter anderem dadurch erreicht werden, dass Familien auf die Kinderrechtskonvention in ihrer Mutter- und/oder einer leichten Sprache zurückgreifen können und dass ein vertrauensvoller Umgang mit Rechten und Pflichten aller Beteiligten stattfindet. Dabei können die Kinderrechte als ein Bestandteil in die pädagogische Konzeption aufgenommen werden und verschaffen somit gegenüber allen Familien und Fachkräften Transparenz. Zugleich kann sich die Umsetzung der Kinderrechte auch in den Räumen bzw. der Raumgestaltung wiederfinden: So sind diese beispielsweise mit den Akteuren so zu gestalten, dass ein selbstständiges Handeln aller Beteiligten ermöglicht bzw. vielmehr erwünscht ist. Auch die Rechte der Eltern sollten in den Blick genommen werden, wodurch die Gleichwürdigkeit aller Beteiligten gestärkt wird und zugleich alle dazu animiert werden, für die Rechte anderer Menschen einzustehen und ggf. dadurch einen Betrag zu mehr gesellschaftlicher Solidarität und Teilhabe zu leisten. Dies setzt jedoch voraus, dass alle Fachkräfte die Kinderrechte/Elternrechte kennen (Weiterbildung) und darin bestärkt werden, diese in ihrer pädagogischen Arbeit und zugleich im pädagogischen Alltag umzusetzen. (Tschöpe-Scheffler et al., 2014)

Methodische Anregungen

  • Ein klar verständlicher Katalog mit Kinderrechten/Elternrechten liegt vor.

  • Es gibt ein Kinder- und Elternparlament.

  • Alle relevanten Informationen sind in unterschiedlichen Sprachen erhältlich.

  • Eine klar verständliche Konzeption der Einrichtung liegt vor.

  • Alle Beteiligten können sich frei in allen Räumen bewegen.

  • Fachkräfte haben Zeit, um sich mit der Thematik der Rechte auseinanderzusetzen.

  • Es gibt Zeit und Raum für (kulturellen) Austausch und Anerkennung aller Beteiligten.

Es werden soziale Netze geknüpft und gepflegt.

»Familien und pädagogische Fachkräfte arbeiten mit anderen Institutionen und Personen des Sozialraums zusammen, um Familien, Kinder und Fachkräfte zu vernetzen und ihre Entwicklungs- und Teilhabermöglichkeiten auszuweiten.« (Tschöpe-Scheffler et al., 2014)

Dieses Leitziel kann zum Beispiel dadurch erreicht werden, dass es unterschiedliche Vernetzungen mit vielfältigen Personen und Institutionen gibt und diese stets weiter ausgebaut und vertieft werden. Die Vernetzung bietet unter anderem die Chance, dass ein Fähigkeitsaustausch angestrebt wird, bei dem sich alle Beteiligten gleichwertig und gleichberechtigt einbringen und voneinander profitieren können. Dabei können relevante Informationen über (Nachbarschafts-)Netzwerke eingeholt und (neuartige) Zugangswege für Familien eingerichtet werden. Um jedoch Netzwerke knüpfen zu können, bedarf es der Transparenz (u.a. durch Öffentlichkeitsarbeit) vonseiten der Einrichtung selbst, um zumindest in der näheren Umgebung bekannt zu sein. Zugleich ist es von Bedeutung, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Einrichtung für alle Beteiligten Orte und Räume (auch virtuelle) für Begegnungen zu schaffen. Daneben ist die Kommunikation relevant, denn die Einrichtung fungiert unter anderem als öffentlicher Fürsprecher für die Bedeutung der Elementar- und Familienbildung. (Tschöpe-Scheffler et al., 2014)

Methodische Anregungen

  • Es liegt eine aktuelle Sozialraumanalyse vor.

  • Es werden unterschiedliche Bedarfe, Wünsche und Ängste wahrgenommen und ggf. durch andere Einrichtungen der Jugendhilfe aufgefangen.

  • Es wird sensibel mit allen Informationen umgegangen (Datenschutz-Regelung).

  • Es gibt unterschiedliche Arten von Begegnungsmöglichkeiten.

  • Aktuelle Flyer, Infoblätter liegen aus.

  • Die Einrichtung betreibt Öffentlichkeitsarbeit.

Die bereits oben aufgeführte doppelte Perspektive auf Zusammenarbeit wird im Folgenden anhand eines Schaubilds dargestellt.

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Abb. 1: Ineinandergreifen der Schlüsselbegriffe und Qualitätsmerkmale (Quelle: eigene Darstellung).

Das von Tschöpe-Scheffler et al. erarbeitete und hier zusammengefasste Evaluationsinstrument ermöglicht eine interne Überprüfung der Zusammenarbeit mit Familien aus Sicht der Fachkräfte. Nun stellt sich die Frage, wie die Sichtweise der Familien systematisch erfasst werden kann. Die angesprochene Haltung der Gleichwürdigkeit gegenüber den Familien verlangt nämlich, dass jene die Möglichkeit erhalten, ihre Perspektive in die Evaluation differenziert einzubringen. Heller und Preissing sehen in ihrem internen Evaluationsverfahren zur ›Qualität im Situationsansatz‹ die Möglichkeit vor, dass Eltern die Fragen zur Zusammenarbeit mit den Fachkräften ›spiegelbildlich‹ beantworten und so ggf. aufschlussreiche Unterschiede zur Sichtweise der Fachkräfte aufgedeckt werden.

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Abb. 2: Elternfragebogen nach Heller/Preissing.

Eine weitere Möglichkeit, um die Sichtweisen der Familien zum Thema Zusammenarbeit zu evaluieren, bilden Dialogrunden mit Familien und Fachkräften, die zusammen und/oder getrennt voneinander durchgeführt werden können. Bestenfalls werden diese von einer externen Fachkraft mit Dialogausbildung begleitet, die nicht in die Themen der Einrichtung involviert ist. Aufseiten der Familien kann eine solche Gruppenbefragung die Chance bieten, sich jenseits von standardisierten Bögen auszudrücken, andere Meinungen kennenzulernen und sich gegenseitig zu ergänzen. Der Dialog zwischen den Fachkräften kann seinerseits dazu beitragen, sich im Team über Herausforderungen und Chancen, über Gelingendes und ›Pannen‹ auszutauschen und eine gemeinsame Haltung in der Zusammenarbeit zu finden.

Literatur

Tschöpe-Scheffler, Sigrid (Hrsg.) (2014): Gute Zusammenarbeit mit Eltern in Kitas, Familienzentren und Jugendhilfe. Qualitätsfragen, pädagogische Haltung und Umsetzung, Opladen: Budrich.

Tschöpe-Scheffler, Sigrid (2014): Vielfalt. In: dies. (Hrsg.) (2014): Gute Zusammenarbeit mit Eltern in Kitas, Familienzentren und Jugendhilfe. Qualitätsfragen, pädagogische Haltung und Umsetzung, Opladen: Budrich, S. 88–90.

Ergänzende Arbeitshilfen

Konzeptionsentwicklung: Reflexionsfragen zur Erziehungspartnerschaft mit Eltern

Die Zusammenarbeit mit Eltern sollte fester Bestandteil der Kita-Konzeption sein. Dort stellen Sie die Grundzüge der Erziehungspartnerschaft dar. Dabei helfen Ihnen die Reflexionsfragen in dieser Arbeitshilfe. Dokument herunterladen

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