Abschnitt: Entwicklung und Lernen in der Kindheit → Körperliche Entwicklung
 

Wichtige Einflussfaktoren der kindlichen Entwicklung im Überblick

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Vor, während und nach der Geburt haben zahlreiche Faktoren Einfluss auf die frühe Entwicklung eines Kindes. Ein wichtiger Faktor ist die Dauer der Schwangerschaft. Von einem Frühgeborenen spricht man, wenn ein Kind drei Wochen zu früh (37 SSW nach der letzten Periodenblutung der Mutter) oder noch eher geboren wird. Frühgeborene haben ein erhöhtes Risiko für Entwicklungsstörungen, besonders dann, wenn sie vor der 32. SSW geboren wurden oder ein Geburtsgewicht unter 1500 Gramm hatten. Andere Risikofaktoren von Seiten der Mutter oder auf Seiten des Kindes sind in der folgenden Tabelle aufgelistet. Dabei soll betont werden, dass ein Risikofaktor alleine selten zu einer Entwicklungsstörung führt, sondern in der Regel erst bei einer Häufung von zwei oder mehreren Faktoren einschließlich psychosozialer oder ökologischer Risiken.

Mütterliche Risikofaktoren

  • Erkrankungen der Mutter, z.B. Diabetes

  • Drogen-, Nikotin- oder Alkoholkonsum während der Schwangerschaft

  • Infektionskrankheiten der Mutter, z.B. Cytomegalie-Virus, Röteln

  • Medikamente

  • Umweltgifte

Kindliche Faktoren

  • Genetische Erkrankungen, Fehlbildungen

  • Frühgeburt

  • Sauerstoffmangel, Hirnblutung

  • Erkrankungen des Kindes vor der Geburt

  • Ungünstige psychosoziale oder ökonomische Bedingungen

  • Organische Erkrankungen (z.B. Herzfehler, Nierenerkrankungen, Stoffwechselkrankheiten)

Kinderärztinnen und -ärzte untersuchen die Kinder zu vorgegebenen Zeitpunkten. Diese gesetzlich verankerten Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen (U)1 bieten die Chance mögliche Gesundheitsprobleme oder Auffälligkeiten in der Entwicklung frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Direkt nach der Geburt

2.–7. Lebenstag

4.–6. Woche

3.–4. Lebensmonat

6.–7. Lebensmonat

10.–12. Lebensmonat

21.–24. Lebensmonat

34.–36. Lebensmonat

46.–48. Lebensmonat

60.–64. Lebensmonat

J1

12–14 Jahre (Gesundheitscheck im Jugendalter)

Neben der ärztlichen Untersuchung werden dabei auch Körperlänge, Körpergewicht und Kopfumfang gemessen. So genannte Perzentilen erlauben einen Vergleich mit der Norm und bieten gleichzeitig die Möglichkeit, den individuellen Entwicklungsverlauf zu beobachten.

Eine Perzentile ist eine Prozentangabe und deren Streuung innerhalb einer Altersgruppe. Man kann damit die Körpergröße, die Körperlänge, den Kopfumfang oder den Body Mass Index (BMI) eines Kindes im Vergleich zu anderen Kindern beurteilen.

Ein Kind mit einer Körpergröße unter der 3. Perzentile wird als kleinwüchsig oder minderwüchsig bezeichnet, über der 97. Perzentile als groß- oder hochwüchsig. Kinder mit einem Kopfumfang unter der 3. Perzentile haben einen zu geringen Kopfumfang (mikrozephal), über der 97. Perzentile einen zu großen Kopfumfang (makrozephal). Der BMI bestimmt das Verhältnis von Körpergewicht und Körperlänge und ist ein Maß für ein Über- oder Untergewicht. Als übergewichtig gilt ein Kind, wenn es einen BMI über der 90. Perzentile hat, als fettleibig (adipös), wenn sein BMI oberhalb der 97. Altersperzentile liegt. Untergewichtig ist ein Kind, wenn der BMI unter der 10. Perzentile liegt, als stark untergewichtig gilt ein BMI unterhalb der 3. Altersperzentile, d.h. die 3 % der Kinder mit dem niedrigsten BMI gelten als untergewichtig.

Bei der Beurteilung von Perzentilen sind zwei Überlegungen wichtig. Erstens muss man die Wachstumsdaten der Eltern und Geschwister einbeziehen. Zweitens ist für die ärztliche Diagnostik und für den weiteren Verlauf wichtig, ob ein Kind von Anfang an auf einer besonders hohen oder niedrigen Perzentile wächst, oder ob die Messdaten zu Beginn im Normbereich lagen, dann aber in einen Stillstand geraten. Bei Perzentilen handelt sich also eher um eine statistische Zuordnung als um eine medizinische Bewertung.

Falls es in den Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen Hinweise für eine neurologische Erkrankung, eine Entwicklungsstörung oder eine drohende Behinderung gibt, führen Kinderärztinnen und -ärzte eine neurologische Untersuchung durch oder sie veranlassen sie in der Sozial- oder Neuropädiatrie.

Ergänzende Arbeitshilfen

Ärztliche Untersuchung im 1. und 2. Lebensjahr

Dieses Merkblatt fasst alle wichtigen Punkte zum Thema ärztliche Untersuchung im 1. und 2. Lebensjahr zusammen. Dokument herunterladen

Checkliste: Kriterien für einen Bewegungskindergarten

Bewegung ist ein wichtiger Faktor zur Förderung und Entwicklung der Kinder. Welche bewegungsfreundlichen Elemente haben Sie bereits in Ihrer Kita und welche Bausteine lassen sich noch einführen? Dokument herunterladen

Einschätzung des Entwicklungsstands, der Prävention von Erkrankungen, der Dokumentation von Untersuchungsergebnissen, der Impfberatung und Impfung, der Durchführung von Such-Tests (Screenings) auf angeborene Erkrankungen (z.B. Hormon- und Stoffwechselerkrankungen, Mucoviscidose, Hörstörungen).


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