Abschnitt: Finanzen und Haushalt → Leistungsorientierte Vergütung
 

Wie Kitas organisiert sind

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Kitas als Sozialunternehmen im Wirtschaftskreislauf

Sozialunternehmen wie z.B. Kindertagesstätten haben im Wirtschaftskreislauf eine besondere Stellung. Ihre indirekte Finanzierung erfolgt grundsätzlich im Rahmen des sozialrechtlichen Dreiecksverhältnisses zwischen Sozialleistungsträger, Leistungsempfänger/-innen und Leistungserbringer/-innen. Die Leistungsempfänger/-innen (die Hilfesuchenden) haben Anspruch auf eine Leistung (z.B. Bildung und Betreuung von Kindern), der Kostenträger (z.B. Jugendamt) gewährt diese und der Leistungserbringer bzw. soziale Dienstleister (z.B. Kindertagesstätte) erbringt bzw. organisiert diese unmittelbar (Kolhoff, 2017). Der Leistungsträger finanziert die in den Sozialgesetzen definierten Aufträge aus den vom Staat bereitgestellten Haushaltsmitteln (z.B. Steuern und Sozialabgaben). Die Finanzierung der Leistungserbringung erfolgt über Sach- oder Geldleistungen indirekt an die die Leistungen erbringenden Sozialunternehmen oder ggf. direkt an die Leistungsempfänger/-innen selbst (z.B. Leistungsentgelt, persönliches Budget, Gutscheine, Selbstzahler). Um handlungsfähig zu sein, müssen Sozialunternehmen bestimmte Produkte und Dienstleistungen von anderen Unternehmen einkaufen (z.B. Büro- und Geschäftsausstattung, Spielgeräte etc.) und rekrutieren Fachkräfte vom Arbeitsmarkt.

Finanzierung freier Träger im Rahmen des Welfare-Mix

Die Organisation und Verwaltung von Kindertagesstätten in freier Trägerschaft ist letztlich durch einen Finanzierungsmix geprägt. Neben den Leistungsentgelten vom Kostenträger (indirekte Subjektfinanzierung) oder öffentlichen Zuwendungen bzw. Zuschüssen (Objektfinanzierung; z.B. über Projekt- oder institutionelle Förderung), müssen Kitas ihren Finanzierungsbedarf immer öfter auch aus nicht-öffentlichen Mitteln wie z.B. Stiftungsgelder, Spenden, Elternbeiträge, Vereinsbeiträge und ggf. auch kirchlichen Zuwendungen bestreiten. Weiterhin spielen das Sponsoring oder anderen Fundraising-Aktivitäten eine wichtige Rolle. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist schließlich die Selbstfinanzierung durch Überschüsse aus erwirtschafteten Gewinnen, Vermögensumschichtungen etc. mit zu bedenken.

Finanzierung von Kitas in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft

Diese Zielstellungen sind mittlerweile aber nicht nur relevant für freie Träger der Wohlfahrtspflege, sondern auch für die sozialen Einrichtungen in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft (z.B. kommunale Kindertageseinrichtungen). Die öffentliche Hand gibt bestimmte Ziele für die Leistungserstellung vor, wobei stets auch auf die Wirtschaftlichkeit der Aufgabenerledigung geschaut und die öffentlichen Rahmenbedingungen (z.B. Tarifrecht, Vergaberecht etc.) mitbeachtet werden müssen. Seit den 1990er Jahren wird in der öffentlichen Verwaltung das Neue Steuerungsmodell (NSM) umzusetzen versucht. Dabei stehen die Aspekte einer outputorientierten Steuerung, Förderung von wirtschaftlichem Wettbewerb und Effizienz, dezentrale Führung und Organisation, Controlling anhand öffentlicher Leistungsbeschreibungen, Budgetierung und Kontraktmanagement im Vordergrund, was nicht zuletzt zu einer vielerorts diskutierten »Ökonomisierung des Sozialen« mit allen Vor- und Nachteilen beigetragen hat.

Im Kontext der mehr oder weniger ausdifferenzierten Finanzierung von Kindertagesstätten stellt das personalwirtschaftliche und organisatorische Ziel einer leistungsorientierten Bezahlung von Fach- und Führungskräften eine besondere Herausforderung und unhintergehbare Bedingung für deren zukünftige Entwicklung dar.

Konzept der leistungsorientierten Vergütung

Die Leistungsorientierte Vergütung

Bei der leistungsorientierten Vergütung (auch: Bezahlung, Leistungsentgelt) handelt es sich um eine direkte oder indirekte Form der Entlohnung von Mitarbeitenden, entsprechend der variable Lohn- bzw. Gehaltsbestandteile je nach erbrachter Leistung ausbezahlt werden (»Pay per Performance«). Vor dem Hintergrund der Personalführung und -entwicklung werden intrinsisch wirkende Anreize mit extrinsisch wirkendenden verbunden. Im Zusammenhang mit anderen Anreizsystemen soll die leistungsorientierte Vergütung in erster Linie zur Steigerung der Motivation und Leistung der Fach- und Führungskräfte und damit verbunden der Produktivitäts- und Effektivitätssteigerung der gesamten Einrichtung beitragen (klassische Formen: Akkord- und Prämienlohn, Zeitlohn mit Leistungszulage). Finanzielle Mittel werden dafür eingesetzt, um einerseits Anreize zu setzen und andererseits die hervorgebrachte Arbeitsleistung zu belohnen. Der komplexe Zusammenhang zwischen Motivation und Leistung wird im Rahmen von leistungsorientierten Vergütungen durch die individuellen Motive und das Motivationspotential der Arbeitstätigkeit zu steuern versucht. Die Beurteilung der Arbeitsleistung erfolgt in der Regel von der Führungskraft bzw. Einrichtungsleitung. Sie kann entweder auf Individuen oder Gruppen bezogen werden. Gainsharing ist beispielweise eine leistungsorientierte Vergütung in der Gruppenarbeit, wobei Mitarbeitende eine Entlohnung u.a. in Abhängigkeit von erzielten Einsparungseffekten oder aufgrund der Reduktion von Beschwerden erhalten können (Welbourne/Gomez Mejia, 1995). In einem engen Zusammenhang mit der leistungsorientierten Vergütung steht auch die Erfolgsbeteiligung als variable Vergütung (z.B. Ertrags-, Gewinn-, Kapitalbeteiligung), auf die hier nicht weiter eingegangen werden soll, wenngleich zu den Zielen leistungsorientierter Vergütungssysteme auch die Förderung mitunternehmerischen Denkens und Handelns gehört.

Literatur

Kolhoff, L. (2017): Finanzierung der Sozialwirtschaft: Eine Einführung, Wiesbaden, Springer VS.

Welbourne, T.M./Gomez Mejia, L.R. (1995): Gainsharing: A critical review and a future research agenda (CAHRS Working Paper #95–10), Ithaca, NY, Cornell University, School of Industrial and Labor Relations, Center for Advanced Human Resource Studies. URL: http://digitalcommons.ilr.cornell.edu/cahrswp/200

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