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Ihr Auftrag zur Bildungs- und Erziehungspartnerschaft: Arbeiten Sie mit den Eltern zusammen!

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Kitas gewinnen aufgrund des Ausbaus für Kinder unter drei Jahren an Bedeutung und sind zeitgleich für viele Eltern eine erste und niedrigschwellige Anlaufstelle in Erziehungs-, Entwicklungs- aber auch in privaten Fragen (Riedel/Sann, 2014) Die Kita hat sich zu einer zentralen Sozialisationsstelle im Leben von Kindern entwickelt und ist »längst zu einem festen Bestandteil der Biografie junger Menschen geworden« (Schneider et al., 2015). Durch den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz der unter Dreijährigen verjüngt sich der Altersdurchschnitt in den Einrichtungen. Die Kita wird zur ersten Institution im außerfamiliären Umfeld, und die Fachkräfte sind die ersten Menschen außerhalb der Familie, mit denen ein beinahe täglicher Kontakt besteht (Pohlmann, 2015). Dabei ist die Verweildauer der Kinder über den Tag hinweg, aufgrund der Berufstätigkeit der Eltern, immer länger. Um die Entwicklungsschritte ihrer Kinder wahrnehmen und begleiten zu können, sind die Eltern auf den Austausch mit den Fachkräften angewiesen (Roth, 2015) »Mit dem erweiterten Bildungsauftrag der Kindertagesbetreuung hat die Zusammenarbeit mit Eltern und anderen Erziehungsberechtigten an Bedeutung gewonnen« (Müller/Schübel, 2016). »Eltern werden als Partner verstanden und sollen in den Alltag der Kita integriert werden, damit der Erziehungsprozess gemeinsam gestaltet werden kann« (Jares 2014, S. 30).

Die Verpflichtung zur Erziehungs- und Bildungspartnerschaft findet sich in § 22a Abs. 2 S. 1 SGB VIII. Die Fachkräfte sollen mit den Eltern zum Wohle des Kindes und zur Sicherung der Kontinuität im Erziehungsprozess zusammenarbeiten. Diese Zusammenarbeit geht über die bisherige Elternarbeit hinaus (Hundt, 2013) Es geht um die Mitwirkung und Beteiligung von Eltern und Familien als soziales Umfeld der Kinder sowie zur Unterstützung der Bildungsprozesse. Die Eltern werden als Erziehungs- und Bildungspartner in die tägliche Arbeit der Kita mit einbezogen (Blankenburg/Rätz-Heinisch, 2009). Diese Partnerschaft führt vor allem bei den Kindern zu der gewünschten gemeinsamen Förderung der Entwicklung.

Kita und Familie sind zwei wesentliche Orte in der Phase des Aufwachsens von Kindern. Mit ihnen verbunden sind die wichtigsten Betreuungs- und Bindungspersonen, die nicht als voneinander getrennte Lebenswelten konstruiert werden sollen (Pohlmann, 2015). Die Selbstverständlichkeit des Besuchs einer Kita und deren wachsenden Bedeutung lässt die Einrichtungen zu einem Lebensort für Familien werden (Nolte, 2014). Bei Erziehungsunsicherheiten oder -fragen ist die Kita für viele Eltern eine wichtige, häufig die erste Anlaufstelle, noch vor Familie und Freunden (Fröhlich-Gildhoff, 2013). Sie wenden sich häufig vertrauensvoll an die Fachkräfte ihrer Kita um über Probleme, Unsicherheiten oder Überforderungen zu sprechen. (Kaiser-Hylla, 2015). Eltern nutzen und schätzen die niedrigschwelligen und beiläufigen Kontaktmöglichkeiten in der Kita, und wie kein anderes Angebot bieten sie die Möglichkeit für einen intensiven und regelmäßigen Austausch zwischen Fachkräften und Eltern (Riedel/Sann, 2014). Kitas sind bestens geeignet, frühzeitig und niederschwellig einer Familie Unterstützung und Hilfe anzubieten. Denn die Probleme der Eltern werden am ehesten einer Fachkraft im Zusammenhang mit den Schwierigkeiten der Kinder in der Einrichtung mitgeteilt (Braun, 2001). Durch die Bündelung weiterer Angebote bieten viele Kitas eine umfassende Entlastung und Unterstützung der Eltern an. Gleichzeitig können sie Orte der unkomplizierten Ansprache von Eltern sein, zur Information über Unterstützungsangebote oder Motivation für deren Inanspruchnahme.

