Abschnitt: Strategisches Management für Kitas → Konzeptionsentwicklung
 

In zehn Schritten zur Konzeption

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Unter Beachtung der verschiedenen Funktionen ist eine Konzeption ein sehr umfangreiches Werk. Wichtige Schwerpunkte in Bezug auf den Aufbau und die Inhalte sollen im Folgenden umrissen werden.

Vorstellung der Kindertageseinrichtung

In einem einführenden Teil werden zuerst sehr kurz die gesetzlichen Grundlagen, welche den Auftrag der Kita formulieren, aufgezählt. Ausführlicher werden die wichtigsten Eckpunkte des Leitbildes der Trägerorganisation dargestellt. Dies kann durch den Träger selbst oder die Einrichtungsleitung geschehen. Dieses Leitbild bildet die Grundlage für die zu entwickelnden konzeptionellen Inhalte.

In einem weiteren Gliederungspunkt werden detaillierte Aussagen über die Rahmenbedingungen der Kindertageseinrichtung gemacht. Dazu kann gehören:

  • Beschreibung des Sozialraumes (kurze Skizze, welche Familien dort leben, deren sozialer Status, strukturelle Besonderheiten, leben die Kinder in Hochhäusern oder am Waldrand, sind im Territorium Spielplätze vorhanden etc.).

  • Vorstellung der Kindertageseinrichtungen (Geschichte, Platzkapazität, Alter und Anzahl der zu betreuenden Kinder, Personal, Dienstleistungen wie z.B. eigene Küche etc.).

  • Strukturelle Rahmenbedingungen (Öffnungszeiten, Anzahl der Gruppen und Gruppengröße, ggf. auch, ob Kinder mit Besonderheiten in der Einrichtung betreut werden).

  • Das Anmelde- und Aufnahmeverfahren von Kindern in die entsprechende Kita.

  • Weiterhin werden erst einmal kurze Aussagen über das pädagogische Konzept gemacht (Textor, o.J.):

  • Welcher Ansatz wird in dieser Einrichtung gelebt?

  • Welche Grundhaltungen/didaktische Prinzipien sind mit diesem verbunden (Inklusion)? Wie werden diese inhaltlich und methodisch umgesetzt?

  • Falls vorhanden, werden besondere Angebote benannt (z.B. Schulanfängerclub, Angebote von Externen etc.)?

Dieser Teil ist sehr beständig und wenig von Veränderungen bedroht. Bedarf besteht allerdings, wenn sich Veränderungen in der Betreuungsstruktur, der Trägervorgaben etc. ergeben.

Pädagogischer Ansatz

In diesem Teil wird umfangreich und sehr detailliert der in der Einrichtung gewählte pädagogische Ansatz beschrieben. Zum einen sichert dies ein einheitlich pädagogisches Vorgehen aller Mitarbeiter/innen, zum anderen sind nach dem Erarbeitungsprozess ein Referenzrahmen für die Qualitätssicherung und Möglichkeiten zur Wahrnehmung dienstrechtlicher Funktionen vorhanden. Dieser Teil ist die Basis des professionellen (sozial-)pädagogischen Handelns aller Fachkräfte (von Spiegel, 2011) und beschreibt die Kategorien Wissen, Können und Haltung.

Bei der Beschreibung des pädagogischen Ansatzes zeigen sich in der Praxis zwei Varianten:

Variante 1: Die Einrichtung arbeitet nach klassischen Konzepten wie Montessori, Fröbel, Freinet etc. bzw. nach neueren wie z.B. dem Situationsansatz. In diesen Ansätzen sind alle Elemente des Ansatzes klar in der Literatur formuliert.

Variante 2: Die Kindertageseinrichtungen wählt ein sog. »eklektisches« Vorgehen, d.h. das Team der Einrichtung »bastelt« sich aus allen Ansätzen einen eigenen zusammen. Z.B. wird Montessorimaterial mit Fröbelbausteinen ergänzt, orientiert sich die Raumgestaltung an Waldorf und im Schulanfängerklub werden freinetische Methoden angewandt. Die pädagogische Grundhaltung wird durch die Ressourcen und die persönlichen pädagogischen Leitbilder der Fachkräfte bestimmt und didaktisch im Alltag umgesetzt. Dieses Vorgehen bestimmt häufig auch die Konzeptionserstellung in Elterninitiativen bzw. bei Tagespflegepersonen (Autorenkollektiv, 2011). Die detaillierte Beschreibung eines pädagogischen Ansatzes gliedert sich wie folgt:

Perspektive auf Entwicklung und Lernen von Kindern

Diese Sichtweise auf Entwicklung und Lernen, als professionelles (Fach-)Wissen ist Basis für die weiteren Aussagen zum Ansatz, denn dadurch werden alle Bestandteile des didaktischen Vorgehens bestimmt. Dieses Erklärungs-, Begründungs- und Beschreibungswissen ist notwendig, damit pädagogische Fachkräfte ihr methodisches Handeln theoretisch ›unterfüttern‹ können (von Spiegel, 2011).

