Abschnitt: Ganzheitliche Führung → Qualitätsorientiert führen
 

Das bedeutet Qualitätsmanagement in Kitas

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In einer Studie von 1998 haben Tietze et al. erhebliche Qualitätsunterschiede für Kindertagesstätten in Deutschland nachgewiesen. „Angesicht dieser Erkenntnisse und vorangetrieben durch den zunehmenden Wettbewerb um öffentliche Gelder und Familien als ‚Kunden‘ von Kindergärten wurden ‚Qualität‘ und ‚Qualitätsmanagement‘ zu Schlüsselbegriffen eines veränderten Selbstverständnisses von Tageseinrichtungen für Kinder. Es wird zunehmend als notwendig erachtet, die Arbeit an fachlichen Standards zu orientieren und die eigene Qualität nach außen ausweisen zu können“ (Tietze et al. 2013, S. 11). Eine Schlussfolgerung war die Ausarbeitung eines nationalen Kriterienkatalogs zur pädagogischen Qualität in Tageseinrichtungen für Kinder. Doch was ist überhaupt „Qualitätsmanagement“?

Managen bedeutet einfach aus dem Englischen übersetzt „handhaben“. Qualitätsmanagement zielt darauf ab, möglichst gute Produkte oder Dienstleistungen, in der Kita: möglichst hochwertige Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern, zu ermöglichen. Etwas komplizierter ausgedrückt: Zum Qualitätsmanagement gehören alle Tätigkeiten des Gesamtmanagements, die die Qualitätspolitik, Ziele und Verantwortlichkeiten festlegen, sowie diese durch Mittel wie Qualitätsplanung, Qualitätslenkung, Qualitätssicherung und Qualitätsverbesserung verwirklichen, so wird es in der Norm DIN EN ISO 8402 formuliert (DIN 1992). Qualitätsmanagement soll also der Sicherung und Entwicklung von Qualität dienen.

„Qualitätsmanagement“ (QM) ist nicht nur im Bereich der frühkindlichen Bildung zu einem Modetrend geworden. Das ist gut, wenn damit die Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsarbeit systematisch ausgewertet und zum Wohle der Kinder (und Eltern) weiterentwickelt werden soll. Das ist problematisch, wenn neue Zeitverbrauchsaktionen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie ihre Leitungen von den eigentlichen Aufgaben wegorientieren. Der Blick in die Entwicklung von QM-Konzepten weltweit zeigt die bewegte Geschichte, das Auf und Ab bestimmter Ansätze. Die folgende Abbildung zeigt „Ebbe, Flut und restlichen Einfluss“ von QM-Konzepten in der Wirtschaft in Jahren 1950 bis 2000.

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Abb. 1: Einfluss von QM-Konzepten zwischen 1950 und 2000 (Quelle: stakeholdermanagement 2013)

Die Konzeptflut ist ein Grund dafür, dass es begründete Sorgen in Kitas gibt, dass Qualitätsmanagement zu Mehrarbeit führen und den pädagogischen Handlungsspielraum einengen kann. Skepsis wird mit Blick auf das Verhältnis zwischen Nutzen und Aufwand geäußert. Die Bedenken berühren eine zentrale Problematik von Arbeitsprozessen: Ist die eingesetzte Arbeit wirksam oder eher Zeitverschwendung? Die Frage „Werden folgenlose Debatten geführt und wird viel Papier ohne Wirkung produziert?“ spiegelt die Sorge wieder, wertvolle Arbeitszeit und Energien zu vergeuden. Eine Erfahrung aus dem Unternehmens- und Schulbereich ist, dass überkomplexe und schwer zu überblickendende Kataloge mit zu vielen Indikatoren wenig handlungswirksam werden.

Die Schlüsselfrage des Qualitätsmanagements ist, ob und inwieweit der Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsauftrag erfüllt wird. Qualitätsmanagementsysteme müssen sich also daran messen lassen, welchen Beitrag sie zur Wirksamkeit der Kita, zum Wohlbefinden und zur Entwicklung der Kinder sowie zur Zufriedenheit der Eltern leisten. De facto ist Qualitätsmanagement insofern nichts Neues oder Besonderes, als in Kitas – mehr oder weniger – systematisch an der Güte der Einrichtung gearbeitet wird. Solange es Kitas gibt, existiert Kita-Entwicklung, arbeiten Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Leitungen an der Weiterentwicklung ihrer Einrichtung. Qualitätsmanagement soll helfen, diese Arbeit zielgerichtet und mit möglichst sparsamem Ressourceneinsatz zu gestalten. Qualitätsmanagement ist zunächst der schlichte Versuch, die Arbeit der Kita auf eine systematische Grundlage zu stellen, damit der Zweck der Kita möglichst gut erreicht wird. Der wohl größte Fehler im Qualitätsmanagement ist es, dieses als besondere Sache für und von Experten zu betrachten: Es sind nicht QM-Experten, die Verantwortung für die tägliche Gestaltung Kita tragen, sondern alle Beteiligten.

Literatur

Tietze, W./Viernickel, S. (Hrsg.) (2013): Pädagogische Qualität in Tageseinrichtungen für Kinder. Ein nationaler Kriterienkatalog. Berlin: Cornelsen.

Ergänzende Arbeitshilfen

Grundsätze des Qualitätsmanagements nach der DIN EN ISO Norm 9000

Die acht Prinzipien der DIN EN ISO Normenreihe müssen in allen fünf relevanten Qualitätsbereichen umgesetzt werden. Sie sind daher Grundlage, wenn Sie sich mit Qualitätsmanagement in Ihrer Kita auseinandersetzen. Hier finden Sie die Grundsätze übersichtlich zusammengestellt. Dokument herunterladen

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