Abschnitt: Die Kita als Organisation → Gesundheitsmanagement
 

So hängen Arbeitsbedingungen und Gesundheit zusammen

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Multidimensionales Verständnis von Gesundheit

Gesunde Beschäftigte stellen (auch) in Kindertageseinrichtungen eine wichtige Basis für erfolgreiches Arbeiten dar. Was mit »gesund« gemeint ist, hat sich jedoch in der Vergangenheit gewandelt. Gesundheit wird heute verstanden als »ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur [als] Fehlen von Krankheit oder Gebrechen« (WHO, 2014). An diesem Zitat wird deutlich, dass »gesund« nicht mehr lediglich »nicht krank« bedeutet, sondern stattdessen ein Konzept einer dynamischen Wechselbeziehung betrachtet wird, das körperliche, geistige, seelische und soziale Dimensionen berücksichtigt. So zeigt sich, in Abgrenzung zu einem bio-medizinischen Krankheitsmodell (das Gesundheit und Krankheit als strikte Gegenpole versteht und wesentlich im 19. Jahrhundert geprägt wurde), inzwischen vermehrt dieser multidimensionale Ansatz.

Nach diesem Verständnis werden, neben einer beeinträchtigungsfreien körperlichen Funktionalität, daher nun auch kognitive Kompetenzen, Beziehungs-, Emotions- und Konfliktfähigkeit sowie gesellschaftliche Integration, Umweltbedingungen und materielle Sicherheit als Faktoren mitberücksichtigt (Lützenkirchen, 2005) und damit eine salutogenetische Sichtweise (Antonovsky, 1997) in den Mittelpunkt gestellt. Gesundheit wird somit auch verstanden als gelungene Bewältigung von inneren und äußeren Anforderungen und nimmt Aspekte wie Veranlagung, Persönlichkeit und Belastbarkeit (Beispiele für innere Anforderungen) genauso in den Blick wie sozioökonomische Faktoren, Arbeitsbedingungen und soziale Einbindung (Beispiele für äußere Anforderungen).

Dieser Erklärungsansatz von Gesundheit (bzw. Krankheit) aus dem Verhältnis von Belastung und Ressourcen heraus lässt auch bei Organisationen und Betrieben ein Bewusstsein für mögliche Gesundheitsressourcen (wie z.B. Selbstwirksamkeit, Teilhabe, Bildung) entstehen, die dabei unterstützen, physische und psychische Belastungen bei Beschäftigten zu überwinden. Des Weiteren resultiert daraus, dass die Gesundheit von Beschäftigten, auch forciert durch den Fachkräftemangel, als strategische Schlüsselressource verstanden wird, die immer stärker gefördert und geschützt wird.

Hier greift das Konzept des betrieblichen Gesundheitsmanagements, mit welchem gesundheitliche Belastungen von Beschäftigten erkannt sowie die Bewältigung unterstützt werden soll. Dies erfolgt u.a. auch durch gezielte und individuell zugeschnittene Angebote und Maßnahmen, die gleichzeitig auch Motivation und Arbeitsqualität verbessern können und damit Gesundheit zu einem integralen Bestandteil von Arbeits- und Managementprozessen werden lassen.

Belastungen von pädagogischen Fach- und Leitungskräften in Kitas als Arbeitsort

Kindertagesstätten sind Entwicklungs- und Lernorte für Kinder, aber auch Arbeitsorte für die dort Beschäftigten. Bei der Erfüllung ihres Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsauftrags sollte daher, neben dem Wohl des Kindes, auch die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter berücksichtigt werden. So lassen sich aus geführten Diskussionen zu Bereichen der Qualitätsentwicklung und Gesundheit zum Beispiel Fragestellungen ableiten, welche auch gesundheitsbezogenen Maßnahmen mit dem Kita-Auftrag verbunden sind, oder auch, wie diese die pädagogische Qualität stärken können o.ä.