Literatur

Blankenburg, N./Rätz-Heinisch, R. (2009): Kindertageseinrichtung – Sozialräumliche Methoden in der Arbeit mit Kindern, Familien und Nachbarn. In: Deinet, U. (Hrsg): Methodenbuch Sozialraum. 1. Auflage. Wiesbaden: VS.

Braun, U. (2001): Kita im Netzwerk. KiTa aktuell NW 2001 (1), S. 17-19. URL: http://www.kindergartenpaedagogik.de/911.html

Fröhlich-Gildhoff, K. (2013): Die Zusammenarbeit von pädagogischen Fachkräften und Eltern im Feld der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung. bildungsforschung. 10 (1), S. 11–25. URL: http://www.pedocs.de/volltexte/2014/8535/pdf/BF_2013_1_FroehlichGildhoff_Zusammenarbeit_von_paedagogischen_Fachkraeften.pdf

Hundt, M. (2013): Pädagogik und Recht in der Kindertagesbetreuung. Grundwissen und aktuelle Rechtsfragen des Kita-Rechts. Kronach: Wolters Kluwer.

Kaiser-Hylla, C. (2015): Zieh den Kreis nicht zu klein: Vernetzung. In: Scheider (Hrsg.): Die Kita als Türöffner – Wege zur Sozialraumorientierung. 1. Auflage. Berlin: Cornelsen. S. 117–128.

Müller, D./Schlübel, T. (2016): Kindertagesbetreuung und Frühe Hilfen. KiTa aktuell Recht 2016 (4), S. 108–109.

Nolte, J. (2014): Sozialraum- und lebensweltorientierte Vernetzung und Kooperation. URL: https://www.kita-fachtexte.de/texte-finden/detail/data/sozialraum-und-lebensweltorientierte-vernetzung-und-kooperation/

Pohlmann, U. (2015): Das Kind im Blick: Familien heute. In: Scheider (Hrsg.): Die Kita als Türöffner – Wege zur Sozialraumorientierung. 1. Auflage. Berlin: Cornelsen. S. 29–43.

Riedel, B./Sann, A. (2014): Kindertageseinrichtungen im Kontext Früher Hilfen. Kooperationsmöglichkeiten und ungelöste Fragen. TPS 2014 (5), S. 38–41.

Roth, X. (2015): Wie Bildungs- und Erziehungspartnerschaft gelingt: Eltern und Kita auf Augenhöhe. Zunehmende Bedeutung der Zusammenarbeit. In: Scheider (Hrsg.): Die Kita als Türöffner – Wege zur Sozialraumorientierung. 1. Auflage. Berlin: Cornelsen. S. 18-19.

Schneider, A./Herzog, S./Kaiser-Hylla, C./Pohlmann, U. (2015): Kindertageseinrichtungen: Qualitätsentwicklung im Diskurs. Theorie, Praxis und Perspektiven eines partizipativen Instruments. Opladen, Berlin & Toronto: Barbara Budrich.

Ergänzende Arbeitshilfen

Konzeptionsentwicklung: Reflexionsfragen zur Erziehungspartnerschaft mit Eltern

Die Zusammenarbeit mit Eltern sollte fester Bestandteil der Kita-Konzeption sein. Dort stellen Sie die Grundzüge der Erzieherungspartnerschaft dar. Dabei helfen Ihnen die Reflexionsfragen in dieser Arbeitshilfe. Dokument herunterladen

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