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Die fünf Entwicklungsphasen eines Teams

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Wird ein neues Team für eine längerfristige Aufgabe zusammengestellt, so durchläuft es verschiedene Entwicklungsphasen. B. W. Tuckman (1965) entwickelte ein wichtiges Modell zur Teamentwicklung, das besagt, dass jedes Team insgesamt fünf Phasen durchläuft:

Phase 1

Forming
Die Teammitglieder treffen sich das erste Mal und lernen sich kennen. Diese Phase ist von Unsicherheit geprägt

Phase 2

Storming
Die Verteilung von Rollen und Aufgaben kann in dieser Phase zu Unklarheiten führen, und es können daher Konflikte auftauchen

Phase 3

Norming
Es werden Regeln festgelegt und Rollen definiert. Dies führt u.a. zu mehr Sicherheit und das Team wächst in dieser Phase zusammen.

Phase 4

Performing
In dieser Phase arbeitet das Team auf dem Höhepunkt seiner Möglichkeiten und Fähigkeiten

Phase 5

Adjourning
Wenn das Team nur vorübergehend zusammengearbeitet hat, (z.B. ein Projektteam) kommt es in dieser Phase zur Auflösung des Teams

Selbst, wenn sich die Teammitglieder zuvor schon einmal auf dem Flur begegnet sind oder sich sogar bereits privat kennen, lernen sich die Kollegen/Kolleginnen in einem Team während einer gemeinsamen Arbeitsphase noch einmal völlig neu kennen. Ob miteinander arbeiten oder privat Kontakt haben, sind völlig verschiedene Ausgangssituationen. In entspannter Atmosphäre oder ohne gegenseitige Verpflichtung freiwillig Zeit miteinander zu verbringen ist eine andere Situation als interaktiv, gemeinsam an einem Ziel zu arbeiten.

Somit ist die Forming Phase für jedes neue Team eine Kennenlernphase, in der sich die Teammitglieder erst kennenlernen müssen oder, wenn sie sich bereits kannten, jetzt unter neuen Bedingungen kennenlernen. Hier werden zunächst erste Ziele definiert, die Situation im Hinblick auf beispielsweise personelle Zusammenstellung oder vage Inhalte ausgelotet. Eventuell können bereits erste Regeln aufgestellt werden, z.B. »wenn wir uns treffen, dann bitte alle pünktlich« oder »…, wir räumen für alle +/- fünf Minuten Toleranz ein, weil …«. Es ist die Einstiegsphase, in der noch niemand tatsächlich Arbeitsbeziehungen gebildet hat und vieles noch offen und ungeklärt ist. Daher ist es eine unsichere Zeit, in der sich jedes Teammitglied langsam auf das neue Projekt einlässt.

Haben die Mitglieder eigene Vorstellungen entwickelt, von dem was kommen soll und wie das zu funktionieren hat, kommt das Team in die Storming Phase. Teammitglieder verfolgen ihre eigenen Interessen, wissen am besten, wie und wann etwas umgesetzt werden sollte. Dies führt zu Spannungen und Machtkämpfen und ist eine Zeit in denen verstärkt Konflikte auftreten. Mitglieder feinden sich gegenseitig an, und es können Kleingruppen entstehen. Irgendwann finden sich alle in einer ersten Vereinbarung über die Arbeitsorganisation und die Art und Weise, wie Prozesse ablaufen sollen, wieder.

Hier setzt die dritte Phase, die Norming Phase, ein. Jetzt haben die Teammitglieder eine Form der Zusammenarbeit gefunden, d.h. beispielsweise akzeptieren alle eine Führungsperson, die sich als besonders geeignet erwiesen hat und von allen respektiert wird. Oder jemandem wurde der Vorsitz über einen bestimmten Zeitraum zu einem bestimmten Thema zuerkannt und das Team hat sich auf wechselnde Vorsitze geeinigt. Alle Mitglieder haben Ihre Rolle gefunden und zielen darauf ab, Übereinstimmungen zu finden und sich zu einigen und weniger in Konflikte zu gehen. Kooperation und Zusammenarbeit überwiegen.

