Abschnitt: Finanzen und Haushalt → Kosten der Kindertagesbetreuung
 

Das Verpflegungsgeld und seine Herausforderungen für Sie

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In den Kitas und der Kindertagespflege ist es mittlerweile zur Normalität geworden, dass ein Mittagessen angeboten wird, was mit 74 % aller Kinder in Kindertagesbetreuung auch von der Mehrzahl der Kinder in Anspruch genommen wird.

Höhe der (Mittags-)Verpflegungskosten

Für die Teilnahme an der Verpflegung müssen die Familien meist einen zusätzlichen monatlichen Beitrag zahlen, der in den meisten Ländern durch ihre Gesetze legitimiert ist. Dabei wird nur in Brandenburg eine Aussage über die Höhe der Kosten getroffen, die mit dem Hinweis auf die durchschnittlich ersparten Eigenaufwendungen in der Familie allerdings auch eher vage bleibt. Darüber hinaus haben die Stadtstaaten Mittagsverpflegungskosten festgelegt, die aktuelle Höhe jedoch nicht ins Landesgesetz aufgenommen: In Berlin werden derzeit Kosten in Höhe von monatlich 23 € (Berlin, 2017) und in Bremen 35 € pro Monat für die Teilnahme an der Mittagsverpflegung erhoben (Anlage zu § 3 Abs. 2, 4 Ortsgesetz über die Beiträge für die Kindergärten und Horte der Stadtgemeinde Bremen). Folglich kostet ein Mittagessen in einer Berliner Kita 1 € und in Bremer Kitas rund 1,50 €. Hamburg nimmt hinsichtlich der Mittagsverpflegungskosen noch eine weitere Sonderstellung ein: Es ist aktuell das einzige Land, in dem die Familien keine Kosten für das Mittagessen in der Kindertagesbetreuung zahlen müssen.

Darüber hinaus liegen einzelne – allerdings bereits für dieses dynamische Feld verhältnismäßig alte – Befragungsergebnisse vor, die darauf hinweisen, dass die Mittagsverpflegungskosten 2013/14 im Schnitt zwischen 2,40 und 2,50 € pro Mahlzeit – also bei rund 55 € im Monat lagen (Arens-Azevedo/Pfannes/Tecklenburg, 2014, Meiner, 2014). Etwas höhere Summen ergeben aktuelle Analysen der Statistik zu den übernommenen Mittagsverpflegungskosten von unter 6-jähringen Asylbewerberleistungsempfänger/innen. Für diese Kinder wurden zwischen Januar 2016 und Juni 2017 im Schnitt Kosten in Höhe von zwar zunächst lediglich 38 € pro Monat bzw. etwa 1,70 € pro Mahlzeit übernommen. Zusätzlich müssen sich ihre Familien aber mit 1 € pro Mahlzeit beteiligen, sodass die Kosten im Mittel bei 2,70 € pro Mahlzeit liegen.

Im Unterschied zu den Elternbeiträgen werden die Mittagsverpflegungskosten i.d.R. nicht sozial gestaffelt und vielfach auch kostendeckend erhoben. Darüber hinaus ist aus der Praxis bekannt, dass teilweise für die Versorgung mit Getränken zusätzliche Kosten eingefordert werden und dass es Kitas gibt, die die Verpflegung für alle Mahlzeiten während ihrer Öffnungszeit anbieten. Nutzen Familien dieses Angebot, müssen sie entsprechend höhere Beiträge für die Verpflegung zahlen.

Diese Kostenheranziehung der Familien ist allerdings wenig nachvollziehbar, wenn man sich die in den Bildungsplänen der Länder zugesprochene hohe Bedeutung der Ernährungserziehung vergegenwärtigt. Darin wird die gemeinsame Versorgung mit Nahrungsmitteln als pädagogische Situation verstanden, die vielfältige Potenziale bereithält wie dem Erlernen des Umgangs mit Nahrungsmitteln, einer gesundheitsbewussten Lebensweise und der Vermittlung von Ritualen. Mit der Kostenbeteiligung der Eltern an diesem Angebot wird ein Teil der pädagogischen Inhalte aus dem Elternbeitrag, der das Gesamtpaket der Kindertagesbetreuung umfassen soll, ausgegliedert. Gleichzeitig wird durch die Übernahme der Verpflegungskosten durch die Familien eine Zugangsbarriere zu diesem pädagogischen Angebot erzeugt.

