Abschnitt: Ganzheitliche Führung → Fort- und Weiterbildung
 

Warum lebenslanges Lernen wichtig ist

book-841171_1920.jpg

Pädagogische Fachkräfte in der Kindertagesbetreuung unterliegen ähnlichen Zwängen wie andere Berufe auch. Die erforderlichen Qualifikationen ändern sich ständig und die Bedeutung von flexiblen Kompetenzen steigen sowohl für akademisch ausgebildete Kindheitspädagoginnen/Kindheitspädagogen als auch für Erzieherinnen/Erzieher mit Fachschulausbildung (vgl. Meyer 2000, S. 197). Des Weiteren sind Erzieherinnen/Erzieher Mitglied in der Wissensgesellschaft, welche lebenslanges Lernen fordert. Die Wissensgesellschaft stellt den Anspruch an pädagogische Fachkräfte „Bildungsprozesse bei Kindern zu unterstützen und sich neues Wissen anzueignen und zu vermitteln“. Die Wissensgesellschaft möchte hiermit Fachkräfte, sprich Erzieher/innen, auffordern das eigene Wissen stetig zu hinterfragen und zu aktualisieren (vgl. von Balluseck 2008, S. 17 f.) und ihre Qualifikationen, die sie in ihrer Ausbildung erworben haben stetig durch Fort- und Weiterbildungen zu ergänzen. Die Politik muss hier die Grundlage dafür schaffen, dass Fort- und Weiterbildungen in Anspruch genommen werden können (vgl. Diller 2011, S. 4).

Erzieher/innen haben eine hohe Weiterbildungsbereitschaft

Erzieher/innen sind eine Berufsgruppe die einen starken Bedarf an Fort- und Weiterbildung hat. Sie gehören damit zu der Berufsgruppen, die sich bereits jetzt am intensivsten regelmäßig fort- und weiterbildet. Bei einer nicht repräsentativen Studie der GEW gaben fast alle befragten Erzieher/innen an, dass sie in den letzten 12 Monaten eine berufliche Fort- oder Weiterbildung besucht haben. Davon nahmen 75 % an kurzzeitigen Veranstaltungen wie z.B. Vorträgen etc. teil und 50 % der Befragten besuchten längerfristige Weiterbildungen wie z.B. Kurse oder Seminare, die sich über einen längeren Zeitraum erstreckten. Ebenso gaben 93 % der befragten Fachkräfte an, regelmäßig zu Fachliteratur zu greifen. Als wichtigstes Fortbildungsthema wird von den Fachkräften mit 53 % die Bildungsbegleitung von Kindern gesehen und hier insbesondere die Dokumentation und Beobachtung von Bildungsprozessen, die Sprachförderung sowie die Diagnose und Begutachtung kindlicher Entwicklungsprozesse. An 2. Stelle stehen mit ca. 20 % die Themen Kooperation zwischen Kindertageseinrichtung und Schule, Elternarbeit und Elternbildung, mathematisch-naturwissenschaftliche Bildung, Bewegungsformen, sowie spezielle Lern- und Spielangebote für bestimmte Altersgruppen. Mit ca. 14-15 % folgen Themen zu Gesundheit und Ernährung und zu musischer Erziehung. Interessant ist, dass unter den sonstigen Nennungen mit 31 % von den Fachkräften insbesondere Themen zur „Organisation“ der Kindertagesbetreuung, d.h. zum Beispiel zum Leiten und Führen von Einrichtungen, Organisationsentwicklung, Qualitätssicherung, Konzeptionsentwicklung und zu den Orientierungsplänen der Länder genannt wurden. Daneben wurden noch Themen zur Persönlichkeitsentwicklung wie z.B. Stressbewältigung angeführt. Insbesondere wurden also in dieser frei wählbaren Kategorie Themen genannt, die insbesondere für Leitungskräfte interessant sind. Im Rahmen der Institution konnten nur 18 % der Befragten an einer Supervision teilnehmen. Die Fortbildungswünsche bzw. Fortbildungsbedarfe der Fachkräfte gestalten sich sehr heterogen. Nur das Thema Diagnostik und Begutachtung der kindlichen Entwicklung sticht mit 31 % hervor (vgl. GEW 2007, S. 14-17).

