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Was Sie über Kommunikation jetzt wissen müssen

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Im einfachen Sinne kann Kommunikation als Weitergabe von Informationen gefasst werden, wobei auf dem Weg von einem Sender zu einem Empfänger die enthaltene Information immer weiter abnimmt:

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Abb. 1: Modell zum Informationsverlust (vgl. Gehm 2006, S. 30)

Kommunikation ist demnach mehr als die Weitergabe von Informationen, sie ist immer ein Austausch, der auf Meinen und Verstehen basiert. Sender und Empfänger treten bei diesem Austausch in eine Wechselbeziehung. Hier sei darüber hinaus angemerkt, dass der Informationsverlust sich im Weiteren fortsetzen kann: Verstehen bedeutet nicht zwangsläufig einverstanden sein, einverstanden sein nicht, auch danach zu handeln, danach zu handeln nicht unbedingt, das Verhalten beizubehalten. Führungskräfte unterliegen im Alltag der Gefahr – insbesondere in angespannten Situationen – das Einverständnis und entsprechendes Handeln der Beteiligten vorauszusetzen.

Bereits 1967 haben Watzlawick, Beavin und Jackson in ihrem bekannten Werk „Pragmatics of Human Communication: A Study of Interactional Patterns, Pathologies, and Paradoxes“ („Menschliche Kommunikation, Formen, Störungen, Paradoxien“, vgl. Watzlawick et al. 1969) 5 Axiome begründet, die die menschliche Kommunikation und ihre Paradoxien erklären sollen:

  1. 1.

    „Man kann nicht nicht kommunizieren“ (ebd., S. 53).

    Jede Kommunikation ist Verhalten. Menschen können sich nicht nicht zu einander verhalten, also auch nicht nicht kommunizieren. So ist auch Ignoranz ein bestimmtes Verhalten und mit nichtsprachlichen Botschaften verbunden.

  2. 2.

    „Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, derart, dass letzterer den ersteren bestimmt“ (ebd., S. 56).

    Über Tonfall, Gestik und Mimik löst der Sender spezifische Reaktionen beim Empfänger aus, die zu ganz unterschiedlichen Deutungen der Sachinformation führen können.

  3. 3.

    „Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt“ (ebd., S. 61).

    Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung. Auf jede sprachliche und/oder nichtsprachliche Kommunikation des Senders erfolgt eine Reaktion des Empfängers, der seinerseits zum Sender wird. Diese sprachliche und/oder nichtsprachliche Antwort löst wiederum eine Reaktion beim ursprünglichen Sender, nun Empfänger, aus. Kommunikation ist ein Kreislaufprozess. Bei der Interpunktion strukturiert das Individuum Verhaltensabläufe so, dass – z.B. negatives – eigenes Verhalten als eine Reaktion auf das Verhalten des anderen interpretiert wird.

  4. 4.

    „Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten“ (ebd., S. 68).

    „Digitale Kommunikationen haben eine komplexe und vielseitige logische Syntax, aber eine auf dem Gebiet der Beziehungen unzulängliche Semantik. Analoge Kommunikationen hingegen besitzen dieses semantische Potenzial, ermangeln aber die, für die eindeutige Kommunikation erforderliche, logische Syntax“ (ebd., S. 68). Digitale Modalitäten sind Mitteilungen durch Sprache, analoge Modalitäten Mitteilungen durch Entsprechungen (Mimik, Gestik). Der Inhaltsaspekt der Kommunikation wird eher digital übermittelt, der Beziehungsaspekt eher analog. Analoge Mitteilungen sind mehrdeutig (Tränen der Freude oder des Schmerzes) und können im Widerspruch zur digitalen Mitteilungen stehen (verbales Drohen mit ängstlicher Stimme).

  5. 5.

    „Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär, je nachdem, ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichheit oder Unterschiedlichkeit beruht“ (ebd., S. 70).

    In tragfähigen Beziehungen wirken beide Formen zusammen, stabilisieren sich gegenseitig. Für beide Partner besteht die Notwendigkeit, sich in bestimmten Bereichen symmetrisch und in anderen asymmetrisch zu verhalten. Konflikte entstehen, wenn sich ehemals symmetrische in komplementäre Beziehungen oder ehemals komplementäre in symmetrische Beziehungen wandeln.

