Abschnitt: Selbstführung → Sich selbst führen
 

Diese Aspekte beinhaltet Selbstführung für Führungskräfte

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Gute Selbstführung in der Führung muss immer von humanistischen Werten wie Freiheit, Toleranz und Menschenwürde getragen sein. Es geht dabei um Selbstführung im Sinne Immanuel Kants, d.h. um die Prinzipien von Respekt und Selbstrespekt. Das bedeutet Integrität und Authentizität zum Zwecke aller und sich selbst. Wir verstehen Selbstführung im Sinne unseres humanistischen Menschenbilds als ethisch ausgerichtete Selbstbeeinflussung zugunsten exzellenter Ergebnisse der Organisation. Hoher Respekt und Wertschätzung für die Kolleginnen/Kollegen, Mitarbeiter/innen, eigenen Vorgesetzten, Kundinnen/Kunden und Vertragspartner/innen sind Grundbedingungen des Zusammenlebens und -arbeitens. Das heißt, Narzissten, Machiavellisten und Egoisten haben dort keinen Platz (vgl. Fischer/Frey/Niedernhuber 2013; Frey 2015; Frey/Schmalzried 2013).

Selbstführung bezieht sich dabei v.a. auf die Entwicklung der personalen Kompetenzen der Führungskraft. Die oberste Frage im Sinne von Selbstführung könnte lauten: „Wie werde ich erfolgreich?“ oder auch: „Was ist erstrebenswert für ein selbstbestimmtes Leben?“. Erfolg, Gesundheit und ein sinnvolles Leben könnten Antworten auf diese Frage sein.

Viele Menschen klagen, weil sie sich überfordert fühlen, unter Burnout und psychischen Störungen leiden. Das hat mit Arbeitsbedingungen wie der Führungskraft zu tun. Ursachen liegen im Zusammenwirken von Person und Umwelt, aber auch darin, dass den Menschen im anstrengenden Alltag Bewältigungsmechanismen fehlen bzw. dass ihnen die personale Kompetenz zur Selbstführung fehlt.

Auch Führungskräfte mit großer Erfahrung und gutem Können erfahren sich in den vielfältigen, verschiedenen Situationen ihres Privat- und Arbeitslebens als unterschiedlich kompetent. Es gibt Situationen, in denen sie sich wie ein Fisch im Wasser fühlen und solche, die sie am liebsten meiden würden. Viele Führungskräfte zählen beispielsweise Kritikgespräche mit Mitarbeitern bzw. Mitarbeiterinnen und das Überbringen schlechter Nachrichten, z.B. einer Kündigung, nicht zu ihren Lieblingsaufgaben. Aber auch im alltäglichen Führungshandeln gibt es Anforderungen, denen wir uns eher gern oder ungern stellen bzw. in denen wir eher gut oder aber ungünstig agieren. Etwa 80 % des alltäglichen Führungshandelns besteht aus Kommunikation. Die Führungskraft hat dabei sehr viele Informationen zu verarbeiten. Mit ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen muss sie so interagieren, dass diese motiviert bleiben, d.h. sie müssen Inhalte möglichst gut verstehen, sich in die Ideen- und Entscheidungsfindung einbringen können und sich geschätzt und anerkannt fühlen. Um all dies zu erreichen ist die Reflexion von Selbstführung notwendig und sinnvoll.

Reflexion als Teil der Selbstführung

Wichtiger Bestandteil der Selbstführung von Führungspersonen ist die Reflexion, was die Ziele der Organisation sowie des Teams sind und wie diese im Verhältnis zu den eigenen, persönlichen Zielen stehen. Aus der Überlegung „Wie bin ich erfolgreich?“ wird für die sich selbstführende Führungskraft: „Was muss ich tun, damit mein Team erfolgreich ist?“ Für ethikorientierte Führungspersonen gehört dazu neben Exzellenz- und Respektkultur die Weiterentwicklung zu einer integren Persönlichkeit, die nicht käuflich ist und sich und andere Menschen entwickeln will, die Selbstvertrauen hat und gelassen bleibt. Die Führungsperson sollte zudem darauf bedacht sein, ihre Mitarbeiter/innen zuverlässig, transparent und vorhersehbar zu führen. Durch solches Führungsverhalten schafft sie Vertrauen. Daher sollen Führungspersonen Verhalten vermeiden, das für die Mitarbeiter/innen unberechenbar wirkt (z.B. Stimmungs- oder Meinungsschwankungen; Fischer et al. 2013).