Personal in Kindertageseinrichtungen nach Fortbildungswünschen (n=3.584)

Fortbildungswünsche

absolut

%

Diagnostik, Begutachtung der kindlichen Entwicklung, Erkennen von Verhaltensauffälligkeiten

465

31,1

Elternarbeit/Elternbildung

256

17,1

Mathematisch-naturwissenschaftliche/technische Bildung

524

17,0

Lern-/Spielangebote f. best. Altersgruppen

246

16,5

Beobachtung/Dokumentation von Bildungsprozessen

241

16,1

Sprachförderung/Spracherziehung

230

15,4

Musische Bildung/Musikpädagogik

208

13,9

Bewegung/Rhythmische Erziehung/Tanz

204

13,7

Medienpädagogik/Einsatz neuer Medien

191

12,8

Naturspielpädagogik/Waldspielpädagogik

184

12,3

Hochbegabtenförderung

148

9,9

Theaterpädagogik

144

9,6

Kooperation Kindertageseinrichtung/Schule

107

7,2

Werterziehung/religiöse Bildung

102

6,8

Fremdsprachen (z.B. Englisch)

95

6,4

Gesundheit/Ernährung im Kindesalter

90

6,0

Allgemeine Methodik/Didaktik

85

5,7

Sexualpädagogik

72

4,8

Sonstiges

262

17,5

Bis zu 3 Nennungen möglich

Tabelle 1: Fortbildungswünsche von Fachpersonal in Kindertageseinrichtungen

Neben diesen Fortbildungsbedarfen wird es in Zukunft durch den schnellen Wandel im Feld der Kindertagesbetreuung weitere Erfordernisse für Fort- und Weiterbildungen für die Fachkräfte geben. Hier könnten insbesondere Themen wie die Betreuung von Kindern unter 3 Jahren oder betriebswirtschaftliche Aspekte von Einrichtungsorganisationen insbesondere für Leitungskräfte in den Fokus rücken (vgl. von Balluseck 2008, S. 18).

Die Erzieherinnen/Erzieher erfahren bei der Fort- und Weiterbildung eine hohe Unterstützung durch ihre Träger. Nur 4 % der Befragten gaben an, hier nicht vom Träger unterstützt zu werden. Unterstützung erfahren sie in der Regel durch Freistellung von der Arbeit oder/und durch Übernahme der Fort- und Weiterbildungskosten, sowie der Übernahme von Fahrt- und Verpflegungskosten (vgl. GEW 2007, S. 17 f.). Die finanzielle Unterstützung bezieht sich jedoch häufig nicht auf längerfristige Weiterbildungen mit einem anerkannten Abschluss, da längerfristige Weiterbildungen die finanziellen und personellen Ressourcen der Träger überschreiten. Daher tragen Erzieher/innen die Kosten ihrer längerfristigen Weiterbildungen häufig selbst und zählen dennoch zu einer der aktivsten Berufsgruppen in der Fort-und Weiterbildung (vgl. Stockfisch/Stricker/Meyer 2008, S. 27).

