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Wie wir kommunizieren: Die Grundlage für gelungenes Feedback

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Kommunikation zwischen Menschen kann schwierig sein, nicht zuletzt, weil es sich eben nicht nur um Sprache handelt. Grundlegende Annahmen, die im Folgenden dargestellt werden, können dabei helfen, Fallgruben zu erkennen und gegebenenfalls zu umgehen. Außerdem gibt es Regeln für das Geben von Feedback, die, wenn sie eingehalten werden, die Wahrscheinlichkeit des Gelingens vergrößern.

Wie kommunizieren wir?

Sender und Empfänger bilden ein Grundmodell der Kommunikation. Bei der Kommunikation zwischen Menschen handelt es sich immer auch um ein Gebiet, das viele Stolpersteine bereithält. Der Kommunikationstheoretiker Paul Watzlawick (2011) hat Grundannahmen der menschlichen Kommunikation, die sogenannten Axiome, aufgestellt.

Obwohl in der Diskussion nicht unkritisch gesehen, weil die Punkte sehr stark vereinfachen, was doch so komplex ist, unterstützen sie das Verständnis für Kommunikationsprobleme:

  1. 1.

    Man kann nicht nicht-kommunizieren: Kommunikation ist nicht nur Sprache. Manchmal merkt man schon an der Körperhaltung, wie die andere Person denkt.

  2. 2.

    Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt: Die reine Botschaft der Worte kann unterschiedlich gemeint und gehört werden (siehe Modell „Kommunikationsquadrat“ weiter unten).

  3. 3.

    Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung: Wer sagte oder machte was zuerst? Auf jeden Reiz gibt es eine Reaktion. Es gibt keinen reinen Anfangspunkt.

  4. 4.

    Menschliche Kommunikation hat nonverbale und verbale Anteile: Sprache ist beispielsweise immer auch mit Mimik und Gestik unterlegt, die wir ganz unbewusst entschlüsseln.

  5. 5.

    Kommunikation zwischen Personen ist gleichberechtigt oder sie ergänzen einander: Beide Kommunikationspartner sprechen auf Augenhöhe miteinander oder einer gibt maßgeblich den Ton an. Ein Wechsel ist dabei möglich.

Zwei Kommunikationsmodelle helfen, ein Verständnis für die Kommunikationssituation des Feedbackgebens und -nehmens zu entwickeln.

So verdeutlicht das erste Modell, das Johari Fenster, anschaulich den Nutzen von Feedback. Vereinfacht dargestellt bezieht sich das Modell auf verschiedene Bereiche wie Verhaltensweisen, Persönlichkeitsmerkmale oder das professionelle Handeln (vgl. Buhren 2015, S. 19). In diesem Modell finden sich die Person und die Interaktion wieder. Der Feedbacknehmer kann mit Hilfe von anderen Rückmeldungen in Form von Bestätigung zu Dingen erhalten, die bereits bekannt sind (Öffentlichkeit). Der große Nutzen findet sich in dem Bereich wieder, in dem Dinge aufgedeckt werden, die einer Person selbst nicht bekannt sind, die aber von anderen bemerkt werden (Blinder Fleck). In einem weiteren Bereich finden sich die Dinge, die nur der Feedbacknehmer (Privates) kennt. Hier kann man durch Selbstmitteilung anderen diesen Bereich öffnen. Schließlich gibt es auch einen Bereich, der weder von der eigenen Person noch von anderen offengelegt werden kann (Unbekanntes).

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Abb. 1: Johari-Fenster (Quelle: eigene Darstellung)

Ohne das Aufdecken des Blinden Fleckes ist es schwierig, ausreichend Informationen für die persönliche Entwicklung zu bekommen. Wenn Feedback neu für Personen ist, kann dieser Schritt zunächst schwierig sein. Etwas zu hören, was man selbst nicht (mehr) wahrnimmt, kann zunächst unangenehm sein.

Im 2. Modell von Schultz von Thun werden die verschiedenen Aspekte der Weitergabe und Aufnahme von Informationen dargestellt. Wer kennt es nicht? Einfachste Sätze, zum Beispiel in der Partnerschaft, können zu einem Streit führen, weil die andere Person dahinter eine versteckte Aufforderung hört. Denn was genau verstanden wird, unterliegt bestimmten Faktoren. Wie etwas gehört wird, hängt außerdem stark davon ab, in welcher Beziehung man zu seinem Gesprächspartner steht.

Situationsbeispiel

Im Gruppenraum sind in der Spielecke mehrere Puzzles durcheinandergeraten und liegen weit verstreut herum. Eine Erzieherin sagt zur anderen: „Sieh! Die ganzen Teile des neuen Puzzles sind durcheinander.“

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Abb. 2: Kommunikationsquadrat – Die 4 Seiten einer Nachricht (vgl. Schultz von Thun 1981)

Im Situationsbeispiel 1 gibt es einen Sender, die erste Erzieherin. Sie könnte gemeint haben:

  • Sachinhalt/Fakten: Die Puzzleteile sind durcheinander.

  • Beziehung: Ich möchte dir sagen, dass ich die Unordnung wahrgenommen habe.

  • Selbstkundgabe/Werte und Emotionen: Ich empfinde es als unordentlich.

  • Appell: Räum (bitte) die Spielecke auf!

Im Situationsbeispiel gibt es außerdem einen Empfänger, die 2. Erzieherin. Sie könnte verstanden haben:

  • Sachinhalt/Fakten: Die Puzzleteile sind durcheinander.

  • Beziehung: Sie sagt mir, dass ich meine Arbeit nicht mache.

  • Selbstkundgabe/Werte und Emotionen: Sie beobachtet mich.

  • Appell: Ich soll die Spielecke aufräumen. Oder auch: Wenn ich die Spielecke nicht aufräume, bekomme ich Stress!

Die letzte Ebene stellt im Miteinander die größte Herausforderung dar. Etliche Loriot-Geschichten, die unsere täglichen Kommunikationsschwierigkeiten aufs Korn nehmen, sind dafür gute Beispiele.1

Indem man darauf achtet, nicht ausgesprochene Botschaften zunächst sachlich wahrzunehmen, und sie ohne Vorwürfe anspricht, kann man diesen Problemen begegnen. Missverständnisse lassen sich vermeiden, wenn Gehörtes zunächst überdacht und vermeintlich klare Aussagen geprüft werden. Jede Aussage könnte doch anders gemeint sein und jede noch so gut gemeinte Äußerung birgt die Gefahr, falsch verstanden zu werden.

Literatur

Buhren, C. G. (Hrsg.) (2015): Handbuch Feedback in der Schule. Weinheim/Basel.

Watzlawick, P./Beavin, J. H./Jackson, D. D. (2011): Menschliche Kommunikation: Formen, Störungen, Paradoxien. 12. Aufl. Bern.

Ergänzende Arbeitshilfen

Die 9 Regeln der Teammoderation

Kombinieren Sie Effektivität mit Spaß – mit diesen 9 Regeln bereiten Sie eine Teamsitzung knackig und methodisch gut auf. Dokument herunterladen

Zum Beispiel „Das Ei“ in: Loriot: Herren im Bad: und sechs andere dramatische Geschichten. Zürich.


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