Grundlage für die Beschreibung der Sichtweise auf Entwicklung und Lernen von Kindern bilden zum einen die Rahmenrichtlinien der Bildungs- und Erziehungspläne, die darauf fußenden Trägerleitlinien und vor allem die aktuell im Handlungsfeld gültigen Theoriegrundlagen. In diesem inhaltlichen Gliederungspunkt wird wissenschaftlich fundiert beschrieben:

  • Die Sichtweise auf Entwicklung und Lernen von Kindern als Grundlage des Pädagogischen Ansatzes. Hier ist das Wissen zum Spielen der Kinder, als kindliche Lebensform, ebenso dargestellt, wie Entwicklungsbesonderheiten und -aufgaben, die Bedeutung von Peers etc.

  • Die pädagogischen Grundbegriffe wie Lernen und Lehren, Bildung und Erziehung, das sog. »Bild vom Kind«.

  • Ebenso ein geeignetes didaktisches Vorgehen, welches auf individuelle Bedarfe von Kindern bzw. kleineren Kindergruppen eingeht.

  • Die Rolle der Eltern im Prozess der Erziehung (Neuß, 2013).

Leitbild für das Rollenverhalten der pädagogischen Fachkräfte

Die unter dem Begriff des Wissens zusammengefassten arbeitsfeldspezifischen disziplinären Wissensbestände (Neuß, 2013) sind die Grundlage für das didaktische Handeln der Erzieherinnen und Erzieher. Unter diesem Gliederungspunkt wird das Können der pädagogischen Fachkräfte beschrieben. Es werden professionelle Fähigkeiten benannt, welche im Alltag der Kita unabdingbar sind.

Beschreibung verbindlicher didaktischer Prinzipien als Leitbild für das professionelle Verhalten von Pädagoginnen und Pädagogen

Didaktische Prinzipien sind (Werte-)Orientierungen, welche das pädagogische Handeln von Erzieherinnen und Erziehern leiten (Neuß, 2013; von Spiegel, 2011). Aufgrund des in der Konzeption formulierten »Bild des Kindes« werden professionelles Selbstverständnis und Wertestandards im Zusammenleben mit Kindern und ihren Familien definiert.

Dazu gehört z.B.

  • eine stabile, wertschätzend Kind-Erzieher/innen-Beziehung,

  • eine inklusive Grundhaltung,

  • eine dialogische Grundhaltung in der Kooperation mit den Familien,

  • Ressourcenorientierung,

  • Sozialraum- und Lebensweltorientierung,

  • Kompetenzorientierung,

  • Achtung des selbstbestimmten Lernens der Kinder (von Spiegel, 2011; Meyer/Walter-Laager, 2012; Neuß, 2013).

Beschreibung eines begründeten Ziel-Inhalt-Methodenzusammenhangs

In der Didaktik wird auch von einer Ziel-Inhalts-Methoden-Relation gesprochen, d.h. dass die Ziele bestimmen, welche Inhalte passend methodisch umgesetzt werden. In einer Konzeption wird detailliert beschrieben, woher die pädagogischen Fachkräfte die Ziele für ihre pädagogische Arbeit nehmen und anhand welcher Inhalte diese methodisch umgesetzt werden. Eine besonders große Bedeutung haben geeignete Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren, welche in der Einrichtung verbindlich zum Einsatz kommen (müssen). Diese werden in der Konzeption benannt und umfassen Instrumente der quantitativen und qualitativen Beobachtung.

Das didaktische Vorgehen variiert von Ansatz zu Ansatz, dadurch wird aber dessen Spezifik deutlich, da Didaktik, als die Lehre vom Lehren, detailliert die unmittelbare Erzieherinnen- Kind-Interaktion gestaltet. Im Verfahren der Konzeptionserstellung ist die Diskussion dieses Punktes besonders wichtig, da gerade das Interaktionsverhalten der pädagogischen Fachkräfte häufig »aus dem Bauch heraus« geschieht.

Die organisatorisch-institutionelle Gestaltung der Einrichtung

In diesem Teil der Konzeption werden alle Aussagen gesammelt, welche den organisatorischen Ablauf des Tages, die institutionelle Gestaltung der Einrichtung und die räumlich-materielle Ausstattung zusammenfassen. Besonders an diesem Punkt wird für Außenstehende der konzeptionell fest verankerte Ansatz sichtbar.

