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Das Münchner Eingewöhnungsmodell: Diese Methodik kommt allen Beteiligten zugute

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Beim „Münchner Eingewöhnungsmodell“ fokussiert die Eingewöhnung nicht ausschließlich auf die Beziehung zwischen der pädagogischen Fachkraft und dem Kind, sondern alle an der Eingewöhnung beteiligten Personen werden aktiv in den Prozess einbezogen, „die Eltern und ihr Kind ebenso wie die Kindergruppe und das pädagogische Personal“ (Winner & Erndt-Doll, 2013). Zudem ist das Konzept nicht nur für Kleinkinder geeignet, wie das „Berliner Eingewöhnungsmodell“, sondern auch für Kindergartenkinder. Es geht in diesem Modell zwar auch, aber nicht nur, um eine gute Beziehung zur pädagogischen Fachkraft. Das Kind und seine Eltern sollen auch den Alltag in der Kindertageseinrichtung kennenlernen und die Kindertageseinrichtung als Bildungseinrichtung mit attraktiven Angeboten erleben. Der Umgang der pädagogischen Fachkraft mit den anderen Kindern der Gruppe dient als Modell dafür, dass sich das neu einzugewöhnende Kind auch darauf verlassen kann, die pädagogische Fachkraft im Notfall ansprechen zu können.

Nach einigen vorbereitenden Gesprächen beginnt die Eingewöhnung mit dem „Münchner Eingewöhnungsmodell“ mit einer sogenannten Schnupperwoche, in der das Kind im Beisein eines begleitenden Elternteils das pädagogische Personal, die anderen Kinder sowie die Räume und Zeitabläufe der Kindertageseinrichtung kennenlernt. In dieser Zeit sind die Eltern für ihr Kind verantwortlich. In Gesprächen mit den Eltern versuchen die pädagogischen Fachkräfte in dieser Zeit herauszufinden, was das Kind besonders spannend und interessant findet und wodurch ihm die erste Trennung von Mutter oder Vater erleichtert werden könnte, die frühestens am sechsten Tag erfolgt. In den folgenden Tagen wird die Trennungszeit verlängert, wobei darauf geachtet wird, ob sich das Kind von der pädagogischen Fachkraft beruhigen lässt und sich auf die Angebote in der Kindertageeinrichtung einlassen kann. Während der gesamten Eingewöhnungszeit, die ungefähr drei Wochen dauern soll, versuchen die pädagogischen Fachkräfte eher indirekt Kontakt mit dem Kind aufzunehmen, indem sie ihm attraktives Spielzeug anbieten, auf seine Signale reagieren und ihm helfen, Beziehungen zu anderen Kindern aufzunehmen. Darüber hinaus führen sie regelmäßige Gespräche mit den Eltern, um auch deren Vertrauen zu gewinnen. Im „Münchner Eingewöhnungsmodell“ wird davon ausgegangen, dass in der vierten Woche die Phase des Übergangs in die Kindertageseinrichtung im Wesentlichen bewältigt ist (Winner & Erndt-Doll, 2013).

Im Gegensatz zum „Berliner Eingewöhnungsmodell“ werden im „Münchner Eingewöhnungsmodell“ stärker die Schutzfaktoren thematisiert, die resilienzfördernd wirken können, was unter Umständen auch Kindern mit Fluchterfahrung besonders zu Gute kommen könnte. Zu den Schutzfaktoren, die sich mit Bedingungen und Erfahrungen für eine positive Entwicklung und die Bewältigung belastender Situationen befassen, zählen unter anderem eine anregungsreiche und fördernde Umwelt, die Annahme des Kindes durch die Bezugspersonen, die Wahrnehmung und Befriedigung der kindlichen Bedürfnisse, Ermutigung bei der Selbständigkeitsentwicklung, Hilfe bei der Entwicklung von Handlungskompetenzen sowie positive Kontakte zu anderen Kindern (Rönnau-Böse & Fröhlich-Gildhoff, 2012). Auf alle diese Faktoren geht das „Münchner Eingewöhnungsmodell“ explizit ein und bietet damit unter Umständen eine gute Basis zur Entwicklung von Resilienz.

Literatur

Rönnau-Böse, M./Fröhlich-Gildhoff, K. (2012): Das Konzept der Resilienz und Resilienzförderung. In Fröhlich-Gildhoff, K./Becker, J./Fischer, S. (Hrsg.): Gestärkt von Anfang an. Resilienzförderung in der Kita. Weinheim: Beltz. S. 9–29.

Ergänzende Arbeitshilfe

Kurz & Knapp: Münchner Modell

Diese Arbeitshilfe gibt Ihnen einen kurzen Überblick über das Münchner Eingewöhnungsmodell. Dokument herunterladen

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