Beantragung der Kostenübernahme und von Zuschüssen

Für einen eingeschränkten Kreis an Familien besteht die Möglichkeit, dass die Kosten für die Mittagsverpflegung in den Kitas – mit Ausnahme von 1 € Eigenbeteiligung pro Mahlzeit – übernommen werden. Familien mit Bezug von Existenzsicherungsleistungen (d.h. SGB II, SGB XII oder AsylbLG) sowie Kinderzuschlags- und/oder Wohngeldbezieher/innen können einen entsprechenden Antrag auf Kostenübernahme über die Leistungen für Bildung und Teilhabe stellen, die im allgemeinen Sprachgebrauch auch als Bildungs- und Teilhabepaket bezeichnet werden. Damit wird der Versuch unternommen, die finanziellen Hürden der Inanspruchnahme dieses Angebotes für Familien mit geringen Einkommen zu reduzieren.

Herausforderungen für die Einrichtungen

Für Fachkräfte in den Kitas ergeben sich daraus mehrere Herausforderungen, die auf verschiedenen Ebenen angesiedelt sind. Mit Blick auf den pädagogischen Alltag besteht die größte Herausforderung darin, die Situation für alle Seiten angemessen zu bewältigen, wenn Familien den monatlichen Beitrag für die Mittagsverpflegung nicht bezahlt haben und ihre Kinder trotzdem für das Mittagessen angemeldet sind. Dafür können ganz unterschiedliche Gründe ursächlich sein. Je nach Umgang der Fachkräfte mit dieser Situation können die Kinder Ausgrenzungserfahrungen erleben bis hin dazu, dass Strategien entwickelt werden, um die Situation der Eltern zu berücksichtigen und den Kindern gleichzeitig die Teilnahme am Angebot ohne stigmatisierende Erlebnisse zu ermöglichen.

Um finanziell deprivierte Familien bei der Bewältigung ihrer finanziell zum Teil belastenden Situation zu unterstützen, können die Fachkräfte Familien, die Anspruch auf die Leistung des Bildungs- und Teilhabepakets haben, über ihre Rechte und Ansprüche informieren und auf die Kostenübernahmemöglichkeit hinweisen. Das führt vor allem deshalb zu hohen Herausforderungen, da nicht immer bekannt ist, welche Familien Transferleistungen beziehen, die auch die Anspruchsberechtigung auf das Bildungs- und Teilhabepaket implizieren.

Sprechen die Fachkräfte mit den betreffenden Familien über die Möglichkeit der Beantragung der Kostenerstattung, kann dies wiederum dazu führen, dass diese Familien bei den Fachkräften Unterstützung bei der Antragstellung suchen, wenn Schwierigkeiten dabei auftreten. Die Fachkräfte müssen in diesen Fällen entscheiden, ob sie diese Aufgabe übernehmen, obwohl sie nicht zu ihrem regulären Repertoire gehört, oder ob sie dies ablehnen und möglicherweise dazu beitragen, dass die Kinder nicht an den Mahlzeiten inklusive des damit verbundenen pädagogischen Angebotes teilnehmen können.

Literatur

Arens-Azevedo, U./Pfannes, U./Tecklenburg, E. (2014): Is(s)t KiTa gut? KiTa-Verpflegung in Deutschland: Status quo und Handlungsbedarfe, Bertelsmann Stiftung, Gütersloh. URL: https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/Graue Publikationen/GP_Isst_Kita_gut.pdf

Berlin (2017): Kostenbeteiligung an der Kindertagesbetreuung. URL: https://www.berlin.de/sen/jugend/familie-und-kinder/kindertagesbetreuung/kostenbeteiligung/

Meiner, Chr. (2014): Jeder nach seinen Möglichkeiten. Zur finanziell ungleichen Belastung von Familien durch Kindertagesbetreuung in Nordrhein-Westfalen, Dortmund. URL: http://www.forschungsverbund.tu-dortmund.de/fileadmin/Files/Kindertagesbetreuung/Meiner_Jeder_nach_seinen_Moeglichkeiten-Druckversion.pdf

Ergänzende Arbeitshilfen

Muster: Zahlungserinnerung

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