Abschnitt: Kooperationen und Netzwerke → Die Kita im Sozialraum
 

Vernetzen Sie sich und Ihre Kita!

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Kinder- und Jugendhilfe hat als Schnittstelle zwischen Institutionen formeller Bildung und Bereichen informeller Bildung/dem öffentlichen Raum eine besondere Rolle bei der Entstehung von Bildungslandschaften. Kitas können Aneignungs- und Bildungsmöglichkeiten auf unterschiedlichen Ebenen und damit Settings für informelle Bildungsprozesse nutzen. Deutlich wird, dass ein erweitertes Bildungsverständnis, welches deutlich über formelle Bildung hinausgeht, wichtig ist. Nicht-formelle Bildung (organisiertes, außerschulisches Lernen) sowie die im 12. Kinder- und Jugendbericht betonten informellen Bildungsprozesse (nicht-intendiertes Lernen, z.B. im Alltag) spielen eine große Rolle (Bildung als »Aneignung«). Dies schließt die gleichwertige Berücksichtigung formaler und non-formaler Bildungssettings ein. Auch wird damit der öffentliche Raum als alltägliche Lebensumwelt von Kindern als Bildungsort zunehmend in den Blick genommen (z.B. »Alltagsbildung« nach Rauschenbach, 2009). Lebensräume von Kindern und Familien sind demnach so zu gestalten, dass im jeweiligen sozialen Nahraum Erziehung und Bildung, Teilhabe und Integration möglich werden.

Die Diskussion um einen erweiterten Bildungsbegriff wirkt sich auf das Verständnis und die Gestaltung kommunaler Bildungslandschaften aus, die non-formale und informelle Bildungsorte und -räume berücksichtigt. Dabei zeigt sich der Ansatz an einem umfassenden Bildungsbegriff und ganzheitlichen Bildungsverständnis vor allem in der »multidimensionalen Bildungslandschaft« (in Abgrenzung zum Verständnis als Schul-, Kooperations- oder Qualifizierungslandschaft, Eisnach, 2011). Bedeutsam ist darüber hinaus auch ein breites Verständnis des öffentlichen Raums (z.B. dynamischer Raumbegriff nach Löw, 2001). Der einer multidimensional verstandenen Bildungslandschaft zugrunde liegende Bildungsbegriff verbindet unterschiedliche Lernebenen (formal, non-formal, informell) und erkennt informelle Bildungsräume als eigenständigen Bestandteil an. Lernen kann demnach überall stattfinden. Das bedeutet, dass neben einem ganzheitlichen Bildungsverständnis auch eine Gleichrangigkeit zwischen unterschiedlichen Bildungsprozessen und -orten vorliegt.

Um ein gesamtes Spektrum an Bildung anbieten zu können, ist die Entwicklung und Förderung von stabilen Strukturen und gegenseitige Vernetzung und Kooperation sowie eine Öffnung der Einrichtungen in den Stadtteil wichtig. Hierbei kann es sich um schulische Einrichtungen, Jugend- und Freizeitanlagen, Kinder-, Familien- und/oder Jugendzentren handeln. Ziel ist es, Bildungschancen durch ein lokal orientiertes Bildungsangebot für Lernende aller Begabungen zu ermöglichen.

Herausforderungen und Handlungsempfehlungen

Partizipation, Inklusion und Zusammenarbeit mit Eltern ist, wie eine Vernetzung im Sozialraum, unabdingbar. Diese wird u.a. in Familienzentren deutlich. Eltern in diesen sozialraum- und lebensweltorientierten Öffnungsprozess als Bildungspartner miteinzubeziehen, bedeutet, die klassische Elternarbeit zu erweitern und eine veränderte Haltung gegenüber Eltern einzunehmen. Sie sind die zentrale Ressource und können durch Ermutigung und Anerkennung der Bemühungen für ihr Kind, aber auch durch Themenabende als erweiterte Elternabende, aktiviert werden. Auch bietet es sich an, die Kompetenzen der Eltern z.B. für Projekte zu nutzen und die Eltern so einzubinden. Spezielle Kompetenzen werden hier vor allem bei der Unterstützung von Eltern mit Migrationshintergrund benötigt. Niedrigschwellige Angebote erleichtern es insbesondere diesen Eltern notwendige Kontakte aufzunehmen.

Für die Organisation und Verwaltung einer Kindertagesstätte können daher folgende Anregungen gegeben werden:

  • Analyse des Sozialraums und Orientierung an der Lebenswelt der Familien

  • Gestalten von Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten im Sozialraum

  • Ermöglichen von informellen Bildungsprozessen

  • Berücksichtigen von Aneignungs- und Beteiligungsfunktionen

Daraus lassen sich folgende Schlussfolgerungen für die konkrete Arbeit ableiten:

  • Kitas arbeiten dann sozialraum- (und familien-)orientiert, wenn sie die Wünsche und Vorstellungen der Familien und Kinder in den Blick nehmen. So können zum Beispiel Projekte wie das bereits beschriebene Projekt »Wo wir Wohnen« entstehen.

  • Dabei ist eine Bereitschaft und Offenheit zum Dialog unabdingbar, um das Ziel zu erreichen in gemeinsamer Verantwortung zu handeln und zu gestalten. Eine Sozialraumbegehung erleichtert den Einstieg in die konkrete Arbeit, da so die Möglichkeit besteht, als Team oder gemeinsam mit den Kindern zunächst den Sozialraum kennen zu lernen.

  • Darauf aufbauend schließt sich eine Analyse des Sozialraums an. So können bestehende Netzwerke genutzt und neue Netzwerkpartner erschlossen werden. Wichtig ist dabei, eine systemische Perspektive einzunehmen, um neben den Kindern und deren Familien eben deren gesamte Lebenswelt mit in die Arbeit einbeziehen zu können.

Literatur

Eisnach, Kristina (2011): Ganztagsschulentwicklung in einer kommunalen Bildungslandschaft. VS Verlag Wiesbaden.

Löw, M. (2001): Raumsoziologie. Suhrkamp Frankfurt am Main.

Rauschenbach, Thomas (2009): Zukunftschance Bildung. Beltz Juventa Weinheim München.

Ergänzende Arbeitshilfen

Übersicht: Sozialraumorientierung

Diese Arbeitshilfe gibt Ihnen eine Übersicht über das Thema Sozialraumorientierung. Mit welchen Punkten befasst sich dieses Konzept und wie sind diese umzusetzen? Dokument herunterladen

Konzeptionsentwicklung: Reflexionsfragen zur Vernetzung im Sozialraum

Kitas sind Akteure im Sozialraum. Die Vernetzung mit anderen Institutionen und Personen ist für Sie extrem wichtig. Daher sollten Sie Ihre Haltung zu Kooperations- und Vernetzungsfragen reflektieren und auf dieser Grundlage in Ihrer Konzeption verankern. Dokument herunterladen

Merkblatt: Netzwerkarbeit Frühe Hilfen

Hier erfahren Sie, was die Netzwerkarbeit im Bereich der Frühen Hilfen ausmacht. Welche Qualitätsmerkmale gibt es? Welchen Nutzen hat sie? Und wie kann das Netzwerken möglichst wirksam gestaltet und umgesetzt werden, damit die Familien und Eltern optimal beim Umgang mit den Kleinkindern unterstützt werden können und auch die Anlaufstellen kennen. Dokument herunterladen

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