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Wie Sie die Kreativität von Kindern fördern

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Welche Prozesse sich für Kindertageseinrichtungen eignen, hängt davon ab, wie die Kinder in der Einrichtung unterstützt und gefördert werden bzw. ob spezifische Produkte, z.B. Geschenke, Spielkulissen, Dekoration, entstehen sollen. Daher ist zunächst die Planung der Prozessformen und die Reflexion der eigenen Rolle in diesem Kontext erforderlich. Die Prozessformen gehen, je nach Alter der Kinder, im Arbeitsprozess in einander über oder verändern sich. Somit hat die pädagogische Fachkraft die Aufgabe, ihre Begleitung phasenweise den neuen Prozessformen anzupassen. Soll der Resilienzfaktor Problemlösungsfähigkeit/Kreativität (Rönnau-Böse/Fröhlich-Gildhoff, 2015) in der Kita fokussiert werden, ist empfehlenswert, dort kreative Prozesse zu unterstützen und zu begleiten. Die Kinder nähern sich einem Problem oder einer Situation, in der sie auf gewisse Probleme stoßen. Durch das Ausprobieren und Verwerfen von bereits vorhandenem Wissen und dem Entwickeln von neuen Ideen können sie das Problem auf eine neue Art bearbeiten; was entsteht, ist die Sicherheit, mit unsicheren, neuen Situationen umgehen zu können und Freude an der eigenen Lösung von Problemstellungen zu erwerben. Dies kann z.B. durch spezifisch gestellte Aufgaben und dafür gut ausgewähltes Material angezielt werden.

Beispiel

Kreativer Prozess

Bei der freien Gestaltung von Osterhasen mit Draht und Papier verlassen Kinder ihre bisherigen Denkwege und setzen sich neu mit der Materialkombination und Verfahren auseinander. Sie nutzen zunächst ihr bisheriges Repertoire an Techniken, dieses reicht jedoch für die Bearbeitung der Aufgabenstellung meistens nicht aus, sie verwerfen Bekanntes und probieren Neues aus, bis ein für sie passendes Produkt, hier der Osterhase, entsteht.

Anders sieht es aus beim gestalterischen Prozess. Hier wird die Technik vorgestellt, entweder um ein möglichst einheitliches oder aber für die Umwelt „schönes“ Produkt zu gestalten.

Beispiel

Gestalterischer Prozess

In einer vorbereiteten Situation wird der Gruppe gezeigt, wie Papier zu unterschiedlichen Elementen des Hasen geknüllt wird. Das Papier wird mit Draht umwickelt und stabilisiert. Ist der Drahthase geformt, wird das Papier angezündet, das Papier verbrennt und der Drahthase bleibt zurück.

Dieses kleinschrittig didaktisch geplante Angebot wird vorbereitet und im Vorfeld von der pädagogischen Fachkraft ausprobiert, gefährliche Elemente wie das Anzünden des Hasen werden in einem sicheren Setting begleitet. Probleme, die im Vorfeld entstehen, werden didaktisch aufgegriffen. Das Bildungspotential liegt in der Nachahmung der Handlungen und der Ausführung der Instruktionen sowie im feinmotorischen Arbeiten und dem kompetenten Umgang mit dem Material. Kognitive oder ästhetische Leistungen sind hierbei zweitrangig.

Beispiel

Ästhetischer Prozess

Der Prozess des Kindes ist auf sich selbst gerichtet, es entdeckt das Material (Draht und Papier) und seine Handlungsmöglichkeiten. Am Ende entsteht nicht zwingend ein Produkt, vielmehr ist der Bildungsprozess in der Auseinandersetzung mit den Materialien von Bedeutung.

Für die Entwicklung von künstlerischen Fähigkeiten werden alle drei dargestellten Prozesse (ästhetisch, kreativer und gestalterischer) benötigt. Dabei dürfen diese drei Prozesse nicht wertend gesehen werden, sondern in ihrer Unterschiedlichkeit, auch in der Begleitung. Das Kind benötigt für die Entwicklung künstlerischer Fähigkeiten ein Repertoire an Techniken und Verfahren, die es anwenden und modifizieren kann. Es benötigt auch die Offenheit, sich sinnlich neuen Materialien zu nähern, mit ihnen in einen responsiven Prozess von Aufforderung und Antwort einzutauchen. Von Bedeutung ist auch die Erfahrung, sich auf seine Problemlösungskompetenzen positiv verlassen zu können. Dies sind wichtige Grundlagen, um im späteren Kindesalter oder auch im Erwachsenenalter künstlerisch tätig zu werden, aber auch, sich resilient der Welt zu öffnen.

Literatur

Rönnau-Böse, M./Fröhlich-Gildhoff, K. (2015): Resilienz und Resilienzförderung über die Lebensspannen. Stuttgart: Kohlhammer.

Ergänzende Arbeitshilfen

Übersicht: Entwicklung von kognitiven Fähigkeiten

Diese Arbeitshilfe gibt Ihnen eine Übersicht der Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten von 0 – 12 Jahre. Dokument herunterladen

Checkliste: Umgang mit kindlichen Gefühlen

Mithilfe dieser Checkliste wissen Sie in Zukunft, wie mit kindlichen Gefühlen umgegangen werden sollte. Was fühlt das Kind und warum? Dokument herunterladen

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