Abschnitt: Die Kita als Organisation → Krisenmanagement
 

Wie Sie mit W-Fragen eine Krise bewältigen

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Um einer Eskalation der eigenen Gedanken in Konfliktsituationen entgegen zu wirken, wurde ein Ausstiegsszenario entwickelt. Die Autorin weist daraufhin, dass die gezeigten Ideen keinesfalls den einzig gangbaren Weg darstellen (Kypta, 2006). Vielmehr seien die Erfolgsaussichten umso besser, je individueller mit der jeweiligen Stresssituation umgegangen wird.

Auch hier kann eine grafische Darstellung der einzelnen Entschleunigungsphasen zur Selbstberuhigung beitragen.

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Abb. 1: »Der regenerative Zyklus«, (angelehnt an: Kypta, 2006), eigene Darstellung

Fragetechniken als Krisenmanagement-Instrument (Offene und geschlossene Fragen)

Als weiteres Instrument kann im Krisenmanagement die Anwendung der Fragtechnik mit offenen Fragen (»W-Fragen«) zielführend sein. Geschlossene und offene Fragen zeichnen sich durch unterschiedliche Antwortmöglichkeiten aus. Im Gegensatz zu offenen Fragen, die ausführlicher beantwortet werden können, werden geschlossene Fragen als Entscheidungsfragen bezeichnet, die lediglich Ja/Nein- Antworten zulassen (Nowak/Macht, 1996).

Offene Fragen gestatten dem Gegenüber eine freie Antwort, und er bzw. sie wird mehr Informationen preisgeben (Hahn/Stickel, 2000). Diese Fragetechnik grenzt nicht ein, sondern regt vielmehr an, sich inhaltlich weiter auszuweiten. Dadurch ist eine aktive Gestaltung verschiedener Themengebiete möglich (Nowak/Macht, 1996). Da diese Fragen nicht mit Ja oder Nein beantwortet werden können, muss der Antwortgeber beziehungsweise die Antwortgeberin ausführlich antworten. Meist werden diese Fragen mit den Fragepronomen »wie«; »welche«; »was« eingeleitet und daher als »W-Fragen« bezeichnet (Lorenz/Rohrschneider, 2013).

W-Fragen eignen sich besonders, um eine differenzierte Betrachtung auf das Problem zu erhalten. Dadurch kann das Gesamtproblem in kleinere Bausteine zerlegt und es können Lösungen leichter gefunden werden, als es in komplexen Situationen möglich wäre. Zur Lösung des Problems und seiner Ursachen werden möglichst viele offene Fragen (W-Fragen) zum Problem formuliert. Dadurch klärt sich die Situation, die Ursachen können besser erkannt und somit Abhilfe geschaffen werden. W-Fragen eignen sich besonders zur Kontaktaufnahme und zeigen Empathie dem Gesprächspartner gegenüber (Lorenz/Rohrschneider, 2013).

Beispiele für offene Fragen

»Worin besteht konkret das Problem?«

»Was sagt der Träger zu der Situation?«

»Wann tritt das Problem auf?«

»Was schlägt der Kinderarzt / die Kinderärztin vor?«

Bei geschlossenen Fragen wird der Antwortgeber beziehungsweise die Antwortgeberin stark in seiner / ihrer Antwortmöglichkeit eingeschränkt. Geschlossene Fragen wie, »Fanden Sie die Präsentation gut?«, lassen nur kurze einsilbige Antworten zu. Zudem besteht die Gefahr, dass durch die Fragetechnik der geschlossenen Fragen die eigenen Vermutungen bestätigt werden. Ein Vorteil besteht aber auch darin, dass sich manche Situationen schnell einkreisen oder Probleme fokussieren lassen. Beispielsweise verwenden Ärzte und Ärztinnen häufig geschlossene Fragen, um rasch die Schmerzursache oder Krankheiten zu lokalisieren (Brunner, 2013).

