Abschnitt: Entwicklung und Lernen in der Kindheit → Kognitive Entwicklung
 

Was genau ist eigentlich Intelligenz?

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Was bedeutet Intelligenz? Intelligentia (lat.) bedeutet Verständnis, Einsicht oder Erkenntnisvermögen; intellegere (lat.) bedeutet mit Sinn und Verstand wahrnehmen, einsehen, begreifen, verstehen, richtig beurteilen.

In der Wissenschaft gibt es zahlreiche Intelligenzdefinitionen. In einer wichtigen Stellungnahme zu Erkenntnissen der Intelligenzforschung haben sich über zehn Intelligenzforscher/-innen der American Psychological Association (APA) auf folgende Definition geeinigt (Neisser et al., 1996): „Menschen (Individuen) unterscheiden sich in ihrer Fähigkeit komplexe Konzepte zu verstehen, sich effektiv an die Umwelt anzupassen, aus Erfahrung zu lernen, im logischen und schlussfolgernden Denken und in der Fähigkeit, Hindernisse durch Nachdenken zu überwinden (aus dem engl. übersetzt)“. Als weitgehend angeborene Grundlagen kognitiver Fähigkeit gelten insbesondere (Perleth, 2006):

  • Aufmerksamkeit

  • die Gedächtniseffizienz, das ist die Geschwindigkeit, mit der Denkprozesse im Gehirn ablaufen

  • die Verarbeitungskapazität, also die Menge an Informationen, mit der gleichzeitig im Kopf umgegangen werden kann

  • die Gedächtniskapazität oder Merkfähigkeit, also die Menge an Informationen, die im Langzeitgedächtnis gespeichert werden kann

Zusammenfassend kann Intelligenz als die Fähigkeit zu lernen, zu denken, zu urteilen oder zu verstehen, bzw. neue Probleme zu erkennen und effektiv zu lösen bezeichnet werden (Gottfredson, 2008; Neisser et al., 1996; Stern/Neubauer, 2013). Gemeint ist ein Potenzial für kognitive Leistungen, nicht aber die gezeigte Leistung (Performanz). Dies bedeutet, dass nicht alle intellektuell begabten Kinder in Schule und Beruf Spitzenleistungen erreichen und nicht alle, die Spitzenleistungen erreichen, sind intellektuell hochbegabt.

Intellektuell anspruchsvolle Aufgaben verlangen logisches und schlussfolgerndes Denken und stellen hohe Anforderungen an das Arbeitsgedächtnis. Dabei muss die Testperson eine große Menge an Informationen gleichzeitig im Gedächtnis behalten und verarbeiten. Sie soll auch neue Verbindungen zwischen den Elementen des Materials herstellen und Gesetzmäßigkeiten entdecken (Stern/Neubauer, 2013). Ein Kind, das beispielsweise die folgende Aufgabe im Alter von acht Jahren (3. Klasse) richtig löst, gilt als intelligent (Stern/Neubauer, 2013): „Maria hat 8 Murmeln. Sie hat 3 Murmeln mehr als Hans. Michael hat 5 Murmeln. Er hat 2 Murmeln weniger als Elisabeth. Wie viele Murmeln haben Hans und Elisabeth zusammen?“ Es wird davon ausgegangen, dass das Kind die oben genannten kognitiven Fähigkeiten für die Lösung der Aufgabe eingesetzt hat.

Literatur

Gottfredson, L.S. (2008): Of what value is intelligence? In: Prifitera, A./Saklofske, D.H./Wiess, L.G. (Eds.), WISC-IV clinical assessment and intervention (2nd ed.) (pp. 545 – 563). Amsterdam.

Neisser, U. et al. (1996): Intelligence: Knowns and unknowns. American Psychologist, 51(2), 77 – 101.

Perleth, C. (2006): Hochbegabte Vorschulkinder besonders fördern? Universität Rostock, Paper an der Tagung ‘Beyond Standards’ in Bad Boll.

Stern, E./Neubauer, A. (2013): Intelligenz. Grosse Unterschiede und ihre Folgen. München.

Ergänzende Arbeitshilfen

Übersicht: Entwicklung von kognitiven Fähigkeiten

Diese Arbeitshilfe gibt Ihnen eine Übersicht der Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten von 0 – 12 Jahre. Dokument herunterladen

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