Abschnitt: Strategisches Management für Kitas → Konzeptionsentwicklung
 

Das müssen Sie über das plurale System der Kinderbetreuung wissen

alzheimers-3068938_960_720_pixabay.jpg

Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern hat Deutschland darauf verzichtet, ein Rahmenkonzept für alle Kindertageseinrichtungen zu erarbeiten, d.h. es gibt keine für alle gültigen gesetzlichen Vorgaben: »Diese staatliche Zurückhaltung in konzeptionellen Fragen korrespondiert mit einer weitgehenden Autonomie der Träger und der einzelnen Kindertageseinrichtungen in der Ausgestaltung ihrer Bildungs- und Erziehungskonzeption« (Oberhuemer, 2003).

Das sog. »Subsidiaritätsprinzip« führt in diesen föderalen Strukturen zu einem sehr pluralen System von Kindertagesbetreuung. Allein schon dieser Fakt begründet die Notwendigkeit von Einrichtungskonzeptionen als handlungsleitendes Grundgerüst, welches die gesetzlichen Anforderungen an die Erziehung von Kindern in konkretes pädagogisches Handeln vor Ort übersetzt (Oberhuemer, 2003). Die Forderung danach, dass bei jedem Träger bzw. in jeder Einrichtung eine Konzeption vorhanden sein muss ist, andererseits klar in die Gesetzeshierarchie eingeordnet.

Bundesgesetze

In BGB § 1626 ist die Aufgabe der elterlichen Erziehung geregelt. In SGB VIII §§ 22–24 wird klargestellt, dass der Kita-Bereich und die Betreuung von Kindern in der Kindertagespflege dem Aufgabenfeld der Jugendhilfe zugeordnet sind.

Dort sind auch die Aufgaben der Institution und der gesellschaftliche Auftrag, welcher in organisierten Institutionen umzusetzen ist, formuliert. Kindertageseinrichtungen und Tagespflege sollen Kinder erziehen, bilden und betreuen und die soziale, emotionale, körperliche, geistige und moralische Entwicklung des Kindes fördern und unterstützen. Für das pädagogische Handeln ist bedeutsam, dass sich die Förderung der Kinder an ihrem Entwicklungsstand, den sprachlichen und sonstigen Fähigkeiten, der Lebenssituation sowie den Interessen und Bedürfnissen des einzelnen Kindes orientieren und seine ethnische Herkunft berücksichtigen sollen.

Bedeutsam ist auch die Aussage, dass die Träger der öffentlichen Jugendhilfe, sprich die Jugendämter der Landkreise und Kommunen berechtigt sind, die Qualität der Förderung der Kinder in Kindertageseinrichtungen auch durch den Einsatz einer pädagogischen Konzeption, als Grundlage für die Erfüllung des Förderungsauftrags, zu kontrollieren.

In Umsetzung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (KJHG) müssen folgende Inhalte differenziert in einer Konzeption beschrieben sein:

  • die Kooperation der Fachkräfte in ihren Einrichtungen untereinander;

  • die Kooperation mit den Eltern zur Sicherung der Kontinuität im Erziehungsprozess mit anderen kinder- und familienbezogenen Institutionen und Initiativen im Gemeinwesen, insbesondere solchen der Familienbildung und -beratung;

  • die Kooperation mit Schulen, damit der Transitionsprozess von den Kindern bewältigt werden kann, um den Kindern einen guten Übergang in die Schule und später eine intensive Zusammenarbeit zwischen Schule und dem Schulhort zu sichern.

Weitere, vom Gesetzgebenden formulierte Prämissen zur Konzeptionserstellung sind:

  • die Beteiligung der Erziehungsberechtigten an wesentlichen Entscheidungen in Fragen der Erziehung, Bildung und Betreuung ihrer Kinder.

  • Die an den Bedürfnissen der Kinder und ihrer Familien orientierte Gestaltung der pädagogischen Angebote.

Der Träger der öffentlichen Jugendhilfe muss sicherstellen, dass der gesetzlich verbriefte Förderauftrag in den Einrichtungen anderer (umgangssprachlich »freier«) Träger durch geeignete Maßnahmen gewährleistet ist, damit das Subsidiaritätsprinzip in der Praxis umgesetzt wird bzw. werden kann.

Ländergesetze

Anders als in anderen Länder Europas verzichtet der Bund auf eine Konkretisierung der gesetzlichen Vorgaben, diese Aufgabe wird an alle Bundesländer übertragen. Diese haben seit Anfang 2000 sog. »Kita-Gesetze« und damit verbunden sog. »Bildungs- und Erziehungspläne« veröffentlicht. Im Gegensatz zu den Kita-Ländergesetzen besitzen die Bildungs- und Erziehungspläne häufig keinen verbindlichen Status, sondern dienen lediglich zur Orientierung für pädagogische Fachkräfte in ihrer Arbeit (Fthenakis et.al., 2003).

Leitbild

Ein Leitbild ist die Grundlage, nach der die jeweiligen, zum Träger gehörenden Einrichtungen, geführt werden. In einem Leitbild wird der weltanschauliche, politische bzw. religiöse Hintergrund der gesamten Organisation formuliert. Weiterhin werden der soziale Auftrag, die Zielgruppen, die Ziele, Grundwerte und Handlungsprinzipien und deren Umsetzung durch alle Personen der Organisation beschrieben. Immanent sind auch die Prinzipien des Trägers im Umgangs mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Zusammenfasst gesagt, werden in einem Leitbild die Visionen, hohe, aber realisierbare Werte und längerfristige Ziele der Organisation zum Ausdruck gebracht, die das Spezifische und Einzigartige der Organisation beschreiben (Graf/Spengler, 2013). Ein Leitbild ist »Grundlage für eine einheitliche Orientierung und die Identifizierung mit dem Betrieb« (Autorenkollektiv, 2011).

