Abschnitt: Leitung, Team und Professionalisierung → Bildungsmanagement und Leitungskompetenzen
 

Die sieben Dimensionen von Kita-Leitungsaufgaben

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Leitungsaufgaben in Kindertageseinrichtungen lassen sich systematisch nach dem Modell des Führungs-Kaleidoskop (Simsa & Patak, 2008) darstellen. Dieses Modell orientiert sich an theoretischen Perspektiven auf Strukturen und Prozesse in Organisationen. Leitungsaufgaben in Kindertageseinrichtungen lassen sich danach in sieben Dimensionen beschreiben (Strehmel & Ulber, 2017).

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Abb. 1: Sieben Dimensionen des Managements in Nonprofit-Organisationen (eigene Darstellung nach Strehmel, 2017, S. 28, in Anlehnung an Simsa & Patak, 2008).

  1. 1.

    Aufgaben erfüllen: Kernaufgabe einer Kindertageseinrichtung ist die Bildung, Betreuung und Erziehung von Kindern – Führungskräfte nehmen entsprechend Aufgaben der pädagogischen Leitung wahr: Sie stellen die Angebote sicher, organisieren die pädagogischen Abläufe und initiieren Prozesse der Konzeptions- und Qualitätsentwicklung. Sie nehmen Impulse aus aktuellen Fachdiskursen für ihre Einrichtung auf und setzen neue Anforderungen (z.B. Kinderschutz, Inklusion) in ihrer Einrichtung um. Ein weiterer wichtiger Bereich ist das Management der Kindertageseinrichtung als Betrieb, u.a. mit Funktionen im Finanzmanagement, Verwaltungsaufgaben und der Verantwortung für die Einhaltung der rechtlichen Vorschriften (z.B. Stellenschlüssel, Baurichtlinien, Brandschutz, Hygiene usw.).

  2. 2.

    Mitarbeiter/-innen führen: Hierzu gehören – wieder in Abstimmung mit dem Träger – alle Bereiche des Personalmanagements von der Personalbeschaffung, -auswahl und -einarbeitung über die Führung der Mitarbeitenden (z.B. durch Gespräche und Zielvereinbarungen), die Personalpflege und -bindung bis hin zur Personalentwicklung (Strehmel & Overmann, 2018). Die Kita-Leitung braucht dazu einen Überblick über ihren Personalbestand, sie benötigt Kenntnisse über die Qualifikationen, Erfahrungen, Interessen und ggf. Lebensumstände jeder einzelnen beschäftigten Person, um die pädagogischen Abläufe, Dienstzeiten, Urlaubszeiten, Fortbildungen usw. planen zu können. Sie sorgt für die professionelle Weiterentwicklung wie auch für das Wohlbefinden und die Arbeitszufriedenheit aller Mitarbeitenden in der Kita. Sie muss daher mit den einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern so im Gespräch sein, dass die pädagogische Arbeit unter Nutzung der personellen Ressourcen bestmöglich gestaltet wird.

  3. 3.

    Zusammenarbeit gestalten: Kita-Leitungen haben die Aufgabe, ihr Team zu führen bzw. die Teamarbeit so zu organisieren, dass Teammitglieder mitreden können, Absprachen gelingen, sich alle Beteiligten wohl fühlen und in ihrem Team eine Umgebung zur Reflexion der Arbeit und zur persönlichen Weiterentwicklung finden. Weitere Gesprächspartner für die Kita-Leitung sind die verantwortlichen Personen beim Träger und ggf. andere Kitaleitungen, mit denen ein Austausch und gegebenenfalls kollegiale Beratung stattfinden kann (ebd.). Für die Zusammenarbeit mit den Eltern entwickelt die Leitung zusammen mit dem Team die Rahmenbedingungen für die Erziehungs- und Bildungspartnerschaften. Darüber hinaus kooperiert die Kita-Leitung mit anderen Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe sowie Kultur-, Freizeit- und Sporteinrichtungen im Sozialraum, um das Umfeld der Kita für Lern- und Entwicklungsgelegenheiten für die Kinder nutzen zu können. Im Bedarfsfall kann sie über fachliche Kontakte und Vernetzung auf Angebote der Sozialen Arbeit oder auf therapeutische Angebote zurückgreifen. Aus dem Unterstützungssystem stehen in der Regel Fachberatungen zur Verfügung, die z.B. auf Anfrage Prozesse im Team bei der Konzeptions- und Qualitätsentwicklung oder zur Konfliktlösung begleiten bzw. der Leitung und dem Team Impulse zur Weiterentwicklung ihrer Einrichtung geben können. Einrichtungen, die sich an der Ausbildung des professionellen Nachwuchses beteiligen, pflegen außerdem häufig Kontakte mit den Ausbildungsinstitutionen wie Fachschulen oder Hochschulen. Fort- und Weiterbildungen werden oft von Verbänden angeboten, in denen die Träger Mitglied sind. Auch hier ist es Aufgabe der Leitung, die entsprechenden Kontakte aufzugreifen und zu nutzen.

  4. 4.

