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Elterninitiativen – Wenn Eltern Kita-Träger sind

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§ 25 SGB VIII Unterstützung selbst organisierter Förderung von Kindern

Mütter, Väter und andere Erziehungsberechtigte, die die Förderung von Kindern selbst organisieren wollen, sollen beraten und unterstützt werden.

Diese Bestimmung entspricht dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe, das im Kinder- und Jugendhilferecht eine gewichtige Rolle spielt. Sie hat bundesweit zum Aufbau und zur finanziellen Förderung vieler Einrichtungen geführt, in denen die Eltern gleichzeitig die Einrichtungsträger sind: »Die Bundesarbeitsgemeinschaft Elterninitiativen (BAGE) e.V. ist die bundesweite Organisation der Dachverbände von Elterninitiativen, die Kinderbetreuung selbst organisieren. In Deutschland gibt es über 7.500 Elterninitiativen, in denen mehr als 200.000 Kinder betreut werden« (http://www.bage.de/elterninitiativen/).

Die Vorgabe, selbst organisierte Förderung zu unterstützen, wird vielfach so umgesetzt, dass Elterninitiativen den größten Teil der Betriebskosten vom Bundesland und/oder Kommunen erstattet bekommen. Die Beratung von bestehenden oder in Gründung befindlichen Elterninitiativen geschieht durch deren Zusammenschlüsse, z.B. die BAGE, auf Landesebene durch Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege (in Nordrhein-Westfalen sind z.B. 20 Fachreferentinnen und -referenten des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes auf die Trägerberatung spezialisiert (https://www.paritaet-nrw.org/soziale-arbeit/themen/kinder-jugend-familie-frauen/tagesangebote-fuer-kinder/?L=0), aber auch auf lokaler Ebene wie z.B. in Münster/Westfalen, einer traditionellen Hochburg der Elterninitiativen, durch den Verein ›Eltern helfen Eltern e.V.‹, http://eltern-helfen-eltern.org/).

Die Beratung interessierter Eltern im Vorfeld geschieht auch durch Jugendämter bzw. Landesjugendämter. Das setzt dort entsprechende personelle Kapazitäten voraus, damit Eltern nicht schnell mit dem konfrontiert werden, was angeblich oder tatsächlich nicht umsetzbar ist, sondern gemeinsam mit ihnen aktiv nach den jeweils möglichen Lösungen gesucht werden kann, weil sich Ämter in erster Linie als ›Ermöglicher‹ verstehen. Die genannte Zahl von über 7.500 bestehenden Elterninitiativen belegt, wie oft das so geschehen ist.

Vier wichtige Schritte auf dem Weg zur Elterninitiative

  1. 1.

    Eltern gründen einen gemeinnützigen, eingetragenen Verein, der in seiner Struktur den Vorgaben des jeweiligen Landes entspricht (in der Regel gilt: Eltern bilden die Mehrheit der Mitglieder und den Vorstand).

  2. 2.

    Der Verein wird im örtlichen Jugendhilfeausschuss als freier Träger der Jugendhilfe anerkannt.

  3. 3.

    Die geplante Einrichtung wird in den örtlichen Kita-Bedarfsplan aufgenommen (ebenfalls im Jugendhilfeausschuss).

  4. 4.

    Die Einrichtung bekommt eine Betriebserlaubnis; Voraussetzungen dafür sind in erster Linie: pädagogische Konzeption, geeignete Räume, geeignetes Personal.

Eltern machen sich nicht die Mühe, eine eigene Einrichtung auf die Beine zu stellen, wenn das Ergebnis etwas ist, was sie auch ohne diesen Aufwand woanders schon längst bekommen können. Elterninitiativen hatten bzw. haben deshalb konzeptionell immer etwas Besonderes. Sie gingen/gehen oft als Erste auf bestimmte Bedarfslagen ein, die von anderen Trägern nicht berücksichtigt wurden, z.B.:

  • Erweiterte Öffnungszeiten

  • Plätze für Kinder unter 3 Jahren

  • Integrative Gruppen für Kinder mit und ohne Behinderung

Sie hatten/haben oft auch als Erste neue pädagogische Konzepte im Blick, z.B.:

  • bilingualer Kindergarten

  • besonderer inhaltlicher Schwerpunkt, z.B. Bewegung, Musik, Naturwissenschaften

  • Offener Kindergarten

  • Interkulturelle bzw. vorurteilsbewusste Pädagogik

  • Waldkindergarten

Sie waren daher im Kita-System oft qualitätsfördernde Wegbereiter und sind es weiterhin.

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