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Kindergarten und Schule: Hier prallen zwei Welten aufeinander

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Der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule ist ein „Dauerbrenner“ in der pädagogischen und öffentlichen Diskussion. Zum Verständnis der heutigen Übergangssituation ist ein kurzer Blick in die Geschichte des Verhältnisses von Kindergarten und Grundschule notwendig (Roßbach & Erning, 2008). Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts lässt sich das Verhältnis der beiden Institutionen Kindergarten und Schule eher als distanziert bzw. voneinander abgegrenzt beschreiben. Damals existierten die „Kleinkinderschulen bzw. Bewahranstalten“ für jüngere Kinder aus ärmeren Verhältnissen als Noteinrichtung zur Betreuung abgegrenzt neben der offiziellen Schule. Im Gegensatz dazu richtete Friedrich Fröbel 1840 den ersten Kindergarten als eine vorschulische Bildungseinrichtung ein. Er forderte eine gegenseitige Bezüglichkeit von Kindergarten und Schule und eine altersangemessene Bildung für alle Kinder, um so das für die Schule notwendige Fundament zu schaffen. Auch in der Weimarer Reichsverfassung von 1919 wurde über die Frage der administrativen Zuordnung des Kindergartens beraten und der Kindergarten schließlich nicht dem Bildungssystem, sondern dem Jugendhilfebereich zugeordnet. Somit erlangte der Kindergarten den Status einer Wohlfahrts- und nicht einer Bildungseinrichtung. Gleichzeitig wurde durch das Reichsgrundschulgesetz von 1920 die heute 4-Jährige Grundschule als obligatorische Einrichtung für alle 6-Jährigen beschlossen. Dadurch wurde die Trennung der beiden Institutionen besiegelt, die faktisch bis heute besteht.

In der aktuellen Diskussion im Anschluss an die PISA-Ergebnisse wird der Kindergarten (wieder) als Bildungseinrichtung verstanden, und dementsprechend eine stärker kognitive/schulvorbereitende Unterstützung und ggf. auch Förderung gefordert, mit der Erwartung, für die Kinder dadurch bessere Startbedingungen in der Grundschule und einen problemlosen Übergang vom Kindergarten in die Grundschule zu schaffen. Dies lässt sich auch an den eingeführten Bildungsplänen für den Elementarbereich ablesen, die teilweise explizit institutionenübergreifend angelegt sind, d.h. Kindergarten und Grundschule umfassen (z.B. in Hessen und Mecklenburg-Vorpommern).

Nach wie vor sind die beiden Bildungsbereiche aber zwei eigenständige Institutionen mit unterschiedlichen Aufgaben und Strukturen: So sind zum Teil verschiedene Ministerien zuständig. Der Kindergarten ist in den meisten Bundesländern dem Sozialministerium zugeordnet, die Schule dem Bildungs- oder Kultusministerium. Der Kindergarten ist traditionell durch die Sozialpädagogik geprägt, die Grundschule durch die Schulpädagogik. Daraus resultiert auch die Verschiedenheit der Ausbildung des pädagogischen Personals im Kindergarten (fachschulisch und/oder hochschulisch) und in der Grundschule (hochschulisch). Ein weiterer Unterschied zeigt sich in der Trägerschaft der beiden Institutionen. Der Kindergarten ist in freier häufig konfessioneller oder kommunaler Trägerschaft, wohingegen die Grundschule, bedingt durch Artikel 7 Absatz 1 des Grundgesetzes, staatlich organisiert ist. Allerdings sind private Grundschulen im Vormarsch. Daraus folgt auch die unterschiedliche Finanzierung (Kindergarten: Mischfinanzierung bestehend aus Elternbeiträgen, Zuschüssen der Bundesländer, Kommunen und Träger; Grundschule: Teilnahme kostenlos, wenn staatlich organisiert). Weiterhin unterscheiden sich die beiden Institutionen in ihrer didaktisch-methodischen Vermittlungsform bzw. Lernkultur. Das (Frei-)Spiel in altersheterogenen Gruppen gilt als typische Form des Lernens in Kitas, auf Seiten der Schule erfolgt der Unterricht nach einem festen Stundenplan in der Regel in altershomogenen Klassen, wobei sich aufgrund der Einschulungsregelungen und der damit verbundenen Möglichkeit von Früh- und Späteinschulungen ebenfalls eine größere Altersspanne unter den Grundschüler/-innen ergeben kann. Durch diese Unterschiedlichkeit der beiden Institutionen wird der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule vielfach als problembehaftet angesehen, den es zu entschärfen gilt.

Literatur

Roßbach, H.-G./Erning, G. (2008): Übergang vom Kindergarten in die Grundschule – eine unendliche Geschichte. Kemnitz, H. (Hrsg.): Abgrenzungen und Übergänge im Bildungssystem. Festschrift für Karl Neumann. Braunschweiger Arbeiten zur Schulpädagogik. Bd. 19 (S. 9–28). Braunschweig: Technische Universität Braunschweig Institut für Erziehungswissenschaft, Abteilung Schulpädagogik und Allgemeine Didaktik.

Ergänzende Arbeitshilfe

Gesprächsleitfaden Übergangsgespräch

Im Übergangsgespräch besprechen Sie mit den Eltern den bevorstehenden Wechsel des Kindes in die Schule. Wie Sie dabei zielgerichtet vorgehen und welche Stolpersteine Sie vermeiden sollten, zeigt dieser Leitfaden. Dokument herunterladen

Blanko-Protokoll Übergangsgespräch

Nutzen Sie die Protokoll-Vorlage, um das Übergangsgespräch zu dokumentieren und wichtige Erkenntnisse aus dem Gespräch allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Verfügung zu stellen. Dokument herunterladen

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