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Berufsbild Erzieher/in: Ausbildungswege im Überblick

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Mit einem Anteil von 67 % (knapp 385.000 Beschäftigte) ist die Berufsgruppe der Erzieher/innen die größte Berufsgruppe im Arbeitsfeld der Kinderbetreuung (Fachkräftebarometer, 2017). Die Regelausbildung zur Erzieherin bzw. zum Erzieher mit staatlicher Anerkennung richtet sich überwiegend an Interessierte mit mittlerem Bildungsabschluss und wird an Fachschulen (in Bayern: Fachakademien) für Sozialpädagogik (bzw. Sozialwesen) angeboten. Sie ist als berufliche Weiterbildung angelegt, was bedeutet, dass der Ausbildung im Regelfall eine berufliche Erstausbildung als Sozialassistentin/Sozialassistent oder Kinderpfleger/in vorangeht. Eine Ausnahme bildet hier z.B. Baden-Württemberg, wo statt einer zweijährigen Erstausbildung lediglich ein Ausbildungsjahr (Berufskolleg I) vorgeschaltet ist. Je nach Bundesland können verschiedene weitere Zulassungsregelungen bestehen, die einen unmittelbaren Zugang zur Fachschulausbildung ermöglichen (z.B. Abitur oder Fachhochschulreife). Der zweijährigen Fachschulausbildung (in Teilzeit entsprechend länger) folgt in den meisten Bundesländern ein berufspraktisches Jahr (Anerkennungsjahr, Berufspraktikum), das in einem sozialpädagogischen Arbeitsfeld absolviert wird. Dieses soll die Auszubildenden fokussiert auf den Übergang in den Beruf als selbständig tätige pädagogische Fachkraft vorbereiten.

Darüber hinaus besteht (z.B. in Baden-Württemberg) seit einigen Jahren die Möglichkeit, eine praxisintegrierte Erzieher/-innenausbildung zu absolvieren (vgl. MKJS BW, 2015). Im Vergleich zur herkömmlichen schulischen Ausbildung setzt diese Ausbildungsform keine einschlägige Erstausbildung (zur Sozialassistenz oder Kinderpflege) voraus. Stattdessen eröffnet sie insbesondere beruflichen Quereinsteigerinnen und -einsteigern die Gelegenheit, nach einem erlernten Erstberuf in einem anderen Arbeitsfeld, einen Abschluss als Erzieher bzw. Erzieherin zu erwerben. Dies wird berufserfahrenen und somit älteren Quereinsteigerinnen und -einsteigern auch dadurch erleichtert, dass die praxisintegrierte Ausbildung durchgehend vergütet wird. Je nach Bundesland können die Zugänge, die Vergütungen und die Dauer dieser Ausbildungsform variieren.

Die Ausbildung zur Erzieherin/zum Erzieher mit staatlicher Anerkennung hat zum Ziel für eine „selbständige und eigenverantwortliche Arbeit als Fachkraft in allen sozialpädagogischen Bereichen“ (KMK, 2011) zu qualifizieren. Damit ist sie als fachschulische Breitbandausbildung angelegt, die für ein relativ großes Spektrum an Arbeitsfeldern qualifiziert. Zu diesen Arbeitsfeldern gehören insbesondere Kindergarten, Kinderkrippe, Hort, Ganztagsschule, Jugendzentrum, Heimerziehung und Tagespflege. Möglich ist auch eine berufliche Tätigkeit in Tagesstätten oder Wohnheimen für Menschen mit Behinderung, in der schulbezogenen Jugendhilfe oder in der Sozialpädagogischen Familienhilfe (Janssen, 2010).