Darum sind Fort- und Weiterbildungen auch für Träger wichtig

Die Unterstützung an Fortbildung von Seiten des Trägers ist natürlich nicht uneigennützig. Für den Träger ist es ein positives Aushängeschild, auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft und Praxis zu sein und gut ausgebildetes Personal zu haben. Doch nicht nur der Träger hat einen Nutzen von gut ausgebildetem Personal, besonders profitieren in erster Linie die zu betreuenden Kinder und direkt daran angeschlossen die Familien (vgl. von Balluseck 2008, S. 18). Die neu erworbenen Kompetenzen sollen sich als „Qualitätsmerkmal“ am Ende der Wirkungskette, welche nur bedingt nachprüfbar ist, zeigen: Weiterbildung > durch Weiterbildung veränderte Erzieherin/veränderter Erzieher > Anwendung des in der Weiterbildung erworbenen Wissens mit und am Kind > im Sinne der Intentionen der Weiterbildung erwünschte Veränderung des Kindes (vgl. Stockfisch/Stricker/Meyer 2008, S. 25). Insbesondere bringt eine stetige Fort- und Weiterbildung aber etwas für die Fachkräfte persönlich. Sie entwickeln ein positives, professionelles Selbstverständnis von ihrer beruflichen Tätigkeit. Sie sind sicher in ihrem Auftreten und in ihren Handlungen. Die Verarbeitung und Verinnerlichung von Gelerntem in Fort- und Weiterbildungen benötigt Zeit. Diese Zeit fehlt jedoch oftmals im beruflichen Alltag insbesondere den Leitungskräften, die zwischen ihren Aufgaben als Leitung und der Arbeit in der Gruppe oftmals pendeln müssen (vgl. von Balluseck 2008, S. 18). Streben Erzieher/innen einen Rollenwechsel von der Kollegin/dem Kollegen zur Leitung an, stehen sie vor besonderen Herausforderungen. Als Leitungskraft werden neben den pädagogischen Kompetenzen neue Anforderungen im Bereich von Leitung und Einrichtungsorganisation an sie gestellt. Um diese neuen Herausforderungen fachgerecht meistern zu können und diesen professionell zu begegnen sind Fort- und Weiterbildungen unerlässlich. Kita-Leitungen haben Managementaufgaben zu erfüllen und sind durch die Beratung des pädagogischen Teams auch für die Qualitätsentwicklung der Einrichtung verantwortlich (vgl. Viernickel et al. 2013, S. 148). Sie müssen komplexe Probleme erfassen und mit emotionalem Einfühlungsvermögen handeln. Unterschiedliche Bedürfnisse von Eltern, Familien, Kindern und Mitarbeitern müssen in einem partizipativen Prozess berücksichtigt und mit einbezogen werden (vgl. Nagel-Prinz/Paulus 2012 zit. in Bock-Famulla/Lange 2013, S. 37). In den neu geschaffenen kindheitspädagogischen Studiengängen sind Inhalte zur Qualitätssicherung sowie zum Leiten und Führen einer Einrichtung fest verankert. Fachkräfte mit Fachschulausbildung können hier häufig zwar auf ihre wertvolle langjährige Berufserfahrung zurückgreifen, ihnen fehlen ggf. zum Teil aber grundlegende Managementkompetenzen, die in Fort- und Weiterbildungen ausgebaut werden müssen. Dies bestätigt auch die Studie der GEW, wie bereits oben aufgeführt, die aufzeigt, dass insbesondere in diesem Bereich ein großer Bedarf an Fort- und Weiterbildung vorliegt.

Literatur

Bock-Famulla, K./Lange, J. (2013): Länderreport Frühkindliche Bildungssysteme 2013. Transparenz schaffen – Governance stärken. Gütersloh: Verlag Bertelsmann Stiftung.

Diller, A (2011): Qualität, Transparenz und Durchlässigkeit in der frühpädagogischen Weiterbildung. Ergebnisse der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF). In: KiTa aktuell NRW, 10/2011, S. 4-6.

Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (2007): Wie geht`s im Job – Ergebnisse der Kita-Studie der GEW. URL: http://www.gew.de/Binaries/Binary35437/GEW-Kitastudie.pdf

Meyer, R. (2000): Qualifizierung für moderne Beruflichkeit. Soziale Organisation der Arbeit von Facharbeiterberufen bis zu Managertätigkeiten. New York, Münster, München, Berlin.

Nagel-Prinz, S. M./Paulus, P. (2012): Wie geht es Kita-Leitungen? Gesundheitliche Belastungen von Führungskräften in Kindertageseinrichtungen. In: Prävention und Gesundheitsförderung 02/2012.

Stockfisch, C./Stricker, M./Meyer, A. (2008): Ergebnisse der Studie: „Qualitätsanforderungen an ein Fort- und Weiterbildungskonzept für Erzieher/innen“. Berufsfortbildungswerk Gemeinnützige Bildungseinrichtung des DGB GmbH (bfw).

Viernickel, S./Nentwig-Gesemann, I./Nikolai, K./Schwarz, S./Zenker, L. (2013): Schlüssel zu guter Bildung, Erziehung und Betreuung. Bildungsaufgaben, Zeitkontingente und strukturelle Rahmenbedingungen in Kindertageseinrichtungen. URL: http://www.diakonie.de/media/expertise_gute_bildung_2013_Kapitel_1-3_web.pdf und http://www.diakonie.de/media/expertise_gute_bildung_2013_Kapitel_4-Ende_web_01.pdf

von Balluseck, H. (2008): Frühpädagogik als Beruf und Profession. In: von Balluseck, H. (Hrsg.): Professionalisierung der Frühpädagogik. Perspektiven, Entwicklungen, Herausforderungen. Opladen.

Ergänzende Arbeitshilfen

(Selbst-)Beurteilungsbogen für Führungskräfte

Mit diesem Beurteilungsbogen beleuchten Sie Ihre Kompetenzen in verschiedenen Bereichen. Der Bogen kann zur Selbst- oder Fremdbeurteilung eingesetzt werden. Aus den Ergebnissen können Sie Ihre Stärken und Schwächen als Führungskraft ableiten gezielt an den Defiziten arbeiten. Dokument herunterladen

Nach oben

Anmelden