Wenn mit der Einführung von Bildungsplänen und dem Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz zwei konkrete Beispiele aufgeführt werden, so wird daran deutlich, wie sich durch Gesellschaft und Politik An- und Herausforderungen an das Berufsfeld Kita und damit an die berufliche Tätigkeit von Kita-Beschäftigten verändert haben. Hinzu kommt eine teils verschärfte Marktsituation, so dass neben Betreuungs- und Erziehungsaufgaben auch die Auseinandersetzung und Beschäftigung mit managementbezogenen Themen, Wettbewerb und Zertifizierungen erforderlich ist. Gesteigerte pädagogische Ansprüche wie Entwicklungsdokumentation oder Sprachförderung können als weitere Aspekte aufgeführt werden, um aufzuzeigen, wie bzw. dass Veränderungen auch weiterhin zu erwarten sind.

Gesundheitliche Belastungen und Ressourcen am Arbeitsplatz Kindertageseinrichtung wurden bereits ausführlich in Studien erhoben und in diesem Zusammenhang auch das Wechselverhältnis von Arbeitsbedingungen, Gesundheit und Arbeitsfähigkeit pädagogischer Fach- und Leitungskräfte analysiert (Viernickel/Voss, 2013; Schreyer et al., 2014). In den Ergebnissen wird deutlich, dass schlechte Arbeitsbedingungen mit Risiken für Gesundheit und Arbeitsfähigkeit einhergehen und ein betriebliches Arbeitsschutz- und Gesundheitsmanagement, das Verantwortungs- und Interventionsebenen einbezieht und persönliche Ressourcen und Belastungen im Blick behält, nicht nur sinnvoll, sondern auch erforderlich ist.

Bezogen auf die Ursachen für Erkrankungen sollte darüber hinaus beachtet werden, dass sich zum Beispiel neben möglicherweise aus körperlicher Arbeit resultierenden Muskel-Skelett-Erkrankungen als weitere Ursachen für Erkrankungen Dimensionen des Betriebsklimas (z.B. Beziehungen zu Vorgesetzten, Arbeitsklima, Organisation, Informationsfluss und Mitsprache) ebenfalls häufig zeigen (Badura et al., 2017). Deutlich werden damit Zusammenhänge zwischen Arbeitsbedingungen und Gesundheit und Arbeitsfähigkeit von pädagogischen Fach- und Leitungskräften am Arbeitsplatz Kita – und damit ein weiteres Argument, welches die Relevanz für die Entwicklung von Kindertageseinrichtungen hin zu gesundheitsfördernden Organisationen unterstreicht.

Literatur

Antonovsky A. (1997): Salutogenese, Tübingen: Dgvt-Verlag.

Badura, B./Ducki, A./Schröder, H./Klose, J./Meyer, M. (2017): Fehlzeiten-Report 2017. Krise und Gesundheit. Ursachen, Prävention, Bewältigung. Berlin Heidelberg: Springer.

Lützenkirchen, A. (2005): Soziale Arbeit im Gesundheitswesen. Zielgruppen – Praxisfelder – Institutionen. Stuttgart: Kohlhammer.

Schreyer, I./Krause, M./Brandl, M./Nicko, O. (2014): AQUA. Arbeitsplatz und Qualität in Kitas. Ergebnisse einer bundesweiten Befragung. München: Staatsinstitut für Frühpädagogik.

Viernickel, S./Voss, A. (2013): STEGE. Strukturqualität und Erzieher_innengesundheit in Kindertageseinrichtungen. Wissenschaftlicher Abschlussbericht. Alice Salomon Hochschule Berlin.

WHO World Health Organization (2014): Verfassung der Weltgesundheitsorganisation. Unterzeichnet in New York am 22. Juli 1946.

Ergänzende Arbeitshilfen

Prüffragen: Gesundheitssituation in der Kita

Mithilfe der in der Arbeitshilfe zusammengestellten Prüffragen nehmen Sie eine Bestandsanalyse der aktuellen Gesundheitssituation in Ihrer Kita vor. Dokument herunterladen

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