Abschnitt: Anforderungen an die Kitaleitung → Qualifikatorische Anforderungen
 

So entwickeln sich Personalsituation und Leitungstätigkeit strukturell

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Im Arbeitsfeld Kindertageseinrichtungen ist eine Personalexpansion zu beobachten, die auch im Vergleich zu anderen Arbeitsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe außergewöhnlich ist: Von 1990/91 bis 2015 ist die Anzahl aller Beschäftigten bundesweit um 78 % auf insgesamt rund 642.300 gestiegen. Seit 2006 wurden 227.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kitas eingestellt. Das entspricht einem Anstieg von 55 %. Im Jahr 2015 sind ca. 550.000 der mehr als 640.000 Beschäftigten pädagogische Fachkräfte (Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte, 2016).

Im Jahr 2015 gab es bundesweit knapp 51.700 Leitungskräfte in Kindertageseinrichtungen, fast 38 % mehr als 2011. Die Gruppe der Leitungen, die sich ausschließlich mit Führungsaufgaben befasst, hat um 7,8 % zugenommen. Der Anteil der Leitungskräfte mit nur teilweiser Freistellung ist zwischen 2011 und 2015 um 72 % Prozent gestiegen. 11 % der Einrichtungen verfügen über keine Personalkapazitäten für den Bereich der Kitaleitung (Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte, 2016). Insgesamt zeichnet sich also sowohl im Bereich des beschäftigten Personals als auch unter den Leitungen ein personeller Anstieg an und es deutet sich zudem ein erhöhter Personalbedarf an.

Die Altersverteilung von Fachkräften in der Kindertagesbetreuung zeigt auf, dass 40 % der Fachkräfte 45 Jahre oder älter sind. Mehr als 150.000 Fachkräfte sind 50–65 Jahre alt. Innerhalb der nächsten 10 Jahre wird hier ein hoher Personalbedarf entstehen, der nur zum Teil durch die bereits erwartbaren Absolventen und Absolventinnen gedeckt wird (Rauschenbach/Schilling, 2016).

Nach Modellrechnungen der Bertelsmann-Stiftung wären pro Einrichtung 20 Wochenstunden für Leitung erforderlich, zuzüglich 0,35 Wochenstunden pro in Vollzeit betreutem Kind. Gemäß dieser Annahme wären zusätzlich rund 853.000 Wochenstunden erforderlich, um die empfohlene Leitungszeit in allen Kitas bundesweit zu realisieren. Für die Umsetzung dieser Empfehlung würden mithin rund 21.800 zusätzliche Vollzeitkräfte benötigt (Bertelsmann Stiftung, 2017).

Diese Entwicklungen zeigen an, dass im Bereich der Spezifizierungen von Leitungsaufgaben in mehrfacher Hinsicht noch offene Bedarfe bestehen: Wenn Leitungskräfte zusätzliche Qualifikationen erwerben sollen und die entsprechenden Aufgaben in ihren Tätigkeitsbereich fallen, muss Zeit zur Verfügung stehen, um die Schlüsselrolle der Qualitätsentwicklung auch auszufüllen (Nentwig-Gesemann/Nicolai/Köhler, 2016). Nur eine entsprechende Ausstattung wird auch langfristig absichern, dass sich ausreichend qualifizierte Fachkräfte für die Übernahme von Leitungsaufgaben entscheiden.

Nicht zuletzt muss auf Trägerebene klar bestimmt sein, welche Aufgaben an Leitungen delegiert werden und welche Ressourcen dafür zur Verfügung stehen sollen. Transparenz ist in diesem Zusammenhang insofern von Bedeutung, als dass sowohl Träger als auch Leitungen über Handlungssicherheit bezüglich des Aufgabenumfangs verfügen müssen. Dies ist in Form einer Stellenbeschreibung oder einer schriftlichen Aufgabenfixierung sinnvoll. Nur so ist eine langfristige Zusammenarbeit zu gewährleisten.

Literatur

Bertelsmann Stiftung (2017): Qualitätsausbau in KiTas 2017.

Nentwig-Gesemann, I./Nicolai, K./Köhler, L. (2016): KiTa-Leitung als Schlüsselposition. Erfahrungen und Orientierungen von Leitungskräften in Kindertageseinrichtungen.

Rauschenbach, T./Schilling, M. (2016): Neuer Personalhöchststand in der Kinder- und Jugendhilfe. Die Kinder- und Jugendhilfe ist längst zum eigenen Teilarbeitsmarkt geworden. In: KomDat Kommentierte Daten der Kinder- und Jugendhilfe Nr. 2/2016, S. 1–5.

Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (2016): Fachkräftebarometer. URL: www.fachkraeftebarometer.de

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