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Sprachliche Bildung: Wie Kitas den Grundstein fürs kindliche Lernen legen

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Sprachliche Bildung bezeichnet den Ausbau sprachlicher und schriftsprachlicher Kompetenzen hin zur Bildungssprache (Habermas, 1977), d.h. zu einer dekontextualisierten und Abstraktion ermöglichenden Sprache, die schulischen/akademischen Lehr-Lernprozessen und ihren Diskurskulturen zugrunde liegt.

Als Schlüsselkompetenz für Bildungsprozesse ist sprachliche Bildung kontinuierlich und systematisch zu konzeptualisieren: Eine Perspektivensetzung und bildungspolitische Forderung, die mit dem Leitbegriff der durchgängigen sprachlichen Bildung – vor allem auch im mehrsprachigen Kontext – verbunden ist (Gogolin/Lange, 2010).

Sprachliche Bildung hat zum Ziel, die sprachliche Seite von Bildungsprozessen in den Blick zu nehmen und Kindern/Jugendlichen zu ermöglichen, kompetente Sprach- und Schriftverwender zu werden. Dies beinhaltet, sich über verschiedene sprachliche Register und Codes hinweg sach-, situations- und adressaten-angemessen ausdrücken zu können. Die damit verbundenen Anforderungen an sprachliche Komplexität, Genauigkeit und Abstraktionsgrad lassen sich als ein Kontinuum zwischen einem Pol der konzeptionellen Mündlichkeit (Familiensprache/Alltagssprache) und einem Pol der konzeptionellen Schriftlichkeit (Bildungssprache) darstellen.

„[Der Begriff der Bildungssprache] verweist auf spezifische sprachliche Register, die für die Aneignung von Wissen und Fähigkeiten in Bildungsinstitutionen grundlegend sind, und er deutet zugleich auf die Verantwortung des Bildungssystems dafür, dass Kinder und Jugendliche Zugang zu den entsprechenden sprachlichen Fähigkeiten erhalten“ (Gogolin/Michel, 2010).

Im anglo-amerikanischen Raum wird zwischen BICS (Basic Interpersonal Communicative Skills) und CALP (Cognitive Academic Language Proficiency) unterschieden, welche auf ein verwandtes Kontinuum abzielen (Cummins, 2000).

In Deutschland ist der Terminus der (durchgängigen) sprachlichen Bildung vor allem durch die Aktivitäten um die FörMig-Modellversuche geprägt worden. Im FörMig-Rahmen wurden dazu folgende Dimensionen des Begriffs der durchgängigen Sprachbildung vorgeschlagen und in Programmen und Materialien implementiert:

  • die bildungsbiographische Dimension (u.a. günstige Gestaltung der institutionellen Übergänge)

  • die situativ-thematische Dimension (u.a. Verankerung der sprachlichen Bildung bzw. der Hinführung zur Bildungssprache in allen Fächern)

  • das Anknüpfen an außerschulische Bildungsmöglichkeiten (u.a. Einbezug des Elternhauses, Netzwerkarbeit, stadtteil-orientiertes Lernen)

  • die interlinguale Dimension (gelebte Mehrsprachigkeit in der Gesellschaft)

Mit Blick auf die Herausforderungen der Bildungssprache sind einsprachige wie mehrsprachige Kinder/Jugendliche gleichermaßen Sprachlernende; allerdings wird im deutschen Bildungssystem auf die Ressourcen und Besonderheiten mehrsprachiger Lernender nach wie vor zu wenig Rücksicht genommen (s. PISA- und IGLU-Ergebnisse).

Literatur

Cummins, Jim (2000) Language, Power and Pedgogy: Bilingual Children in the Crossfire. Clevedon.

Gogolin, Ingrid/Imke Lange (2010): Bildungssprache und Durchgängige Sprachbildung. In: Fürstenau, Sara/Gomolla, Mechthild (Hrsg.): Migration und schulischer Wandel: Mehrsprachigkeit. Wiesbaden, S. 107-127.

Habermas, Jürgen (1977): Umgangssprache, Wissenschaftssprache, Bildungssprache. In: Max-Planck-Gesellschaft (Hrsg.): Jahrbuch 1977. Göttingen, S. 36-51.

Ergänzende Arbeitshilfen

Konzeptionsentwicklung: Reflexionsfragen zu Sprache und Sprachbildung

Sprachförderung ist eine Querschnittsaufgabe in Kitas. Deshalb hat sie auch in der Kita-Konzeption einen besonderen Stellenwert. Überprüfen Sie mit den Reflexionsfragen, wie Sie den Bereich der Sprachförderung in Ihrer Konzeption darstellen. Dokument herunterladen

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