Abschnitt: Gesunde Arbeit → Work-Life-Balance
 

Wissen, was Work-Life-Balance wirklich bedeutet

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Der Begriff „Work-Life-Balance“ impliziert, dass man Arbeit und Leben voneinander trennen könnte, so als wären dies zwei voneinander unabhängige Bereiche. Vielmehr geht es jedoch um die Balance aller Rollen und Lebensbereiche eines Menschen wie z.B. Beziehungen, Hobbys, Familie, Wertvorstellungen, Gesundheit und Beruf. Das Zeit-Balance-Modell nach Seiwert und Peseschkian (vgl. Seiwert 2012, S. 69 ff.) fasst diese Aspekte in 4 Kategorien zusammen.

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Abb. 1: Zeit-Balance-Modell

Der Bereich Leistung und Arbeit umfasst die Aspekte, die mit der Erwerbsarbeit einhergehen. Dazu gehören monetäre Aspekte, Erfolg, Identifikation mit der beruflichen Tätigkeit und Karrieregedanken. Für viele Menschen stellt dieser Bereich die wichtigste Zeitkomponente dar bzw. wird oft auch als übergewichtig empfunden. Dies wird besonders verstärkt, wenn die Abgrenzung von Arbeit und Freizeit nicht gelingt, wenn z.B. berufliche Probleme und unerledigte Aufgaben mit nach Hause genommen werden (vgl. Hundeloh 2012, S. 151 ff.).

Unter dem Oberbegriff Körper werden Ressourcen und Anteile verstanden, die mit dem körperlichen Wohlbefinden einhergehen. Dazu gehören ausreichend Schlaf, Entspannung, eine ausgewogene Ernährung, Erholung, körperliche Leistungsfähigkeit und allgemeine Gesundheit. Diesem Bereich wird oftmals erst dann Bedeutung geschenkt, wenn die Gesundheit gefährdet ist oder bereits körperliche oder psychische Beeinträchtigungen sichtbar werden.

Unter Kontakt werden alle Komponenten subsummiert, die das soziale Miteinander ausmachen. Dies sind im wesentlichen Familie und Freunde bzw. die damit verbundenen Gefühle von Zuwendung, Zugehörigkeit und Anerkennung. Kommt es zu Überlastungen im beruflichen Bereich, leiden oftmals die Beziehungen zu den nahestehenden Personen. Dies kann das Gleichgewicht der Betroffenen empfindlich stören.

Der Bereich Sinn beinhaltet im Wesentlichen übergeordnete Themen wie Werte, Visionen, philosophische und religiöse Fragen sowie Aspekte der Selbstverwirklichung und Zukunftsfragen. Vielfach findet er eine eher untergeordnete Beachtung, weil sich die Rollenerwartungen und Ansprüche von außen in den Vordergrund schieben (vgl. ebd.).

Jeder dieser Bereiche kann individuell und auch in den einzelnen Lebensphasen unterschiedlich starke Bedeutung erlangen und entsprechend gewichtet werden. Stehen z.B. bei einem Menschen Karrieregedanken im Vordergrund, wird er möglicherweise gesundheitliche Aspekte vorübergehend vernachlässigen. Umgekehrt kann eine ernsthafte Erkrankung dazu führen, dass berufliche Ziele in den Hintergrund geraten. Auch die Geburt von Kindern bringt die Lebensbalance in der Regel durcheinander. Die Wertigkeit der Sinn-Themen wird dagegen oftmals erst dann deutlich, wenn sie lange vernachlässigt wurden, da sie selten aktiv in den Mittelpunkt gestellt werden. Allerdings korrelieren Lebenszufriedenheit und die gelebten Werte im Sinne einer authentischen selbstbestimmten Lebensweise durchaus miteinander.

Die Balance zwischen den einzelnen Bereichen ist also „kein statisches Gleichgewicht, sondern das dynamische Austarieren der internen und externen Anforderungen an das Selbst“. Sie erfordert vielfach Flexibilität und Kreativität, aber auch stabilisierende Strukturen.

Literatur

Hundeloh, H. (2012): Gesundheitsmanagement an Schulen. Weinheim und Basel.

Seiwert, L. (2012): Wenn du es eilig hast, geh langsam. 16. Aufl. Frankfurt.

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