    Die Organisation entwickeln: Kitas sind – gerade in jüngster Zeit – ständig in Bewegung. Neue Entwicklungen etwa durch den Krippenausbau, den Zuwachs an Plätzen auch im Elementarbereich oder die notwendige Anpassung der Öffnungszeiten an die Arbeitszeiten der Eltern, um die Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf zu gewährleisten, fordert Einrichtungen heraus, ihre Strukturen und Abläufe immer wieder neu zu überdenken und die Alltagsorganisation zu verändern. Neue Themen wie Inklusion oder Kinderschutz müssen umgesetzt werden. Damit verbunden sind nicht nur konzeptionelle Überlegungen, sondern häufig auch strukturelle Veränderungen der Kita und die Umgestaltung von Regeln und Abläufen.

  5. 5.

    Sich selbst führen: Leitungskräfte benötigen Fach- und Feldkompetenz, um ihre Einrichtung professionell zu führen. Die erforderlichen Fachkompetenzen umfassen Wissen und Erfahrung in der frühen Bildung, Betreuung und Erziehung bzw. in Aufgaben der pädagogischen Leitung und Betriebsführung sowie Fähigkeiten und Fertigkeiten in zentralen Tätigkeitsbereichen wie dem Personalmanagement und der Organisationsentwicklung. Leitungskräfte brauchen Feldkompetenz im Sinne der Kenntnis aktueller Themen des Fachdiskurses, politische Initiativen sowie über rechtliche Regelungen etwa zur Finanzierung ihrer Kita. Neben diesen Aufgaben gehören zum Selbstmanagement die Organisation und Reflexion der eigenen Arbeit sowie die Selbstsorge im Sinne eines Ausbalancierens der Anforderungen mit den Ressourcen im Alltag.

  6. 6.

    Rahmenbedingungen und Trends beobachten und Schlussfolgerungen für die eigene Arbeit ziehen: Leitungskräfte ergreifen Initiativen zur Weiterentwicklung (und Organisationsentwicklung) ihrer Einrichtung auf der Grundlage sich verändernder fachliche Anforderungen, aber auch Veränderungen im Sozialraum. Die Beobachtung dieser Rahmenbedingungen und Trends ist Aufgabe von Leitung. Sie schafft sich dafür Zugänge zu entsprechenden Informationen (zum Beispiel Newsletter der Verbände, Fachzeitschriften, Publikationen, Onlineportalen) und vernetzt sich im Sozialraum um z.B. über Entwicklungen im Stadtteil, in der Kommune oder im Landkreis auf dem Laufenden zu bleiben. Schlussfolgerungen über Konsequenzen aus den fachlichen und sozialräumlichen Trends werden idealerweise zusammen mit Team und Träger diskutiert.

  7. 7.

    Einen strategischen Rahmen entwickeln: Leitungskräfte sollten – in Auseinandersetzung mit fachlichen Trends, politischen Entwicklungen, aber auch Schwerpunkten des Trägers und individuellen Interessen – Visionen darüber entwickeln, wie sie ihre jeweilige Kindertageseinrichtung in den nächsten Jahren weiter entwickeln möchten. Für die Umsetzung dieser Visionen ist es wichtig, dass sich Leitungskräfte mit anderen Beteiligten austauschen, dem Team entsprechende Impulse und Partizipationsmöglichkeiten geben und Ressourcen zur Realisierung prüfen bzw. erschließen können.

Die Aufgaben greifen ineinander und sind miteinander verwoben. Für jeden der Bereiche stehen Konzepte, Forschungsergebnisse und Arbeitshilfen zur Verfügung, die sich Leitungskräfte zu Nutze machen können (Strehmel & Ulber, 2017). Insgesamt sind sie aber herausgefordert, ihre Aufgaben in ihrem komplexen Zusammenwirken zu analysieren und ihre Erfüllung zu planen und in konkretes Handeln umzusetzen. Die Organisations- und Managementqualität der Leitung (s.o.) ergibt sich daraus, wie es der Leitung gelingt, die verschiedenen Perspektiven auf das Geschehen in der Einrichtung zu koordinieren und miteinander in Einklang zu bringen, sodass die Qualität der pädagogischen Prozesse sichergestellt und gefördert wird.

Literatur

Simsa, R./Patak, M. (2008): Leadership in Non-Profit-Organisationen. Die Kunst der Führung ohne Profitdenken. Wien: Lindeverlag.

Strehmel, P./Overmann, J. (2018): Personalentwicklung in Kindertageseinrichtungen. Ziele, Strategien und Rolle der Träger. Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte, WiFF Studien, Band 28. München: DJI (online: https://www.weiterbildungsinitiative.de/publikationen/details/data/personalentwicklung-in-kindertageseinrichtungen/).

Strehmel P./Ulber, D. (Hrsg.) (2017): Kitas leiten und entwickeln. Ein Lehrbuch zum Kita-Management. Stuttgart: Kohlhammer.

Ergänzende Arbeitshilfen

Übersicht: Grundkompetenzen von Leitungen

Die Übersicht listet die wichtigsten Kompetenzen auf, die Sie als Kita-Leitung zur Erfüllung Ihrer Aufgaben mitbringen sollten. Orientieren Sie sich an dieser Zusammenstellung, um Ihre eigenen Kompetenzen zu reflektieren und neue aufzubauen. Dokument herunterladen

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