Abschnitt: Die Kita als Organisation → Gesundheitsmanagement
 

In fünf Schritten zur gesunden Kita

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© Robert Kneschke Adobe Stock

Ein Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) einzuführen stellt einen kontinuierlichen und intensiven Prozess dar, mit dem Ziel, Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter/innen der Kita eine hohe Priorität einzuräumen. Die Verankerung kleinerer, langfristiger Maßnahmen ist nachhaltiger, als kurzfristige Aktionen, die vor allem Aufmerksamkeit erzeugen.

Im Rahmen des Projekts aus dem Modellprogramm zur Bekämpfung arbeitsbedingter Erkrankungen wurde ein Umsetzungsprogramm mit Arbeitsschritten entwickelt, das bei der Einführung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements Orientierung gibt. Neben Ziel und Bedeutung der einzelnen Schritte werden im Folgenden daraus möglichst konkrete Methoden und Vorgehensweisen beschrieben und konkrete methodische Tipps abgeleitet. Auch wenn sich organisationale Rahmenbedingungen in den einzelnen Kitas nach z.B. Größe oder Trägerschaft durchaus unterscheiden können, geben die folgenden Schritte Anregungen, ein individuelles und wirkungsvolles BGM zu realisieren.

(a) Sensibilisieren durch Information, Akzeptanzaufbau und Motivationsförderung

Eine positive Einstellung bei den Leitungskräften und den Beschäftigten einer Kindertagesstätte ist für ein erfolgreiches Betriebliches Gesundheitsmanagement unverzichtbar. Dies betrifft vor allem Maßnahmen zur Veränderung von individuellen Gesundheitsverhalten, bei denen individuelle Haltungen und Bewertungen von großer Bedeutung sind. Die Information über den individuellen sowie organisationsbezogenen Nutzen sollte der erste Schritt sein, um in einer gemeinsamen und aktiven Auseinandersetzung die Akzeptanz aller Beschäftigten zu gewinnen. Bezogen auf die Motivation der Beschäftigten ist es wichtig, Aufgaben des Betrieblichen Gesundheitsmanagements in das bestehende Arbeitspensum zu integrieren und nicht als Zusatzaufgabe zu deklarieren. Auch ergibt sich eine hohe Motivation für die Durchführung vor allem dann, wenn die Mitarbeiter/innen selbst in die Gestaltung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements eingebunden werden.

Methoden und Vorgehensweisen: Als Informationsstrategie bieten sich Besprechungen und Diskussionsrunden an, diese können mit schriftlichen Informationen über Mail, Flyer, Intranet, Newsletter, schwarze Bretter ergänzt werden. An Informationsveranstaltungen anschließend sollten Prozesse angestoßen werden, die den Beschäftigten den Nutzen in der jeweiligen konkreten Arbeitsumgebung deutlich werden lässt, z.B. über Workshops (möglicherweise auch unter Einbezug der Eltern).

(b) Inhaltsplanung durch Bedarfserhebung, Zielformulierung und Maßnahmenplanung

Nach einer Bestandsaufnahme bereits vorhandener Materialien wie z.B. Krankenstatistiken, Anforderungen zur Arbeitsplatzgestaltung oder Ergebnisse von Mitarbeiter/-innenbefragungen sollte die aktuelle gesundheitliche Situation der Mitarbeiter/innen sowie das Arbeitsunfähigkeitsgeschehen in der Kindertagesstätte analysiert werden. Hieraus lassen sich konkrete, realistische und überprüfbare Ziele festlegen, an welchen in einem späteren Schritt der Erfolg gemessen werden kann. Analyse-Ergebnisse und erarbeitete Ziele sind nun Ausgangsbasis für eine langfristige Strategie und Planung. In einer Kindertagesstätte empfiehlt es sich in extern moderierten Workshops die Belastungssituation ergänzend zu erfassen und Ziele gemeinsam zu entwickeln.

Methoden und Vorgehensweisen: z.B. Befragung zu physischen und psychischen Belastungen am Arbeitsplatz und Veränderungswünschen zur Verbesserung der Arbeitssituation, gemeinsamer Workshop zur Festlegung gesundheitsbezogener Bedarfe nach Wichtigkeit sowie Zielformulierung, Berücksichtigen des Themas Gesundheit in Leitbild und Organisationszielen, Etablierung eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses zum Thema Gesundheit, Kommunikation.