Beispiele für geschlossene Fragen

Beispiele für offene Fragen

»Kennt die Leitung das Problem?«

»Wie steht die Leitung zu dem Problem?«

»Wurde der Kinderarzt / die Kinderärztin gefragt?«

»Was sagt der Kinderarzt / die Kinderärztin dazu?«

»Hast Du hier Schmerzen?«

»Wo hast Du Schmerzen?«

Tabelle 1: »Beispiele für geschlossene und offene Fragen«, eigene Darstellung

Vorsicht bei der Formulierung der »W-Frage«

Nicht jede Frage, die mit »W« beginnt, ist eine offene Frage. Beispielsweise kann die Frage »Wurde der Kinderarzt / die Kinderärztin gefragt?«, durchaus mit einem gesprächsbeendenden »Nein« beantwortet werden. Gleich in welchem Kontext: Ob allgemein im Kita-Alltag, im Gespräch mit Eltern, Kollegen/Kolleginnen oder Vorgesetzten, ist es immer vorteilhaft, über ein breites Spektrum an Frage-Möglichkeiten zu verfügen. Werden Sie Experte/Expertin für qualifizierte Fragen!

Zwei Fragetypen sollten jedoch nach Möglichkeit im Fragekontext vermieden werden.

Suggestiv- und Warum-Fragen vermeiden

  • Suggestivfragen (»Sie geben mir doch Recht, dass…«) zeigen deutlich, dass man eine Bestätigung der eigenen Sichtweise sucht. Diese Fragen können bei Gesprächspartner/-innen »soziale Erwünschtheit« erzeugen und er/sie wird möglicherweise so antworten, wie man es seiner Meinung nach hören möchten (Jordan et al., 2012).

  • Warum-Fragen erzeugen negative Gefühle und bewirken Rechtfertigungsverhalten. Den Grund darin sehen Jordan et al. (2012) in der Erziehung. Oftmals wurde in der Kindheit gefragt: »Warum hast Du nicht aufgepasst?«; »Warum hast Du das gemacht?« oder »Warum hast Du Deine Schwester/Dein Bruder geärgert?«.

  • Mit »Warum- Fragen« verbindet der/die Gesprächspartner/in unter Umständen negative Situationen und Konflikte aus der Kindheit, die ihn/sie in Rechtfertigungsdruck bringen und das schwächt möglicherweise seine/ihre Position (Jordan et al., 2012; Engel, 2006).

  • Ebenso sollten »Wieso-Weshalb-Warum-Fragen« vermieden werden, da sie den gleichen Effekt haben (Poggensee, 2009).

Alternativfragen zu Warum-Fragen

»Was hat Sie dazu bewogen, dass …«

»Was hat dazu geführt, dass …«

»Was spricht dagegen, dass …«

Die vorgestellte Fragetechnik mit »W-Fragen« kann sowohl als Hilfsmittel im persönlichen Kontext als auch bei Fragestellungen mit Eltern, Netzwerkpartnern/-partnerinnen und innerhalb »Kollegialer Beratung« genutzt werden.

Literatur

Brunner, A. (2013): Die Kunst des Fragens. Carl-Hanser, München. 4. Auflage.

Engel, S. (2006): Alzheimer und Demenzen – Unterstützung für Angehörige: Die Beziehung erhalten mit dem neuen Konzept der einfühlsamen Kommunikation. Thieme, Stuttgart.

Hahn, R.-M/Stickel, N. (2000): Gut gefragt, ist fast gewonnen. Erfolgreiche Fragetechniken für Beruf und Privatleben. Rowohlt, Reinbek.

Jordan, U./Külpp, B./Bruckschen, I. (2012): Das erfolgreiche Einstellungs- Interview: Potentiale für morgen sicher erkennen und gewinnen. Gabler, Wiesbaden.

Kypta, G. (2011): Burnout erkennen, überwinden, vermeiden. Carl Auer, Heidelberg.

Lorenz, M./Rohrschneider, U. (2013): Praxishandbuch Mitarbeiterführung. Grundlagen – Führungstechniken – Gesprächsleitfäden. Haufe- Lexware, Freiburg. 3. Auflage.

Nowak, J. R./Macht, K. (1996): Die Kunst des Fragens. Theorie und Praxis der Frage als didaktisches Steuerungsinstrument. Wißner, Augsburg. Band 72.

Poggensee, I. (2009): Verkaufen! Mit System, Handwerk und Leidenschaft zu mehr Vertriebserfolg. Gabler, Wiesbaden.

Ergänzende Arbeitshilfen

Anwendungsbeispiele für den Einsatz von Resilienzfaktoren im Krisenmanagement

Diese Arbeitshilfe gibt Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Faktoren, die eine resiliente Haltung bei Ihnen und Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ermöglichen, auch in turbulenten Zeiten des Wandels. Beispiele verdeutlichen, in welchen Situationen es darauf ankommt. Dokument herunterladen

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