Abschnitt: Professionelle Herausforderungen → Beobachten und dokumentieren
 

Aufgepasst! Diese Beobachtungsformen sollten Sie kennen

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© Oksana Kuzmina / Adobe Stock

Die Beobachtung gilt als eine Schlüsselkompetenz der pädagogischen Qualität. Sie bildet die Grundlage für ein pädagogisch begründetes und zielführendes Sachhandeln. Dabei umfasst der Begriff „Beobachtung“ unterschiedliche Beobachtungsformen, die dem Beobachter zur Verfügung stehen (Krenz, 2009). Diese orientieren sich an den möglichst exakt definierten und vor einer Beobachtung festgelegten Beobachtungszielen, um erforderliche Vorbereitungen treffen und damit die Beobachtungsaufgabe möglichst sorgfältig erfüllen zu können. Um sich im Vorfeld für eine bestimmte Beobachtungsform zu entscheiden, bedarf es vor allem der Beantwortung folgender Fragen:

  • Warum soll /…/ beobachtet werden?

  • Was soll – ggf. bei wem – genau erfasst werden?

  • Wann soll die Beobachtung stattfinden und auf welche Zeitspanne soll sich die Beobachtung ausdehnen?

  • Soll die Beobachtung einmalig oder in einem zeitlichen Rhythmus durchgeführt werden?

  • Wo soll die Beobachtung stattfinden – an einem Ort oder an unterschiedlichen Orten?

  • Wer soll beobachten?

Fazit: Welche Beobachtungsform bietet sich aufgrund der Antworten daher am besten an?

Die wichtigsten Beobachtungsformen sind:

  1. A)

    Selbstbeobachtung (Introspektion): Sie dient der Erfassung eigener Verhaltensmerkmale und der Erklärung für bestimmte Ausdrucksformen/Einstellungen/Sichtweisen/emotional-soziale Reaktionen (als Selbsterfahrung/ zur eigenen Reflexion bestimmter Denk- und Verhaltensmuster).

  2. B)

    Fremdbeobachtung (Erlebnisbeobachtung): Sie konzentriert sich auf außen stehende Personen in unbestimmten oder bestimmten Situationen/ an unbestimmten oder bestimmten Orten.

  3. C)

    Naive Beobachtung (unsystematische B., Alltagsbeobachtung, unsystematische B., Gelegenheitsbeobachtung; unstrukturierte B.): Sie geschieht eher zufällig und spontan, ohne eine vorher exakt festgelegte Zielbeschreibung und ohne eine bindende Beobachtungsstruktur.

  4. D)

    Wissenschaftliche Beobachtung (systematische B., zielgerichtete B., strukturierte B.): Ihr liegt ein genauer Beobachtungsplan mit einem bestimmten Beobachtungsziel, einer festgelegten Beobachtungszeit und einer Beobachtungsdokumentation zugrunde.

  5. E)

    Direkte Beobachtung: Hier nehmen Beobachter die Beobachtung „face to face“ vor.

  6. F)

    Indirekte Beobachtung: Hier werden Ereignisse beispielsweise anhand von Tonaufnahmen oder Bildaufzeichnungen bzw. Bildergebnissen ausgewertet, ohne dass die auswertende Fachkraft als direkte(r) Beobachter/in dabei anwesend sein musste.

  7. G)

    Einzelbeobachtung vs. Gruppenbeobachtung: Es gibt die Möglichkeit, Einzelpersonen, Klein-, Teil- oder Großgruppen mit einer (un)bestimmten Zielaufgabe zu beobachten.

  8. H)

    Offene vs. verdeckte Beobachtung: Im ersten Fall ist der Beobachter für die zu beobachtende Person zu erkennen und ggf. auch bekannt; im zweiten Fall trifft dies nicht zu, um mögliche Einflüsse auf das Beobachtungsergebnis zu minimieren.

  9. I)

    Laborbeobachtung vs. Feldbeobachtung: Im ersten Beobachtungsverfahren geht es um Beobachtungen in künstlich hergestellten Situationen; die zweite Beobachtungsform bezeichnet Beobachtungen in natürlichen Situationen.

  10. J)

    Verbale vs. kategoriale Beobachtung: In der ersten Beobachtungsform können Beobachter eine Beschreibung (Aufzeichnung) ihrer Beobachtungen vornehmen; im zweiten Fall gibt es entsprechende Kategoriensysteme, in die Beobachter ihre Beobachtungsergebnisse eintragen.

