Abschnitt: Theorien und Handlungskonzepte der frühen Bildung → Arbeit mit null- bis dreijährigen Kindern
 

Kinderkrippen und ihre Anforderungen

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Die Kinderkrippe (kurz Krippe) stellt eine institutionell organisierte Form der Tagesbetreuung für Kinder in den ersten drei Lebensjahren dar. Sie kann als eigenständige Einrichtung oder als integrierte Gruppe in einer Kindertageseinrichtung bestehen. Die Kinderkrippe grenzt sich durch die Berücksichtigung der altersspezifischen Bedürfnisse der Kinder unter drei Jahren von Kindertageseinrichtungen mit Elementargruppen ab (Neuß/Lorber, 2011).

Kinderkrippen unterstehen dem Kinder- und Jugendhilfegesetz und werden von freigemeinnützigen und kommunalen Trägern der Jugendhilfe betrieben (Neuß/Lorber, 2011).

Bereits im Christentum ist der Begriff Krippe zu finden. Jesus wurde nach seiner Geburt im Stall zu Bethlehem in eine Futterkrippe mangels eines Kinderbettes gelegt. Ebenso ist in der Geschichte die Kinderkrippe zunächst ein solcher Notbehelf (Neuß/Lorber, 2011). Eltern von Kleinstkindern waren im Zuge der Industrialisierung häufig gezwungen einer außerhäuslichen Erwerbstätigkeit nachzugehen. Ihre Kinder waren zum Teil sich selbst überlassen oder wurden zur Obhut in andere Familien gegeben. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wurden in Frankreich 1844 und im deutschsprachigen Raum 1849 die ersten Kinderkrippen gegründet. Hierbei stand die Beaufsichtigung und körperliche Versorgung im Vordergrund, währenddessen die pädagogische Arbeit eine untergeordnete Rolle spielte (Reyer/Kleine, 1997 und Neuß/Lorber, 2011).

Die Krippe erfuhr bis Ende des Zweiten Weltkrieges eine zögerliche Entwicklung und behielt den Charakter einer reinen Betreuungseinrichtung. Zurückzuführen ist dies vor allem auf den Einfluss des idealtypischen Bildes einer bürgerlichen Familie, in welchem die Mutter die Erziehung des Kindes als „ureigenste“ Aufgabe übernahm (Peuckert, 2008 und Reyer/Kleine, 1997).

Nach der Teilung Deutschlands wurden Kinderkrippen von der DDR und BRD aufgrund von unterschiedlichen politisch-gesellschaftlichen und ökonomischen Zielsetzungen und Frauen- und Familienbildern verschieden entwickelt (Paterak, 1999).

In der DDR wurden aus ideologischen und wirtschaftlichen Gründen die Erwerbstätigkeit von Frauen und der Einfluss auf die frühkindliche Erziehung angestrebt (Paterak, 1999). Ein weiterer Beweggrund für die Förderung der Kindertagesbetreuung stellte die gewollte Herstellung gleicher Bildungschancen für alle Kinder unabhängig von ihrer Herkunft dar (Paterak, 1999). Um diese Zielsetzungen erreichen zu können, wurde ein zentralstaatlich geplanter und regulierter Ausbau eines institutionellen Kinderbetreuungssystems vorgenommen (Paterak, 1999). Die Kinderkrippe wurde in diesem Zusammenhang 1965 erstmals dem Bildungssystem zugeordnet (Nentwig-Gesemann, 1999).

Ausgelöst durch die Studentenbewegung 1968 stand die Kindertagesbetreuung Anfang der 70er Jahre in der BRD ebenfalls im Fokus der Bildungsdebatte. Doch währenddessen der Kindergarten als Teil des Bildungssystems anerkannt wurde, verblieb die Kinderkrippe in Form von Kinderbetreuung, Krabbelgruppen und Kinderläden privat organisiert. Dieses Engagement begrenzte sich hauptsächlich auf Großstädte und das studentische Milieu (Neuß/Lorber, 2011). Hintergrund dieser Entwicklung bildete die weiterhin bestehende Orientierung an traditionellen bürgerlichen Familien- und Sozialisationsnormen (Paterak, 1999).

Dementsprechend galt es, diese unterschiedlichen Vorstellungen des frühkindlichen Aufwachsens nach der Wiedervereinigung zusammenzuführen. In der ehemaligen DDR erfolgte die Einführung neuer pädagogischer Konzepte und in der BRD der Ausbau der Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren (Neuß/Lorber, 2011 und Schneider-Andrich, 2011). Die Kinderkrippe sollte von nun an als Voraussetzung von Vereinbarkeit von Familie und Beruf fungieren und einen wichtigen Beitrag für die Bildung und Entwicklung von Kindern leisten. Dieses Bestreben spiegelt sich nicht zuletzt in der Ausgestaltung der Bildungs- und Entwicklungspläne der Bundesländer wider und gipfelte im Sommer 2013 in dem Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem ersten Lebensjahr.

Literatur

Neuß, Norbert (Hrsg.) (2011): Grundwissen Krippenpädagogik. Ein Lehr- und Arbeitsbuch, Berlin.

Paterak, Heike (1999): In Institutionelle Früherziehung im Spannungsfeld normativer Familienmodelle und gesellschaftlicher Realität, Münster.

Peuckert, Rüdiger (2008): Familienformen im sozialen Wandel, Wiesbaden.

Reyer, Jürgen/Kleine, Heidrun (1997): Die Kinderkrippe in Deutschland: Sozialgeschichte einer umstrittenen Einrichtung, Freiburg.

Schneider-Andrich (2011): Spielend Lernen in der Kinderkrippe. Eine Analyse des Spielverhaltens von Kleinkindern in vier Krippengruppen, Hamburg.

Ergänzende Arbeitshilfen

Zusammenfassender Rückblick auf die Geschichte des Kindergartens

Dieses Arbeitsblatt fasst die Geschichte der Frühpädagogik und die Entwicklung des Kindergartens auf 3 Seiten zusammen und kann Ihnen als Überblick über die Genese Ihres Berufs dienen. Dokument herunterladen

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