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Arbeitsgedächtnis: Wie Kinder Erlerntes behalten

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Der Prozess des Lernens setzt voraus, dass die mit Aufmerksamkeit bedachten Informationen in das Arbeitsgedächtnis gelangen. Es handelt sich dabei um den Teil unseres Gedächtnisses, der »arbeitet«, während wir lernen, etwa indem lernrelevante Informationen solange bereitgehalten werden, bis sie hinreichend mit den im Langzeitgedächtnis bereits vorhandenen Informationen abgeglichen und somit neu eingespeichert wurden. In einem verbreiteten Arbeitsgedächtnismodell wird von der Existenz einer Leitzentrale (der sogenannten zentralen Exekutive) und spezifischer Hilfssysteme für die Verarbeitung visuell-räumlicher bzw. sprachlich-akustischer Informationen ausgegangen (Baddeley, 2006).

  • Für Lernprozesse in der frühen Kindheit scheint das sprachlich-akustische Teilsystem – die sogenannte phonologische Schleife – besonders wichtig zu sein. Es wird angenommen, dass diese aus zwei Komponenten besteht: einem Klangspeicher und einem inneren Nachsprechprozess. Im Klangspeicher wird jede akustische und sprachliche Information, die wir hören, auf eine Art „Tonband-endlos-Schleife“ eingelesen. Das Tonband zeichnet permanent auf, allerdings werden Informationen, die nicht in weiterführende Verarbeitungsprozesse eingebunden sind, nach etwa zwei Sekunden wieder »überschrieben« bzw. vergessen und damit endgültig dem Zugriff für weiterführende Verarbeitungen entzogen. Mit Hilfe des Tonbands gelingt es uns z.B., die letzten Worte eines Satzes zu wiederholen. Wir können die Worte wiedergeben, da sie im Klangspeicher »nachhallen«. Damit wir aber am Ende eines längeren Satzes auch noch wissen, wovon am Anfang des Satzes die Rede war, benötigen wir den inneren Nachsprechprozess. Dieser sorgt dafür, dass Informationen im Klangspeicher durch Wiederholung auch für größere Zeiträume präsent gehalten werden können.

  • Die Arbeitsweise der phonologischen Schleife verändert sich im Laufe der Entwicklung. Das innere wiederholte Nachsprechen ist nicht von Anfang an automatisiert. Erst im Alter von etwa fünf Jahren kommt es bei den meisten Kindern zu dessen Automatisierung. Prinzipiell können zwar auch schon jüngere Kinder klangliche Information für mehr als zwei Sekunden aktiv halten, aber sie tun es nicht spontan bzw. automatisch. Man kann zwar mit direkten Unterweisungen auch diese Kinder zu wiederholtem Nachsprechen anhalten, muss aber wissen, dass das dafür erforderliche Ausmaß an Anleitung sehr groß ist.

  • Neben den Veränderungen in der Arbeitsweise des phonologischen Arbeitsgedächtnisses wird von einer Zunahme der Kapazität bzw. Funktionstüchtigkeit der anderen Arbeitsgedächtniskomponenten im Entwicklungsverlauf ausgegangen. Die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses bzw. seiner Speicherkomponenten (also die Menge der zur vorübergehenden Speicherung und Verarbeitung zur Verfügung stehenden Ressourcen) gilt als begrenzt und bildet den Engpass der menschlichen Informationsverarbeitung. Die Zunahme der Arbeitsgedächtniskapazität in der frühen Kindheit ermöglicht Kindern, zunehmend komplexere Probleme zu erfassen und zu lösen.

Literatur

Baddeley, A. D. (2006): Working memory: An overview. In S. J. Pickering (Ed.), Working Memory and Education. San Diego, CA: Academic Press. S. 1–31.

Ergänzende Arbeitshilfen

Übersicht: Konzepte der Bildungsbeobachtung und Bildungsdokumentation

Diese Übersicht beinhaltet eine Auswahl von Konzepten zur Bildungsbeobachtung und Bildungsdokumentation auf der Grundlage verschiedener Publikationen im Fachdiskurs. Dokument herunterladen

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