Abschnitt: Mit Vielfalt umgehen → Widerstände und Konflikte
 

Vermeiden Sie Missverständnisse in der Kommunikation

fotolia_56805579_l_alexander_limbach.jpg
© Alexander Limbach / Fotolia

Leitungshandeln besteht zu einem großen Teil aus Kommunikation. Gleichzeitig unterliegt Kommunikation einer fragilen Dynamik und wechselseitiges Nicht-Verstehen muss stets in Betracht gezogen werden. Eine Möglichkeit des Nicht-Verstehens beschreibt Schulz von Thun (1999) in seinem Modell der „4 Seiten einer Nachricht“: Sender und Empfänger bedienen nicht den gleichen Kommunikationskanal, was durch die jeweilige Reaktion meist leicht aufzudecken ist.

Etwas diffiziler wird es, wenn nur kleine, scheinbar unbedeutende Anteile einer Botschaft verändert werden. Oft sind die Verschiebungen in der Bedeutung so unscheinbar formuliert, dass sie kaum auffallen. Dennoch beeinflussen sie auf Dauer das weitere Kommunikationsgeschehen erheblich und können Irritation und Unbehagen auslösen.

Zum besseren Verständnis seien hier einige Beispiele aufgeführt (vgl. Gührs/Nowak 2014, S. 173-175).

Beispiele: Redefinition

Verallgemeinerung

A: „Kannst Du bitte nachher die Sandkiste abdecken?“

B: „Na klar, für so Handlangerdienste wird immer ein Dummer gesucht.“

  • Aus der konkreten Frage nach dem Abdecken der Sandkiste werden Handlangerdienste.

  • Aus dem konkreten Fall wird „immer“.

  • Aus der angesprochenen Person wird ein „Dummer“.

Wechsel der Zeit/Person

A: „Wie hast Du die Situation in der DB erlebt?“

B: „Ich denke, da müssen wir alle noch viel lernen!“

  • Wechsel von der Erlebensebene auf die Denkebene.

  • Wechsel der Zeitebene: Gefragt wurde nach einer Situation in der Vergangenheit, die Antwort richtet sich auf die Zukunft.

  • Verallgemeinerung: Es bleibt offen, wer mit „alle“ konkret gemeint ist, ebenso unklar ist, was konkret gelernt werden müsste.

Übertreibung/Ignorieren

A: M. hat heute erst mal eine Stunde lang in der Bücherecke Bücher angeschaut, wir müssen ihm diesen Freiraum morgens einräumen.

B: Ja, M. ist echt faul, der scheut jede Bewegung!

  • Bücher anschauen wird als „faul sein“ und „Bewegungsscheu“ gedeutet.

  • Der Aspekt „Freiraum einräumen“ wird ignoriert.

Redefinitionen stellen einen dysfunktionalen Versuch dar, die Kommunikation im Sinne der eigenen Bedeutungszuschreibungen zu manipulieren. Im Umgang mit Redefinitionen gilt Ähnliches wie im Umgang mit verdeckten Transaktionen. Sie müssen thematisiert werden und es muss verhindert werden, dass dem Kommunikationspartner die Deutungs- und Definitionshoheit überlassen wird. In Beispiel 2 könnte die folgende Intervention zur Klärung beitragen:

B: „Ich habe Dich nach Deiner Einschätzung zur gestrigen Situation gefragt, es wäre gut, wenn Du Dich direkt auf diese Situation beziehen könntest. Anschließend bin ich gespannt darauf, zu hören, welche Lernchancen sich aus Deiner Sicht daraus ergeben.“

Literatur

Gührs, M./Nowak, C. (2014): Das konstruktive Gespräch. Ein Leitfaden für Beratung, Unterricht und Mitarbeiterführung mit Konzepten der Transaktionsanalyse. 7. überarb. und erw. Aufl. Meezen.

Schulz von Thun, F. (1999): Miteinander reden 2. Stile, Werte und Persönlichkeitsentwicklung. Reinbek.

Ergänzende Arbeitshilfen

Fragestellungen: Potenzielle Widerstände erkennen

Finden Sie heraus, welche Hindernisse und Schwierigkeiten auftreten können und welche Ressourcen Ihnen zur Bewältigung zur Verfügung stehen. Diese nützlichen Fragen helfen Ihnen dabei. Dokument herunterladen

Nach oben

Anmelden