Abschnitt: Theorien und Handlungskonzepte der frühen Bildung → Ko-Konstruktive Bildung
 

Das verbirgt sich hinter dem Begriff der „Ko-Konstruktion“

AdobeStock_12732471.jpg
© Anja Greiner Adam / Adobe Stock

Der Begriff der Ko-Konstruktion entstammt dem sozialen Konstruktivismus (teilweise auch als postmoderner Konstruktivismus bezeichnet), einem aktuellen Konzept des Lernens, das in der Pädagogik beim Lernen die soziale Interaktion in den Mittelpunkt rückt. Unter dieser Perspektive ist das Lernen nicht nur sozial beeinflusst, sondern als ein soziales Phänomen zu betrachten (Gisbert, 2004).

Ko-Konstruktion als methodisch-didaktischer Ansatz heißt, dass Lernen in Zusammenarbeit stattfindet. Heranwachsende lernen die Welt zu verstehen, indem sie sich mit anderen austauschen und gemeinsam Bedeutungen aushandeln (Fthenakis, 2009).

Für Fthenakis (2009) ist Ko-Konstruktion nicht ein Geschehen, das Lernprozessen zugehörig ist, sondern ein pädagogischer Ansatz, der bewusst von Fachkräften eingesetzt wird, um Kinder beim Lernen zu unterstützen und einen Prozess gemeinsam geteilter Aufmerksamkeit herzustellen. So können Fachkräfte mit Kindern Wissen ko-konstruieren, wenn sie die Erforschung von Bedeutung stärker betonen als den Erwerb von Fakten. Es geht dabei darum, Bedeutungen zu entdecken, auszudrücken und mit anderen zu teilen. Dazu bilden Kinder und Erwachsene lernende Gemeinschaften, in denen sie ihr Verständnis und ihre Interpretation von Dingen miteinander diskutieren und verhandeln.

Das Ziel von Ko-Konstruktion ist es, dass Kinder lernen, wie man gemeinsam mit Anderen Probleme löst. So kann ihr Verständnis- und Ausdrucksniveau in allen Entwicklungsbereichen erweitert werden, Dokumentationen können dies unterstützen (Fthenakis, 2009).

Kinder lernen bei ko-konstruktiven Lernprozessen z.B., dass

  • die Welt auf viele Arten erklärt werden kann

  • Bedeutungen untereinander ausgehandelt werden

  • ein Problem oder Phänomen auf verschiedene Weisen gelöst werden kann (Fthenakis, 2009).

Ko-Konstruktion wird von pädagogischen Fachkräften immer dann eingesetzt, wenn das Kind versucht, die Welt um sich herum zu erklären. Dies geschieht von Geburt an. Die Entwicklung des Selbstvertrauens kann durch Ko-Konstruktion gefördert werden, weil Kinder ermutigt werden, ihre Meinung auszudrücken und Erwachsene ein Interesse daran haben, dies wertzuschätzen. Darüber hinaus werden die Bereitschaft, Sichtweisen anderer zu verstehen und zu respektieren, und die Wertschätzung von Unterschiedlichkeit vermittelt (Fthenakis, 2009).

Textor (2007) verweist darauf, dass ko-konstruktive Prozesse vor allem bei Kindern in Beziehung zu anderen Kindern auftreten, während des Freispiels, bei Gesprächen, beim gemeinsamen Forschen. In symmetrischen (gleichwertigen) Beziehungen gelingt es Kindern besser als in asymmetrischen Beziehungen zu Erwachsenen, sich hinsichtlich bestimmter Themen, Aktivitäten, subjektiver Bedeutungen und Vorgehensweisen zu verständigen.

Nach Schäfer und von der Beek (2013) werden bei Ko-Konstruktion den Lernenden Materialien und geistige Hilfen zur Verfügung gestellt. Jedoch verweist dieser Begriff zu stark auf die kognitive Seite des Geschehens, deshalb befürworten sie den Begriff „Kooperation“. Damit ist auch ein Tätigsein eingeschlossen. Kinder sind nicht nur an „Theorien“ der anderen beteiligt, sondern erleben gemeinsam geteilte sinnliche Erfahrungen und werden in eine „Spirale der Erfahrungen“ eingebunden.

Praxisbeispiele/Fallstudien

Ein Beispiel zur Erarbeitung des Verständnisses von Ko-Konstruktion in der Ausbildung: Schweitzer, Christiane (2014): Ko-Konstruktion. Grundlage gemeinsamer Lern- und Verständigungsprozesse. In: TPS- Theorie und Praxis der Sozialpädagogik (1), S. 39

Literatur

Fthenakis, Wassilios E. (2009): Bildung neu definieren und hohe Bildungsqualität von Anfang an sichern. Ein Plädoyer für die Stärkung von prozessualer Qualität. In: Ilse Wehrmann (Hrsg.): Starke Partner für frühe Bildung: Kinder brauchen gute Krippen. Ein Qualitäts-Handbuch für Planung, Aufbau und Betrieb. Weimar, S. 1-12.

Gisbert, Kristin (2004): Lernen lernen. Lernmethodische Kompetenzen von Kindern in Tageseinrichtungen fördern. Weinheim/Basel.

Schäfer, Gerd E./von der Beek, Angelika (2013): Didaktik in der frühen Kindheit. Von Reggio lernen und weiterdenken. Weimar.

Textor, Martin R. (2007): Bildung in der Erzieherin-Kind-Beziehung. In: Fabienne Becker-Stoll und Martin R. Textor (Hrsg.): Die Erzieherin-Kind-Beziehung. Zentrum von Bildung und Erziehung. Berlin, S. 74-96.

Ergänzende Arbeitshilfe

Übersicht: Entwicklung von kognitiven Fähigkeiten

Diese Arbeitshilfe gibt Ihnen eine Übersicht der Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten von 0 – 12 Jahre. Dokument herunterladen

Nach oben

Anmelden