Watzlawicks Axiome bieten eine Reihe hilfreicher Hinweise zur Erklärung und Gestaltung kommunikativer Situationen, sie sind jedoch in der wissenschaftlichen Diskussion in Teilen umstritten. Das betrifft beispielsweise die Gleichsetzung von Verhalten und Kommunikation, die stets wechselseitig wahrgenommenes Verhalten darstellt (zur Kritik vgl. die Zusammenfassung von Retter 1999).

Von Thun (1981) differenziert die sprachlichen und nichtsprachlichen Dimensionen von Kommunikation weiter und beschreibt „vier Seiten einer Nachricht“:

  1. 1.

    Der Sachaspekt: Der Inhalt, um den es geht, über den der Sender informiert.

  2. 2.

    Der Selbstoffenbarungsaspekt (bzw. Selbstkundgabeaspekt): Die Selbstdarstellung des Senders.

  3. 3.

    Der Beziehungsaspekt: Wie Sender und Empfänger zueinanderstehen, was der Sender vom Empfänger hält (hier kommen Tonfall, Mimik und Gestik zum Tragen

  4. 4.

    Der Appellaspekt: Wozu der Sender den Empfänger veranlassen möchte.

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Abb. 2: Die 4 Seiten einer Nachricht (vgl. von Thun 1981, S. 30)]

Beispiel

4 Seiten einer Nachricht aus Sicht des Senders

Die Kita-Leitung geht mit einer Erzieherin ins Gespräch: Familie Meyer hat sich über das Verhalten der Erzieherin bei der Kita-Leitung beschwert.

Mögliche Botschaften auf den 4 Seiten der Nachricht aus Sicht des Senders, der Kita-Leitung:

Sach-Botschaft: „Familie Meyer hat sich über Sie beschwert.“

Selbstkundgabe-Botschaft: „Ich bin die Leiterin und verantwortlich für diese Kita!“

Appell-Botschaft: „Verändern Sie sofort Ihr Verhalten gegenüber Familie Meyer!“ oder: „Sie haben meine Rückendeckung, vereinbaren Sie doch einmal ein Gespräch mit Familie Meyer, bei dem ich dabei bin.“

Beziehungs-Botschaft: „Sie haben einmal wieder Eltern verprellt!“ oder: „Das kennen wir ja von Familie Meyer; die nörgeln ständig herum …“

Praxistipp

Professionelle Kommunikation:

  • Versuchen Sie als Empfänger alle Seiten einer Nachricht zu verstehen. Fragen Sie sich:

    • Wie ist der Sachverhalt zu verstehen?

    • Was ist mit meinem Gegenüber los?

    • Wen glaubt er/sie vor sich zu haben?

    • Was soll ich denken, fühlen, tun aufgrund seiner/ihrer Mitteilung?

  • Schicken Sie als Sender eindeutige Nachrichten.

  • Erwartungen, Appelle, Selbst- und Beziehungsaussagen sollten als solche explizit formuliert und nicht verschleiert werden.

Beispiel

4 Seiten einer Nachricht aus Sicht des Empfängers

Mögliche Botschaften auf den 4 Seiten aus Sicht des Empfängers, der Erzieherin – und somit in ihren „vier Ohren“:

Sach-Ohr: „Familie Meyer hat sich über mich beschwert.“

Selbstkundgabe-Ohr: „Die Leiterin ist verärgert über mein Verhalten gegenüber Familie Meyer.“ oder: „Die Leiterin ärgert sich über das Verhalten von Familie Meyer.“

Appell-Ohr: „Ich soll sofort mein Verhalten gegenüber Familie Meyer verändern.“ oder: „Ich habe Rückendeckung von der Leiterin.“

Beziehungs-Ohr: „Die Leiterin traut mir kein angemessenes Verhalten gegenüber Familie Meyer zu!“ oder: „Die Leiterin möchte mir das Gefühl geben, dass sie hinter mir steht.“

Literatur

Watzlawick, P./Beavin, J. H./Jackson, D. D. (1969): Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien. Bern: Huber.

Retter, H. (1999): Pädagogische Kommunikation„. Grundlagentheorien und Professionswissen für den pädagogischen Alltag. Studienbrief Seminar für Allgemeine Pädagogik der TU Braunschweig. URL: https://www.tu-braunschweig.de/Medien-DB/hispaed/kommunikat.doc

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