Konzeption

Im Gegensatz zu einem Leitbild hat eine Konzeption nicht nur eine Wirkung nach innen, sondern auch eine große Wirkung nach außen. Eine Konzeption ist »… eine reflektierte Antwort auf spezifische Einflussfaktoren einer Kita, bzw. ihrer Trägerorganisation. Sie beschreibt ihre aufgabenbezogenen (pädagogischen) Ziele und entsprechende Umsetzungsschritte, ebenso Entwicklungsziele für die Zukunft der Einrichtung. Eine Konzeption ist das Ergebnis eines Prozesses der Bewusstmachung aller Beteiligten« (Hollmann/Benstetter, 2000).

Oder: »Eine Konzeption ist ein Entwurf eines ›institutionellen‹ Wirkungszusammenhanges für die gesamte Arbeit innerhalb einer Einrichtung oder einer Organisationseinheit. Im Unterschied zum Konzept integriert sie zusätzlich institutionelles Wissen, (kommunal-) politisches Wissen, Wissen über Zielgruppen sowie persönliches Erfahrungswissen der Fachkräfte vor Ort. Sie enthält Aussagen darüber, welchen Zielgruppen welche Leistungen mit welchen Zielen und Leitlinien (Arbeitsprinzipien) sowie Arbeits- und Angebotsformen angeboten werden, und wie und mit welchen Aufgaben welche Mitarbeiterinnen zusammenarbeiten. Sie ist ein gedankliches Grundgerüst, mit dem strukturelle Elemente, die für methodische Arbeit unabdingbar sind, nachvollziehbar zusammengebracht werden; sie ist darüber hinaus als Beschreibung der praktischen Ideologie (Klatetzki 1998) der Einrichtung zu bezeichnen« (von Spiegel, 2011). In Konzeptionen werden mittelfristig zu erreichende Ziele und Handlungsaufgaben beschrieben.

Pädagogischer Ansatz

Jede Konzeption fußt auf einem pädagogischen Ansatz als »ein definiertes System pädagogischer Überzeugungen, das sich bewusst von anderen Ansätzen absetzt und Konsequenzen für eine professionelle und pädagogische Praxis formuliert« (Knauff, 2006). Ein pädagogischer Ansatz gibt Orientierung für das praktische Handeln aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer Einrichtung.

Ein pädagogischer Ansatz:

  • konstituiert einen begründeten Zusammenhang von Zielen, Inhalten und Methoden;

  • definiert grundsätzliche Prinzipien der Arbeit mit Kindern;

  • formuliert eine Perspektive auf die Entwicklung von Kindern;

  • beschreibt verbindliche didaktische Prinzipien als Leitbild für das professionelle Verhalten von Pädagoginnen und Pädagogen und

  • gibt Empfehlungen für die organisatorisch-institutionelle Gestaltung der Einrichtung (Jank/Meyer, 1991).

Konzept

Im Unterschied zur Konzeption ist das Konzept ein professionelles Planungsinstrument, welches kleinere Aktivitäten, wie themenorientiertes Arbeiten mit Kindern oder den Prozess der Konzeptionserstellung, mit seinen inne liegenden Zielen, Arbeitsschritten und Methoden strukturiert. Ein Konzept ist die Form einer kurzfristigen Planung (von Spiegel, 2011).

Literatur

Autorenkollektiv (2011): Kinder erziehen, bilden und betreuen. S. 61–62. Lern- und Arbeitsheft für Ausbildung und Studium. Cornelsen Scriptor: Berlin.

Fthenakis, F. Wassilios/Hanssen, K./Oberhuemer, P./Schreyer, I. (Hrsg.) (2003): Träger zeigen Profil. Qualitätshandbuch für Träger von Kindertageseinrichtungen: BELTZ: Weinheim. Basel. Berlin.

Graf, P./Spengler, M. (2013): Leitbild- und Konzeptionsentwicklung. 6. überarbeitete Auflage. Ziel. Blaue Reihe: Augsburg.

Hollmann, E./Benstetter, S. (2000): In sieben Schritten zur Konzeption. Ein Arbeitsbuch. Wie Kindertageseinrichtungen ihr Profil entwickeln. TPS Profil. Kallmeyer: Stuttgart.

Jank, W.;/Meyer, H. (1991): Didaktische Modelle. 7.Auflage 2005. Cornelson Scriptor: Berlin.

Knauff, T. (2006): Moderne Ansätze in der Frühpädagogik. In: Fried, L./Roux, S. (Hrsg.) Pädagogik der frühen Kindheit. Handbuch und Nachschlagewerk. 2. Auflage. Cornelson Scriptor: Berlin.

Oberhuemer, P. (2003): TQ – Dimensionen 2: Konzeption – Konzeptionsentwicklung. In: Fthenakis, F. W./Hanssen, K./Oberhuemer, P./Schrexer, I. (Hrsg.) (2003): Träger zeigen Profil. Qualitätshandbuch für Träger von Kindertageseinrichtungen: BELTZ: Weinheim. Basel. Berlin.

Spiegel von, H. (2011): Methodisches Handeln in der sozialen Arbeit. Reinhardt GmbH & Co.KG. UTB.: München.

Ergänzende Arbeitshilfen

Leitfragen zum Rollenverhalten im Team

Sie stehen kurz vor einem Konzeptionstag in der Kita? Die Leitfragen zum Thema Rollenverhalten regen zur Diskussion im Team an. Dokument herunterladen

Nach oben

Anmelden