Der organisatorische Ablauf des Tages regelt die zeitlichen Strukturen der Aktivitäten, welche im Tageslauf stattfinden. Die institutionelle Gestaltung der Einrichtung erkennt man daran, ob z.B. in altersgemischten Gruppen, offen oder halboffen gearbeitet wird, wie Essenssituationen gestaltet werden oder der Personaleinsatz organisiert ist.

Jeder pädagogische Ansatz ist auch an einer für ihn typischen Raumgestaltung zu erkennen. Im Freinet-Ansatz sind es die Werkstätten, einen Waldorfkindergarten erkennt man an den verwendeten Naturmaterialien bzw. der farblichen Gestaltung der Räume oder an den runden Ecken der Räume und Möbel. Klassisch für die Reggiopädagogik ist das Leitbild »Der Raum als dritter Erzieher« mit seinen sortierten Arbeitsmaterialien.

Auch die Arbeitsorganisation des Teams wird unter diesem Punkt subsumiert: z.B. durch ein Organigramm oder andere geeignete Dokumentationsformen werden die Verantwortung und die Kompetenzen der einzelnen Mitarbeiter/innen, die Kommunikation innerhalb des Teams, Formen der Dienstplangestaltung, Mitarbeiter/innenvertretung, Maßnahmen der Gesunderhaltung etc. beschrieben. Weiterhin gehören in die Konzeption Aussagen über die Vor- und Nachbereitungszeit, beispielsweise in welchen Zeiträumen die pädagogischen Fachkräfte Beobachtungen auswerten und diskutieren können, Vertretungsregelungen, aber auch die Anzahl und der Zeitpunkt von Elterngesprächen.

Kooperation mit Eltern

Eltern sind für Kinder die wichtigsten Bindungspersonen. Teams akzeptieren das und treffen in ihrer Konzeption Aussagen darüber, wie die Kooperation mit Eltern zu gestalten ist. Ähnlich wie bei der Beschreibung des pädagogischen Ansatzes der Einrichtung werden auch hier die Ziele und Formen der Kooperation und Mitwirkung der Eltern beschrieben. Eltern müssen in der Konzeption Informationen über Austauschmöglichkeiten über die Entwicklungsverläufe ihrer Kinder ebenso finden wie über ihre Rechte und Pflichten zur Mitbestimmung.

Kooperation mit anderen Institutionen

In diesem Teil der Konzeption werden die Grundlagen der Kooperation mit den Grundschulen zur Gestaltung der flexiblen Schuleingangsphase beschrieben. Ebenso wichtig ist es, die Formen der Kooperation z.B. mit Institutionen des Stadtteils bzw. des Wohnortes (Ärztinnen und Ärzte, betreute Spielplätze, andere Angebote für Kinder und Jugendliche, Jugendamt, Beratungsstellen, Sozialamt, Einrichtungen der Gesundheitsfürsorge etc.) nach vorheriger Absprache mit allen Beteiligten zu skizzieren.

Qualitätssicherung

Maßnahmen der Qualitätssicherung und -reflexion verhindern, dass die Einrichtungskonzeption im Schubkästchen verschwindet.

In diesem Teil der Konzeption werden:

  • handlungsfeldspezifische Instrumente dargestellt, welche die Qualität der gesamten Arbeit (z.B. PädQuis) aber auch das Wohlfühlen der Kinder messen (z.B. die Leuvener Engagiertheitsskala),

  • Kriterien der Selbstkontrolle zur regelmäßigen Selbstüberprüfung der in der Konzeption gesetzten Standards benannt,

  • die Reflexion der Einhaltung der Standards durch die Einrichtungsleitung und den Träger, Maßnahmen der Mitarbeiter/innen- und Teamqualifikation sowie

  • Einarbeitungsmodalitäten für neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschrieben (Graf/Spengler, 2013).

Literatur

Autorenkollektiv (2011): Kinder erziehen, bilden und betreuen. S. 61–62. Lern- und Arbeitsheft für Ausbildung und Studium. Cornelsen Scriptor: Berlin.

Graf, P./Spengler, M. (2013): Leitbild- und Konzeptionsentwicklung. 6. überarbeitete Auflage. Ziel. Blaue Reihe: Augsburg.

Neuß, N. (2013): Grundwissen Didaktik für Krippe und Kindergarten. Cornelsen: Berlin.

Spiegel von, H. (2011): Methodisches Handeln in der sozialen Arbeit. Reinhardt GmbH & Co.KG. UTB.: München.

Textor, M. (o.J.): Raster für die Entwicklung einer Konzeption. In: Dass Kita-Handbuch. Textor, Martin (Hrsg.). www.Kindergartenpädagogik.de

Ergänzende Arbeitshilfen

Checkliste: Gestaltung und Layout einer Konzeption

Worauf Sie bei der grafischen Gestaltung Ihrer Kita-Konzeption achten sollten, stellt diese Checkliste überblicksartig zusammen. Dokument herunterladen

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