Ab jetzt rückt die inhaltliche Arbeit stärker in den Fokus aller. Die Zusammenarbeit funktioniert und Abläufe beschleunigen sich durch gutes Netzwerken, einen zielgerichteten, offenen Kommunikationsfluss und dadurch, dass jeder die Rollen der anderen und seine eigene Rolle routinemäßig kennt. In dieser sogenannten Performing Phase können Rollen, wie z.B. die Führungsrolle, durchaus wechseln. Jeder kooperiert mit jedem. An dieser Stelle zeigt sich, wie gut ein Team funktioniert und wie erfolgreich es ist. Die vierte Phase ist eine, im Hinblick auf das Erreichen des Ziels, hocheffektive Phase.

Die letzte und fünfte Phase ist nur dann für ein Team von Bedeutung, wenn ein Ziel erreicht ist, zu dessen Zweck das Team ins Leben gerufen wurde und das Team wieder aufgelöst wird. In der Adjourning Phase herrscht daher Wehmut oder Trauer über das Ende der gemeinsamen Arbeit und eventuell auch schon eine gewisse Verunsicherung darüber, wie es weitergeht.

Allerdings gilt auch hier, dass diese Phasenbeschreibungen zu einem Modell gehören, das ein ideales Schema widerspiegelt. Wird das Modell auf die Realität übertragen, so zeigt sich, dass die Abfolge nicht immer optimal der beschriebenen Reihe folgt. Wissenschaftlich wurde bereits bewiesen, dass es innerhalb des vorgestellten Phasenmodells zu Rückschritten kommen kann:

  • Ein Team kann, von der Performing-Phase zurück in die Norming-Phase oder von dieser in die Storming-Phase fallen (Brodbeck, 2004).

  • Der Einstieg neuer Mitarbeiter in ein Team kann erneut zu Unklarheiten in der Rollenverteilung führen.

  • Meinungsverschiedenheiten oder eine geänderte Aufgabenverteilung können in den Ablauf des Systems empfindlich eingreifen.

Andere Modelle, wie z.B. das nach Gersick (1988), beziehen sich auf Teams, die nur über einen kurzfristigen Zeitraum zusammenarbeiten. Dann, so Gersicks Ergebnis, stellt sich die Entwicklung anders dar. Er nimmt hierfür nur zwei Phasen an.

In der ersten Phase trifft sich das Team und beginnt sofort mit der Bearbeitung der Aufgabe, z.B. wird festgelegt, was, wer, wann für das Sommerfest beschafft. In seiner Forschung belegte Gersick, dass das Leistungsniveau in dieser Phase eher niedrig ist. Es wird sich über für das Projekt unrelevante Dinge unterhalten, um später wieder auf die Planung zurück zu kommen. Dann, ungefähr in der Mitte zwischen der ersten Zusammenkunft und dem Zeitpunkt der Fertigstellung der Arbeit (Deadline) gibt es einen Punkt, an dem das Team realisiert, dass der Abgabetermin näher rückt. Jetzt beginnt die zweite Phase. Ab hier arbeiten alle auf einem höheren Niveau weiter. Während der weiteren Treffen geht es ausschließlich, um die Fertigstellung des Projekts. An diesem Punkt kann es dann wieder zu Krisen und Konflikten kommen, da die Zeit drängt und der Druck auf das Team wächst.

Literatur

Brodbeck, F.C. (2004): Analyse von Gruppenprozessen und Gruppenleistung. In H. Schuler (Hrsg.), Lehrbuch der Organisationspsychologie (3. Aufl.).

Gersick, C.J.G. (1988): Time and transition in work teams: Toward a new model of group development. Academy of Management Journal, 31.

Tuckmann, B.W. (1965): Developmental sequences in small groups. Psychological Bulletin 63.

Ergänzende Arbeitshilfen

Merkblatt: Phasenmodell der Teamentwicklung

Die Entwicklung eines Teams erfolgt grundsätzlich in einem Zyklus. Dieser Prozess wird anhand zweier Phasenmodelle illustriert. Dokument herunterladen

Übersicht: Die vier Teamphasen

Verschiedene Phasen kennzeichnen den Prozess der Teambildung. Erfahren Sei hier, welche Phasen hierzu gehören und wodurch sie sich auszeichnen. In welcher Phase erkennen Sie Ihr Team wieder? Dokument herunterladen

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