Abschnitt: Gesunde Arbeit → Salutogene Führung
 

So stärken Sie Kohärenzgefühl und Widerstandsfähigkeit

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Die berufliche Tätigkeit ist in einer Institution verortet und kann Handlungs- und Gestaltungsräume eröffnen, wo Freude, Anerkennung, Wertschätzung, Verbundenheit, Vertrauen und Selbstwirksamkeit aber auch Unsicherheit, Überforderung, Misstrauen, Angst sich entfalten können. Ob das Pendel in die eine oder andere Richtung ausschlägt, hat damit zu tun, ob sich der Blick einer Kita-Leitung eher auf Ressourcen und Fähigkeiten oder eher auf Defizite und Probleme richtet.

Gesundheitsförderung bzw. salutogene Führung setzt an den Potenzialen und Ressourcen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an, und ist mit dem Konzept der Salutogenese eng verknüpft. Es beschäftigt sich mit der Frage, warum Menschen trotz einer Vielzahl von Risikokonstellationen, psychosozialen Belastungen und kritischen Lebensereignissen gesund bleiben.

Das bedeutet salutogene Führung

Das Wort Salutogenese setzt sich aus salus (lat.) (= Gesundheit, Glück, Heil) und genesis (griech.) (= Entwicklung, Entstehung) zusammen und zeigt einen Weg von einer Defizit- zu einer Ressourcenorientierung. Dieser Paradigmenwechsel ermöglicht, Menschen mit ihren Stärken und kreativen Ideen in den Blick zu nehmen, ohne schwierige Situationen und Konfliktkonstellationen zu negieren.

Ausgangspunkt für das Konzept der Salutogenese ist eine eindrucksvolle Studie des israelisch-amerikanischen Medizinsoziologen Antonovsky (Bengel et al. 2008). Er hat Frauen, die den Holocaust im „Konzentrationslager“ überlebt haben, untersucht und festgestellt, dass immerhin knapp 30 % der befragten Frauen das KZ gesundheitlich und psychisch relativ gut überstanden haben. Er fand heraus, dass die Bewältigung dieser enormen Stressbelastung mit dem Kohärenzgefühl in Zusammenhang steht. „Unter dem Kohärenzgefühl kann ein positives, aktives Selbstbild der Handlungs- und Bewältigungsfähigkeit verstanden werden. Es geht einher mit der Gewissheit, sich selbst und die eigenen Lebensbedingungen steuern und gestalten zu können“ (BZgA 2003, S. 199).

Kohärenzgefühl und Widerstandsressourcen als Eckpfeiler

Kohärenzgefühl und Widerstandsressourcen sind die Eckpfeiler der Salutogenese. Zu den Widerstandsressourcen zählen körperliche, psychische, personale und materielle Ressourcen, soziale Unterstützung und soziokulturelle Ressourcen sowie das Eingebundensein in ein Sicherheit gebendes Umfeld. Grundvertrauen und eine positive Grundhaltung zum Leben und zur Welt machen das Kohärenzgefühl aus.

Dabei spielen 3 Komponenten eine Rolle:

  1. 1.

    Die Verstehbarkeit stellt die kognitive Komponente dar und meint eine Situation oder einen Konflikt verstehen und erklären zu können.

  2. 2.

    Die Handhabbarkeit fokussiert die motivationale Ebene, die mit der Fähigkeit einhergeht, eine kritische Situation „händeln“ zu können. In einem ersten Schritt geht es um das Ausloten möglicher Handlungsoptionen, die dann in einem 2. Schritt zur Erlangung von Handlungssicherheit führt.

  3. 3.

    Die Sinnhaftigkeit ist die wichtigste Komponente, da dieser Aspekt sich mit der Bedeutsamkeit des Tuns beschäftigt und somit die emotional-handelnde Ebene darstellt. Die Dimension der Sinnhaftigkeit veranlasst Menschen, eine Herausforderung anzunehmen und sich dieser zu stellen.

Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit im Alltag

Die Herausforderungen können sich im Kontext der verschiedenen Ebenen des Kohärenzgefühls für die Leitungskräfte im Kita-Alltag folgendermaßen darstellen:

  • Verstehbarkeit: „Ich kann nachvollziehen bzw. erklären, worum es geht.“

  • Handhabbarkeit: „Ich kriege das hin und hole mir Unterstützung“

  • Sinnhaftigkeit: „Ich weiß, warum ich das tue.“

Für das Team könnte dies heißen:

Habe ich als Kita-Leitung dafür gesorgt, dass die Mitarbeiter/innen …

  • … wissen und sich erklären können, um was es geht?

  • … die Herausforderungen bewältigen können?

  • … die Sinnhaftigkeit ihrer Aufgaben sehen, um auch mit Engagement diese umsetze zu können?

Eine besondere Situation und Herausforderung stellt die Sandwich-Position von Kita-Leitungen dar. So stehen sie zwischen den Anforderungen des Trägers und den Bedürfnissen der Mitarbeiter/innen, zwischen den anvertrauten Kindern und den Vorstellungen und Ansprüchen der Eltern. Wenn eine Kita-Leitung auch noch in einer Gruppe arbeitet, hat sie eine weitere Sandwich-Position zu bewältigen. Aus diesen Positionen erwachsen ein doppelter Erwartungsdruck und eine Vielzahl von unterschiedlichen Anforderungen, die alle individuell und angemessen gemanagt werden müssen.

Was mache ich, wenn die …

  • Personen – Kinder, Kolleg/innen, Eltern – nicht so sind, wie ich sie gerne hätte?

  • Dinge – Materialien, Räume – nicht so sind, wie ich mir das vorstelle?

  • Umstände – Abläufe, Zeitstrukturen, Umfeld – nicht so sind, wie ich es mir wünsche?

Bei der Führung einer Kita wird deutlich, dass die Leitung vielfältige Aspekte berücksichtigen und die unterschiedlichsten Akteure einbeziehen sollte. Damit dies gelingt, ist viel emotionale Arbeit nötig. Dabei geht es hauptsächlich um Beziehungsarbeit, transparente Kommunikation, das Schaffen von Vertrauen, die Förderung eines Zusammengehörigkeitsgefühls im Team, die Etablierung einer Fehlerkultur, das Wissen um die Stärken und Schwächen der einzelnen Mitarbeiter/innen und nicht zuletzt die Entwicklung von Ideen für die Zukunft.

Ein starkes Kohärenzgefühl geht mit einer hohen Widerstandsfähigkeit (Resilienz) einher und ermöglicht, dass Menschen trotz ungünstiger Bedingungen Probleme erfolgreich bewältigen können. Resiliente Kita-Leitungen besitzen die Fähigkeit, mit Belastungen und Druck fertig zu werden und zeigen eine gewisse psychische Widerstandskraft und eine geringe Verwundbarkeit. Resilienz ist nichts Statisches, sondern ein durchaus dynamisches Geschehen. Letztendlich geht es um ein Ausbalancieren von Vulnerabilität (Verwundbarkeit) und Resilienz (Widerstandfähigkeit).

Literatur

Bengel, J/Strittmatter, R/Willmann, H. (2008): Was hält Menschen gesund? Antonovskys Modell der Salutogenese – Diskussion und Stellenwert. Köln: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

BZgA, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.) (2003): Leitbegriffe der Gesundheitsförderung. Schwabenheim: Fachverlag Peter Sabo. S.198-200.

Ergänzende Arbeitshilfen

Merkblatt: Auswirkungen von Stress auf Gesundheit, Denken und Handeln

Dauerhafter Stress schadet auf vielen Ebenen. Welche Bereiche betroffen sein können und inwieweit Handlungs- und Entlastungsbedarf besteht, können Sie dieser Arbeitshilfe entnehmen. Dokument herunterladen

Übersicht: Der Unterschied zwischen Eu-Stress und Dis-Stress

Der Unterscheid zwischen dem positiven Eu-Stress und dem belastenden Dis-Stress wird in diesem Überblick dargestellt. Dokument herunterladen

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