Abschnitt: Interaktionsbereiche → Kooperation mit Eltern
 

Wie wirksam ist die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Kita?

adobestock_58901178.jpg
© Monkey Business / Adobe Stock

Liest man die zahlreichen Praxisratgeber zum Thema Kooperation mit Eltern, so fällt auf, dass diese kaum Verweise auf Theorien oder empirisch gewonnene Erkenntnisse enthalten. Vielmehr werden Handlungsempfehlungen abgegeben, die häufig auf eher unsystematisch ausgewerteten Praxiserfahrungen beruhen.

Ein Theoriekonzept, mit dem häufig die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit begründet wird, ist der ökosystemische Ansatz des Entwicklungspsychologen Uri Bronfenbrenner (Viernickel, 2009). Mit seinem Mehrebenenmodell lässt sich die menschliche Entwicklung als „fortschreitende gegenseitige Anpassung zwischen dem aktiven sich entwickelnden Menschen und den wechselnden Eigenschaften seiner unmittelbaren Lebensbereiche“ fassen (Bronfenbrenner, 1993). Bronfenbrenner betont die Wechselwirkung der Systeme (z.B. Familie und Kita) und Übergänge, die Menschen von einem System in ein anderes vollziehen. So lässt sich begründen, dass Fachkräfte und Eltern zum Wohle des Kindes kooperieren sollten, denn die Verbindungen zwischen den Lebensbereichen Kita und Familie haben in diesem Sinne einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des Kindes (Bronfenbrenner, 1993).

Neben weitgehend fehlenden Theorieansätzen zur Zusammenarbeit von Frühpädagoginnen und Frühpädagogen und Eltern liegen aktuell für den deutschsprachigen Raum keine empirischen Belege für die angenommene Wirksamkeit der Kooperation im Kita-Alltag vor. Bisherige Studien sind vor allem auf der Ebene von Programmevaluationen angesiedelt und fokussieren die Einschätzungen der beteiligten Akteurinnen und Akteure (Fröhlich-Gildhoff et al., 2005; Roth und Terhart, 2015).

Die Suche nach einem empirischen Beleg für die Wirksamkeit von Zusammenarbeit wird in der wissenschaftlichen Literatur häufig mit einem Blick in die USA beantwortet. Hier liegen Längsschnittstudien vor, welche die Wirkung von Förderprogrammen mit Elterneinbezug auf die kindliche Entwicklung nachweisen können (z.B. Schweinhart et al., 2005). Die für Kinder aus sogenannten benachteiligten Familien entwickelten Konzepte setzen auf Methoden wie den wöchentlichen Hausbesuch. Ob die Befunde zu spezifischen Förderprogrammen aus den USA auf die Kooperation mit Eltern im Alltag von Kindertageseinrichtungen in Deutschland übertragen werden können, ist allerdings zu diskutieren.

Für weitere Forschungs- und Praxisentwicklungen bedarf es also empirischer Grundlagen- und Anwendungsforschung und einer theoretischen Fundierung von Zusammenarbeit. In diesem Zusammenhang erscheint eine Konkretisierung bestehender Modelle, wie z.B. des Ansatzes von Bronfenbrenner oder der systemtheoretischen Modellentwicklung von Drieschner und Gaus im Hinblick auf die Kooperation mit Eltern hilfreich (Drieschner und Gaus, 2012).

Literatur

Bronfenbrenner, U. (1993): Die Ökologie der menschlichen Entwicklung. Natürliche und geplante Experimente. Frankfurt am Main: Fischer.

Drieschner, E./Gaus, D. (2012): Kindergarten und Grundschule zwischen Differenzierung und Integration. Modellannahmen über Strukturen und Prozesse der Systementwicklung. Zeitschrift für Pädagogik, 58 (4). S. 541–560.

Fröhlich-Gildhoff, K./Kraus, G./Rönnau, M. (2005): Evaluation des Projekts ‚Stärkung der Erziehungskraft der Familie durch und über den Kindergarten’. Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse. Freiburg: Kontaktstelle für praxisorientierte Forschung e.V. an der EFH Freiburg.

Roth, H.-J./Terhart, H. (Hrsg.) (2015): Rucksack. Empirische Befunde und theoretische Einordnungen zu einem Elternbildungsprogramm für mehrsprachige Familien. Münster: Waxmann.

Schweinhart, L. J./Montie, J./Xiang, Z./Barnett, W. S./Belfield, C. R./Nores, M. (2005): Lifetime effects. The High/Scope Perry Preschool Study Through Age 40. Ypsilanti: High Scope Press.

Viernickel, S. (2009): Erziehungs- und Bildungspartnerschaft. In S. Viernickel (Hrsg.), Beobachtung und Erziehungspartnerschaft. Düsseldorf: Cornelson Scriptor. S. 52–63.

Ergänzende Arbeitshilfen

Merkblatt: Ziele und Inhalte des Entwicklungsgesprächs

Was ist bei einem Elterngespräch über die Entwicklung ihres Kindes wichtig? Inwiefern sollten die Eltern ihre Erwartungen einbringen? Diese Arbeitshilfe fasst die Ziele und Inhalte übersichtlich für Sie zusammen. Dokument herunterladen

Nach oben

Anmelden