Ausgehend von einer bundesweiten Befragung münden zwei Drittel aller ausgebildeten Erzieher/-innen in Kindergärten und Krippen ein (Züchner et al., 2017). Auch mittelfristig verbleiben sie weitgehend in Kindertageseinrichtungen (Fuchs-Rechlin & Züchner, 2018). Daher ist es nicht verwunderlich, dass in der Ausbildung selbst nach wie vor sehr häufig ein Schwerpunkt auf das Arbeitsfeld Kindertageseinrichtung gelegt wird. Die Begleitung, Unterstützung und Förderung (früh-)kindlicher Bildungs- und Entwicklungsprozesse stellen zentrale Inhalte der Ausbildung dar. Eine Ausnahme bildet die Fachschulausbildung zur Jugend- und Heimerziehung in Baden-Württemberg, die schwerpunktmäßig die pädagogische Arbeit mit älteren Kindern und Jugendlichen sowie in der Heimarbeit zum Inhalt hat. Auf die Leitung einer Einrichtung, z.B. einer Kindertagesstätte, bereitet die Ausbildung allenfalls ansatzweise vor. Hierfür existieren im Anschluss an die Ausbildung gesonderte Fort- und Weiterbildungsangebote (z.B. die berufsbegleitende Weiterbildung zur Fachwirtin/ zum Fachwirt für Organisation und Führung mit Schwerpunkt Sozialwesen). Ungeachtet dessen ist es Erzieher/-innen aber auch ohne eine solche Weiterbildung formal möglich, die Leitung einer Kindertageseinrichtung zu übernehmen.

Anzumerken ist, dass die Erzieher/-innenausbildung und damit auch die Berufsgruppe der Erzieherin/des Erziehers im europäischen Vergleich eine Sonderstellung einnehmen (Oberhuemer, 2015; Oberhuemer & Schreyer, 2010): Die Ausbildung wird innerhalb des Europäischen Qualifikationsrahmens (EQR) zwar formal in die Stufe 6 – und damit einem Bachelorstudiengang vergleichbar – eingeordnet, nicht jedes Land erkennt die Ausbildung jedoch als gleichwertig an. Aus diesem Grund ist es mit einem Abschluss als Erzieher/-in nicht ohne weiteres möglich, in anderen europäischen Ländern als pädagogische Fachkraft eigenverantwortlich tätig zu sein.

Literatur

Autorengruppe Fachkräftebarometer (2017): Fachkräftebarometer Frühe Bildung 2017. Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte. München: DJI. Verfügbar unter: https://www.fachkraeftebarometer.de/fileadmin/Redaktion/Publikation_FKB2017/Fachkraeftebarometer_Fruehe_Bildung_2017_web.pdf

Fuchs-Rechlin, K./Züchner, I. (Hrsg.) (2018): Was kommt nach dem Berufsstart? Mittelfristige berufliche Platzierung von Erzieherinnen und Erziehern sowie Kindheitspädagoginnen und Kindheitspädagogen. WiFF Studien, Band 27. München: DJI.

Janssen, R. (2010): Die Ausbildung frühpädagogischer Fachkräfte an Berufsfachschulen und Fachschulen. Eine Analyse im Ländervergleich. Verfügbar unter: http://www.weiterbildungsinitiative.de/uploads/-media/Janssen.pdf

Kultusministerkonferenz (KMK) (2011): Kompetenzorientiertes Qualifikationsprofil für die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern an Fachschulen/Fachakademien. Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 01.12.2011. Online unter: http://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2011/2011_12_01-ErzieherInnen-QualiProfil.pdf

Oberhuemer, P. (2015): Parallel Discourses with Unparalleled Effects: Early Years Workforce. Development and Professionalisation Initiatives in Germany. International Journal of Early Years Education, 23 (3), S. 303–312.

Oberhuemer, P./Schreyer, I. (2010): Kita-Fachpersonal in Europa: Ausbildungen und Professionsprofile. Opladen: Barbara Budrich.

Züchner, I./Schmidt, T./Bröring, M. (2017): Berufliche Platzierung und Beschäftigungsbedingungen von Erzieher(inne)n und Kindheitspädagog(inn)en nach Ausbildung bzw. Studium. In K. Fuchs-Rechlin, G. Kammermeyer, S. Roux & I. Züchner (Hrsg.): Was kommt nach Ausbildung und Studium? Untersuchungen zum Übergang von Erzieherinnen und Kindheitspädagoginnen in den Arbeitsmarkt (S. 151–178). Wiesbaden: Springer VS.

Ergänzende Arbeitshilfen

Übersicht: Charakteristika/Unterschiede in der Ausbildung zur Erzieher/in

Diese Tabelle zeigt die verschiedenen Charakteristika der Erzieher/in-Ausbildung beispielhaft in 5 Bundesländern. Dokument herunterladen

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