Abschnitt: Kitas in Deutschland – Ein Überblick → Sozial- und volkswirtschaftliche Bedeutung
 

Warum die Wohlfahrtspflege ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist

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Obgleich der Sektor der sozialwirtschaftlichen Träger, Einrichtungen und Dienste in Deutschland als ein durchaus bedeutender volkswirtschaftlicher Zweig angesehen werden kann, gibt es keine umfassend angelegte amtliche Gesamtrechnung für diesen Bereich. Für eine Skizze von Größenordnungen der umgesetzten Gelder, der Beschäftigten und der Nutzung müssen nach wie vor Daten aus diversen amtlichen Statistiken und Ergebnisse unregelmäßig durchgeführter Partialstudien zusammengetragen werden. Mit Goll (1991, S. 192), der als einer der Ersten diese Problematik thematisiert hat, kann man auch heute noch sagen, dass das mangelnde Interesse von Politik und Wissenschaft an der Feststellung des Umfangs von Wohlfahrtspflege »als Indiz für die Unterschätzung ihrer wirtschaftlichen Bedeutung« gewertet werden kann.

Eine Möglichkeit, die Wohlfahrtspflege als Wirtschaftsfaktor zu umreißen, besteht in der monetären Kalkulation ihrer »Inputfaktoren«, also des Faktoreinsatzes (Personal, Sachmittel, Investitionen). Das jährliche Niveau der öffentlich, frei-gemeinnützig und privat-gewerblich erbrachten sozialen, pflegerischen und gesundheitsbezogenen Dienstleistungen wird auf eine Höhe von achtzig bis über hundert Milliarden Euro geschätzt. Die personenbezogenen sozialen, pflegerischen und gesundheitsbezogenen Dienstleistungen können durchaus gleichgesetzt werden mit inländischen Umsätzen beispielsweise der Deutschen Automobilindustrie.

Daten zu Beschäftigten in der öffentlichen Wohlfahrtspflege sind nur schwer zu ermitteln.1 Alleine die Freie Wohlfahrtspflege beschäftigte jedoch 2012 in mehr als 105.000 Einrichtungen mehr als 1,6 Millionen Menschen hauptamtlich, rd. 2,5 Millionen Personen sind ehrenamtlich bzw. als Freiwillige tätig (Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege, 2015). Die Zahl der in der Freien Wohlfahrtspflege angestellten Personen umfasst mehr als 5 % aller im gesamten Dienstleistungssektor Deutschlands tätigen Menschen. In den Einrichtungen und Diensten der Freien Wohlfahrtspflege sind damit mehr Personen als im Kredit- und Versicherungswesen und fast viermal so viel Personal wie im Bereich der Energie- und Wasserversorgung tätig (Zimmer/Paulsen/Hallmann, 2014).

Schon seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts dürfen die sozialen Dienstleistungen als expandierender volkswirtschaftlicher Bereich angesehen werden. Um dies zu illustrieren, zeigt die folgende Grafik die Entwicklung der Beschäftigtenzahlen in der Freien Wohlfahrtspflege von 1970 bis 2012.2

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Abb. 1: Beschäftigte und Zahl der Plätze und Betten der Freien Wohlfahrtspflege in Deutschland 1970 bis 2012 (vgl. Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege, 2012, eigene Darstellung)

Die oben stehende Grafik verdeutlicht eine besondere Dynamik in der Betten- und Platzzahl insbesondere in den 1980er Jahren sowie in der Phase nach der Vereinigung Deutschlands bis um das Jahr 2004. Wie ebenfalls zu erkennen ist, entspricht der Anstieg der ausgewiesenen Betten- und Platzzahl nicht derjenigen der Mitarbeitenden. Es darf angenommen werden, dass zwar eine Erhöhung der Zahl an Fachkräften stattgefunden hat, jedoch auch eine Ausweitung von Beschäftigungsverhältnissen in Teilzeit (Zimmer/Paulsen/Hallmann 2014, S. 194).

Literatur

Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (2012): Gesamtstatistik 2012 der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege. Berlin.

Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (2015): Einrichtungen und Dienste der Freien Wohlfahrtspflege. Berlin.

Zimmer, A./Paulsen, F./Hallmann, Th. (2014): Zur volkswirtschaftlichen Bedeutung der Sozialwirtschaft. In: Arnold, U./Grunwald, K./Maelicke, B. (Hrsg.): Lehrbuch der Sozialwirtschaft. 4., erweiterte Auflage. Nomos, Baden-Baden, S. 184–205.

Ergänzende Arbeitshilfen

Finanzielle Spielräume durch Fördermittel

Die Arbeitshilfe gibt einen Überblick über den finanziellen Spielraum durch Fördermittel. Wie können Kommunen dazu beitragen? Dokument herunterladen

So weist bspw. die amtliche Statistik mit Stand von 2014 zwar aus, dass von insgesamt rd. 33.000 Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland (ohne Tageseinrichtungen für Kinder) rd. 7.400 Einrichtungen in öffentlicher Trägerschaft stehen, jedoch wird die Gesamtpersonalzahl von rd. 231.000 Beschäftigten aller Einrichtungen nicht nach Trägerschaft differenziert angegeben (vgl. destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Soziales/Sozialleistungen/KinderJugendhilfe/Tabellen/EinrichtungTaetigePersonen.html (22.08.2017).


Da die Statistik der Freien Wohlfahrtspflege die Beschäftigten ausschließlich nach der Anzahl der Personen und nicht nach dem Stellenumfang erfasst, haben wir als Korrektiv für mögliche Veränderungen im Stundenumfang der Anstellungsverhältnisse auch die Entwicklung der Zahl der Plätze und Betten in die Darstellung aufgenommen.


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