  11. K)

    Aktiv teilnehmende vs. passiv teilnehmende Beobachtung: Bei einer aktiv teilnehmenden Beobachtung ist der Beobachter bzw. die Beobachterin in die Beobachtungssituation einbezogen (z.B. als Mitspieler/Mitakteur); bei einer passiv teilnehmenden Beobachtung halten sich Beobachter aus allen Kommunikation- und Interaktionsprozessen heraus.

  12. L)

    Kurzzeitbeobachtung vs. Langzeitbeobachtung: Kurzzeitbeobachtungen beziehen sich auf kurzfristige Zeitspannen, wohingegen Langzeitbeobachtungen über Wochen, Monate oder Jahre angelegt sind.

  13. M)

    Kontinuierliche Beobachtung vs. diskontinuierliche Beobachtung: Kontinuierliche Beobachtungen werden über eine vorher festgelegte Zeitspanne fortlaufend durchgeführt. Bei diskontinuierlichen Beobachtungen werden nur dann Einträge dokumentiert, wenn die vorher definierten Ereignisse auftreten.

  14. N)

    Beschreibende vs. registrierende Beobachtung: In einer beschreibenden Beobachtung haben Beobachter die Möglichkeit, ihre Beobachtungsergebnisse in vollständigen oder verkürzten Sätzen zu formulieren. Bei einer registrierenden Beobachtung werden beispielsweise Häufigkeiten bestimmter Ereignisse mittels einer Strichliste erfasst.

  15. O)

    Molare Beobachtung vs. molekulare Beobachtung: Bei molaren Beobachtungen werden grobe Beobachtungsbereiche erfasst, wohingegen bei molekularen Beobachtungen feingliedrige Details eines Verhaltens erfasst werden können (Krenz, 2009b).

  16. P)

    Ethnographische Beobachtung: Dabei handelt es sich um die längerfristige Beobachtung einer sozialen Gruppe mit einem bestimmten, die Gruppe verbindenden sozial-kulturellem Hintergrund. (Anmerkung: Diese Beobachtungsform kommt in der institutionalisierten Pädagogik in der Regel nicht vor.)

Jede qualitätsgeprägte Beobachtungsform muss…

  • fachlich begründet ausgewählt werden

  • der Zielrichtung entgegenkommen

  • eine praktische Konsequenz aus den Beobachtungsergebnissen erbringen (können)

  • nicht nur den Beobachtungsgegenstand / den zu beobachtenden Menschen/ die zu beobachtende Menschengruppe im Auge haben sondern stets auch sinnzusammenhängende Einflüsse/ Vernetzungen in der Beobachtungszeit berücksichtigen, um teilisolierte Aussagen zu vermeiden und subjektive Interpretationen weitgehend auszuschließen.

Die Effizienz einer qualitätsgeprägten Beobachtung ergibt sich stets aus der Kombination/Zusammenführung von Beobachtungsformen (beispielsweise ergeben sich in der Pädagogik Beobachtungsergebnisse häufig aus einer strukturierten direkten Einzel- bzw. Gruppenbeobachtung (Stichwort: Erstellung eines Soziogramms) als kurzzeitige Feldbeobachtung in beschreibender Beobachtungsform).

Die Beobachtungsergebnisse können für

  • selbstreflexive Betrachtungen

  • eigene Erkenntnisse und zur Planung von Maßnahmen

  • kollegiale Gespräche (im Austausch von Informationen/zum Vergleich fremder und eigener Beobachtungen und Konsequenzen)

  • Elterngespräche

  • Entwicklungsberichte und Gutachten

  • Lerngeschichten

  • Portfolios

  • Tagebuchaufzeichnungen

als Ausgangsgrundlage dienlich sein.

Literatur

Krenz, Armin (2009a): Beobachtung und Entwicklungsdokumentation im Elementarbereich. München.

Krenz, Armin (2009b): Psychologie für Erzieherinnen und Erzieher. Grundlagen für die Praxis. Berlin, Kapitel III, 7: Beobachten, S. 251 – 283.

Ergänzende Arbeitshilfe

Übersicht: Konzepte der Bildungsbeobachtung und Bildungsdokumentation

Diese Übersicht beinhaltet eine Auswahl von Konzepten zur Bildungsbeobachtung und Bildungsdokumentation auf der Grundlage verschiedener Publikationen im Fachdiskurs. Dokument herunterladen

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