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Weltweit erfolgreich: Lernen mit der Pyramide

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Der Pyramide-Ansatz wurde von Jef van Kuyk für den niederländischen Elementarbereich entwickelt. Das Programm entstand in der Mitte der 1990er Jahre im Auftrag des niederländischen Ministeriums für Erziehung (van Kuyk, 2006) für die Altersgruppe der 3- bis 6-Jährigen – heute liegt auch eine Version für die unter 3-Jährigen vor. Der Pyramide-Ansatz hat sich in den Niederlanden breit etabliert und stößt auch international auf Resonanz, u.a. in Deutschland oder den USA. Theoretisch ist die Pyramide-Methode ausgerichtet an der Pädagogik von Maria Montessori, den Entwicklungstheorien von Jean Piaget und Lew Vygotsky sowie der Reggiopädagogik (Meyerhoff & Rausch, 2007). Methodisch orientiert sich der Ansatz an der Projektmethode nach Dewey. Van Kuyk (2006) interpretiert ihn als reformpädagogisches Verfahren, der in jüngerer Zeit auch als sozialpädagogisches Konzept beworben wird. Sein Anspruch ist, alle Entwicklungsbereiche (motorische, sprachliche Entwicklung, künstlerische, soziale Entwicklung sowie Denk- und Persönlichkeitsentwicklung) zu integrieren, wobei er in Anlehnung an Gardner von drei Intelligenzen ausgeht: der emotionalen, der physischen und der kognitiven Intelligenz.

Diese drei Intelligenzen werden mit unterschiedlichen Entwicklungsbereichen (sozial-emotional/Persönlichkeitsentwicklung, motorisch/künstlerisch, Sprach-/Denkentwicklung) verbunden. Für die Unterstützung von Bildungs- und Lernprozessen wird die Balance zwischen „Selbstregulierungsprozessen“ (self-regulation) und optimaler Anregung von Lernprozessen durch Pädagoginnen und Pädagogen hervorgehoben.

Nach diesem Ansatz werden in einer Kita ca. zehn bis zwölf Themenfelder im Laufe eines Jahres bearbeitet. Die unterschiedlichen Themenfelder werden mehrfach aufgegriffen und entsprechend differenziert bearbeitet (Orientation, Demonstration, Broading, Deeping). Dabei werden kurz- und langfristige Ziele verfolgt. Prinzipiell ist davon auszugehen, dass die Themen im Laufe der Jahre an Komplexität gewinnen und damit ein höheres „Distanzierungsniveau“ erreichen. Das Herzstück des didaktischen Handelns bildet die „Distancing Theory“ von Irving Sigel (2002). Sie ist eine Methode, um gezielt die Entwicklung von Repräsentationsleistungen zu evozieren.

Der Pyramide-Ansatz verknüpft die Lerninhalte (z.B. Themenfelder) und das didaktisch-methodische Handeln nach pädagogischen Grundprinzipien. Dabei wird auf eine Balance der Initiative von Kindern und pädagogischer Fachkraft großen Wert gelegt (Park & Bausermann, 2014).

Grundprinzipien des pädagogischen Handelns sind:

  • Initiative des Kindes

  • Initiative der Pädagoginnen und Pädagogen

  • Scaffolding-Konzept (Bruner)

  • Nähe und Distanz (Bowlby)

Basis des Pyramide-Ansatzes ist eine sichere und vertraute Umgebung. Lern- und Bildungsprozesse sollen von dem direkten Gegenstandsbezug zu inneren Repräsentationen führen.

Beispiel

Mathematische Kompetenzen (Sortieren von Materialien):

Einfaches Abstraktionsniveau:

  • Zuordnen von Form, Farbe, Größe, Dimension, Material

  • Reihen bilden: z.B. der Größe nach ordnen

Komplexeres Abstraktionsniveau:

  • Reihen bilden: mit 10 Objekten

  • Reihen bilden: unter Berücksichtigung von zwei verschiedenen Kriterien

  • Vergleichen und Zählen

  • Indirekte Vergleiche: Material

Komplexes Abstraktionsniveau:

  • Gruppen bilden (5, 10, 15) mit zwei verschiedenen Kriterien

  • Einfache mathematische Operationen

Das Potenzial des Ansatzes von van Kuyk wurde bereits mehrfach positiv evaluiert (Kammermeyer & Roux 2012, S. 12). Auch als Interventionsansatz für Kinder mit besonderem Förderbedarf hat sich der Ansatz bewährt (Kuyk, 2005, S. 175).

Literatur

Kammermeyer, G./Roux, S. (2012): Abschlussbericht: Förderung von Schriftspracherwerb und Mathematik in Kindergarten und Grundschule mit dem Pyramide-Ansatz. Landau/Weingarten: https://www.uni-koblenz-landau.de/de/landau/fb5/bildung-kind-jugend/paedagogik-der-fruehen-kindheit/medien/abschlussbericht.pdf

Meyerhoff, C./Rausch, N. (2007): Pyramide, ein ganzheitlicher Ansatz zur Förderung der frühkindlichen Entwicklung. In Online-Handbuch Kindergartenpädagogik. https://www.kindergartenpaedagogik.de/1639.html.

Van Kuyk, J. (2005): Pyramide-Buch I. Arnheim: Cito.

Van Kuyk, J. (2006): Holistic or sequential approach to curriculum: what works best for young children? In J. van Kuyk (Ed.), The quality of Early Childhood Education (pp. 137–152). Arnheim: Cito.

Ergänzende Arbeitshilfen

Distancing Theory

Diese Arbeitshilfe zeigt die Aspekte der Distancing-Theory nach Sigel (ODEV) – die vier Schritte vom Gegenständlichen oder Anschaulichen zum Abstrakten. Dokument herunterladen

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