Erkennen Sie die Bedürfnisse Ihrer Mitarbeiter/innen und von sich selbst

Dies alles setzt profundes Wissen über die Bedürfnisse und Sehnsüchte der Mitarbeiter/innen sowie über grundlegende psychologische Prozesse voraus. Gleichzeitig muss die Führungsperson ihre eigenen Emotionen und ihre Kognitionen zielgerichtet beeinflussen. Hier setzt die Selbstführung der Führungskraft an. Denn für die Erreichung persönlicher Ziele benötigen Menschen einen Plan, wie diese erreicht werden können – dies insbesondere dann, wenn es sich um Führungspersonen handelt, die ihre Mitarbeiter/innen dazu inspirieren wollen, sie auf diesem Weg zu begleiten (Frey 2015; Frey/Peus/Weisweiler 2012).

Ein ganz zentraler Aspekt von Selbstführung ist damit auch die Lebensfreude, die wir empfinden können, die uns Kraft gibt und die wir auch vermitteln können. Führungspersonen, die Lebensfreude vermitteln können, schaffen auch Rahmenbedingungen, die sie ermöglichen. Selbstführung bedeutet damit auch, sich Freiräume zu schaffen für letztlich alle Dinge, die ein lebenswertes Leben ausmachen, z.B. genügend Schlaf, gesunde Ernährung, genügend Bewegung, Reflexion, Freunde, ein sinnvolles Leben (Bürgle 2018).

Zu Selbstführung gehört, nicht passiv zu sein, sondern selber viel gestalten zu müssen und sich nicht von der Umgebung einengen zu lassen. Das ist selbstverständlich mit Anstrengung verbunden.

Im Kern bedeutet Selbstführung für Führungspersonen: ein Leben für sich zu meistern, auch in einem gesunden Egoismus, damit man sinnhaft lebt, Lebensfreude hat, gesund bleibt und dieselben Prinzipien auch auf die Organisation und die Mitarbeiter/innen überträgt, d.h. dafür zu sorgen, dass die Mitarbeiter/innen Lebensfreude haben, gesund bleiben und erfolgreich sind.

Betrachten wir es zusätzlich anders herum: Was passiert, wenn Menschen sich nicht selbst führen? – Sie wissen nicht, wer sie sind. Sie reflektieren ihre Kognitionen, Emotionen, Motivationen und ihr Verhalten nicht. Sie leben vor sich hin, scheinbar frei. Denn sie lassen sich von der Situation beeinflussen, sind Spielball äußerer Einflüsse, kennen ihre Werte nicht, sind dadurch leicht käuflich, korrupt, opportunistisch, wenig greifbar usw.

Was ist Selbstführung für mich als Führungsperson?

Zur Selbstführung gehört es, zu wissen, was intrinsische Motivation in mir selbst fördert. Habe ich Sinn? Erlebe ich Wertschätzung? Macht mir meine Arbeit Spaß? Fühle ich mich fair behandelt?

Lebensfreude, Gelassenheit, Fitness und Gesundheit, gute Freunde und subjektiv definierter Erfolg sind das Wichtigste, das man im Leben erreichen kann. Durch die Art meiner Selbst-führung kann ich dies erreichen. Dazu brauche ich jedoch einen Plan und ein Konzept. Das-selbe Grundprinzip kann ich auf die Führung meiner Mitarbeiter/innen übertragen, je nachdem, welche Ziele vorgegeben sind.

Literatur

Bürgle, N. (2018): Lebenssinn und Psychologie. Unveröffentlichte Masterarbeit, Ludwig-Maximilians-Universität München.

Fischer, P./Frey, D./Niedernhuber, J. (2013): Führung und Werte – Humanistische Führung in Theorie und Praxis. In Häring, K./Litzke, S. (Hrsg.): Führungskompetenzen lernen – Eignung, Entwicklung, Aufstieg. Stuttgart: Schäffer-Pöschel. S. 161-180.

Fischer, P./Frey, D./Niedernhuber, J. (2013): Führung und Werte – Humanistische Führung in Theorie und Praxis. In Häring, K./Litzke, S. (Hrsg.): Führungskompetenzen lernen – Eignung, Entwicklung, Aufstieg. Stuttgart: Schäffer-Pöschel. S. 161-180.

Frey, D. (2015): Ethische Grundlagen guter Führung. Warum gute Führung einfach und schwierig zugleich ist. Roman-Herzog-Institut: München.

Frey, D./Peus, C./Weisweiler, S. (2012): Ethikorientierte Führung im HC-Management. In: Friederichs, P./Armutat, S. (Hrsg.): Human Capital Auditierung – Aufgabe für das Personalmanagement. Grundlagen, Verfahren, Anwendungen. Bielefeld: Bertelsmann Verlag. S. 223-244.

Frey, D./Schmalzried, L. (2013): Philosophie in der Führung – Gute Führung lernen von Kant, Aristoteles, Popper & Co. Berlin: Springer.

Ergänzende Arbeitshilfen

Übersicht: Führungstypen

Diese Übersicht zeigt Ihnen die gängisten Führungstypen mit deren typischen Eigenschaften auf. Nutzen Sie diese Zusammenstellung, um sich selbst und Ihren Führungsstil zu verorten und darüber zu reflektieren. Dokument herunterladen

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