(c) Bereitstellung von Ressourcen, Organisation und Verantwortlichkeiten

Auch bezogen auf das finanzielle Budget sollte Kontinuität und Nachhaltigkeit im Vordergrund stehen und nicht eine kostenintensive Aktion zu Beginn Ressourcen für einen langen Zeitraum verbrauchen lassen. Die konkreten Prozesse, die sich aus den jeweiligen Arbeitsschritten wie z.B. Bedarfserhebung, Maßnahmenauswahl, Umsetzung, Controlling, Beteiligung ergeben, benötigen ebenfalls organisatorische Ressourcen und sollten an konkrete Personen gebunden sein. Die Steuerung des Budgets kann in einer Kindertagesstätte bei der Leitung, aber auch bei einer verantwortlichen Gruppe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern liegen. Unterstützung kann auch bei Krankenkassen und Berufsgenossenschaften angefragt werden.

Methoden und Vorgehensweisen: Ressourcenfestlegung, Ausgabenvereinbarung, Klärung von Verantwortlichkeiten, Integration in organisationsinterne Handbücher, Kontaktsuche zu zuständigen Krankenkassen und Berufsgenossenschaften, Konzept- und Beratungsgespräche und gemeinsame Vereinbarungen.

(d) Gesundheitsgespräche zwischen Leitungskräften und Beschäftigten

In einem Gesundheitsgespräch zwischen Leitungskraft und Mitarbeiter/in können in vertraulichem Rahmen Maßnahmen bezogen auf das individuelle Gesundheitsverhalten oder konkrete Arbeitsbedingungen vereinbart werden. Es dient damit dem Ziel, Gesundheit und Leistungsvermögen der Mitarbeiterin/des Mitarbeiters zu schützen oder zu verbessern und ist eine besondere Maßnahme des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Inhaltlich orientiert sich das Gesundheitsgespräch an den Bereichen Tätigkeit, Umgebung, Arbeitsklima, Arbeitsorganisation, Teamverhalten, Führungsverhalten und Gesundheitsverhalten. Ergebnisse können Veränderungen am Arbeitsplatz, die Vermittlung in Netzwerke (wie z.B. Suchtberatung) oder die Nutzung von Präventionsangeboten (z.B. von Krankenkassen) sein. Wichtig ist, auf nachhaltige und dauerhafte Verbesserungen zu zielen.

Methoden und Vorgehensweisen: Einbinden in organisatorische Abläufe, Prozess Gesundheitsgespräch: Einladung, Ziele, Bestandsaufnahme, Veränderungsbedarf, Gesprächsabschluss mit Vereinbarungsprotokoll, nachhaltige Vereinbarung zu einem späteren Feedback treffen.

(e) Wirkungsbewertung des BGM in der Kindertagesstätte durch kontinuierliches Controlling

Bereits in der Planungsphase sollte über ein Instrumentarium nachgedacht werden, wie die durchgeführten Maßnahmen und eingesetzten Ressourcen bewertet werden können, um zu überprüfen, ob die Planungen wie beabsichtigt umgesetzt wurden (formative und summative Evaluation). Dies erfordert neben der Dokumentation der Aufwendungen auch eine Definition und Priorisierung der Ziele sowie die Bewertung einzelner Maßnahmen durch Kennzahlen, Bewertungen oder Feedbacks.

Methoden und Vorgehensweisen: zeitnahe Dokumentation, regelmäßige Beschäftigtenbefragungen, strukturierte Workshops zur Einschätzung und Bewertung bisheriger Aktivitäten, Prüfen von Teilnahmezahlen, Auswerten von schriftlichen Teilnahme-Rückmeldungen und -Bewertungen durch Feedback-Bögen.

Ergänzende Arbeitshilfen

Merkblatt: Durchsetzung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes

Was ist zu tun, wenn Mitarbeiter/innen sich nicht an die Vorgaben zum Arbeits- und Gesundheitsschutz halten? Das Merkblatt zeigt, welche Sanktionsmittel dem Arbeitgeber in diesem Fall zur Verfügung stehen. Dokument herunterladen

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