Abschnitt: Anforderungen an die Kitaleitung → Qualifikatorische Anforderungen
 

Diese sechs spezifischen Aufgabenbereiche sind für Kitaleitungen besonders wichtig

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Die Qualität der pädagogischen Arbeit in Kindertageseinrichtungen wurde in den letzten Jahren differenziert untersucht und daraus lassen sich verschiedene Qualitätsaspekte ableiten, die inzwischen als breit akzeptiert gelten: Prozessqualität, Orientierungsqualität, Strukturqualität, Kontextqualität und Ergebnisqualität sowie Organisations- und Managementqualität (Viernickel, 2006).

Mit Orientierungsqualität sind die Vorstellungen der Mitarbeiter/innen von Kindern und Kindheiten, ihre Auffassungen zu pädagogischer Arbeit und ihre Wertvorstellungen gemeint. Die Strukturqualität umfasst die strukturelle Ausstattung der Kita wie z.B. den Betreuungsschlüssel, die räumlichen Gegebenheiten und weitere Rahmenbedingungen.

Die Organisations- und Managementqualität bezieht sich auf die Leitung der Einrichtung, auf die Herstellung, Sicherstellung und Weiterentwicklung der Qualität der Kinderbetreuung durch angemessene Managementstrategien.

In der Prozessqualität wirken diese Qualitätsaspekte zusammen: die pädagogischen Interaktionen sind von den Orientierungen der Mitarbeiter/innen, ihrem Management und den strukturellen Rahmenbedingungen abhängig.

Indem die Leitung diese Qualitätsaspekte z.B. durch Personalauswahl und -qualifizierung, durch die Verhandlung und Bereitstellung von Ressourcen, durch die Gewährleistung der Leitbilder und Orientierungen gestaltet, ist sie der zentrale Akteur, diese Qualität zu gewährleisten. Die Leitung hat damit den entscheidenden Einfluss auf das Zusammenspiel innerhalb der Kita und zwischen Kita und weiteren Akteuren wie Träger, Eltern und Sozialraum.

Die Schlüsselrolle der Kitaleitungen mit Blick auf die Gewährleistung der Qualität der Kindertagesbetreuung führt zu spezifischen Aufgaben für die Leitung. Diese leiten sich aus den Qualitätsanforderungen ab. Im Folgenden werden die daraus entstehenden Aufgabenbereiche dargestellt. Die Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte am Deutschen Jugendinstitut hat 2014 Grundlagen für die kompetenzorientierte Weiterbildung von Leitungskräften veröffentlicht. Die folgenden Ausführungen beziehen sich teilweise auf diese Überlegungen (Deutsches Jugendinstitut/Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte, 2014).

Konzeptionelle Aufgaben

Alle Einrichtungen der Kinderbetreuung verfolgen ein spezifisches Konzept, das auch eine Voraussetzung für die Erteilung einer Betriebserlaubnis nach § 45 SGB VIII darstellt. Um ein solches Konzept zu erarbeiten, zu modifizieren und mit Leben zu füllen, ist das Wissen der Leitungskraft notwendig. Die Bildungskonzeption der Einrichtung ist zu einem wesentlichen Bereich Aufgabe der Kitaleitung, und auch deren praktische Umsetzung stellt eine zentrale und kontinuierliche Herausforderung dar. Die Bildungskonzeption muss mit den rechtlichen Rahmenbedingungen übereinstimmen und auch ggf. angepasst oder aktualisiert werden. Auch das Qualitätsmanagement fällt in den konzeptionellen Bereich. Je nach Trägerschaft kann sich die Verantwortung für die Konzeption und das Qualitätsmanagement unterscheiden, die Einhaltung im Alltag ist jedoch in jedem Fall Leitungsaufgabe. Daher gehört es zu den Aufgaben der Kitaleitung, die konzeptionellen Grundsätze bei den Mitarbeiter/innen zu verankern, ihre Umsetzung zu beobachten und gegebenenfalls zu intervenieren. Aber auch die räumliche und zeitliche Gestaltung, also die Gewährleistung der Rahmenbedingungen zur Umsetzung der Konzeption fällt in diesen Bereich.

Die strategische Entwicklung der Einrichtung ist Teil der konzeptionellen Aufgaben und widmet sich der Frage, wie die Einrichtungen auf breitere Entwicklungen im Bildungsbereich oder gesellschaftliche Entwicklungen reagiert. Gesellschaftliche Entwicklungen wie z.B. der demografische Wandel, Migration oder politische Veränderungen wirken auf den Alltag und die Ausrichtung der Kita und es bedarf fachlicher Einschätzung, wie jeweils strategisch darauf reagiert wird. Die Weiterentwicklung des Einrichtungsleitbildes, der Konzepte und die Information über breite Entwicklungen im Bildungsbereich bzw. verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen ist Teil der Leitungsaufgabe.

Aufgaben im Personalbereich

Als Dienstleistungsunternehmen sind Kindertageseinrichtungen wesentlich von einer professionellen Personalorganisation abhängig. In der Regel gehört die Planung des Personaleinsatzes, die Gewinnung und Auswahl von Mitarbeiter/innen und die Führung von Mitarbeiter/innen zu den Aufgaben der Leitung. Hinzu kommen die Rahmenbedingungen der Arbeitssicherheit und des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Angesichts der spezifischen Gesundheitsbelastungen von Erzieher/innen ist dies ein bedeutsamer Bereich, der Spezialwissen erfordert. Kompetenzen der Mitarbeiter/innenführung, auch im Konfliktfall, sind ebenfalls eine wesentliche Anforderung. Nicht zuletzt obliegt der Leitung auch die Organisation von Personalangelegenheiten bei Krankheit, Kündigung oder vorübergehenden Pausen wie Elternzeit oder Beurlaubungen.

Zudem erfordern Veränderungen im Bildungsbereich die kontinuierliche Anpassung und Erweiterung von Wissen und Kompetenzen der Mitarbeiter/innen. Daher ist es auch Aufgabe der Leitung, Wissensvermittlung und -transfer, Fortbildungsorganisation und fachliche Beratung und Begleitung zu organisieren und zu ermöglichen. Die Diversifizierung der Ausbildungswege im Bereich der Kindertagesbetreuung sowie die zunehmende Breite der Anforderungen bringt es mit sich, dass multiprofessionelle Teams entstehen. Auch hier entstehen neue Aufgaben des Personalmanagements für Leitungen.

Aufgaben der Organisation

Neben der Personalorganisation ist auch die Gestaltung der Aufbau- und Ablauforganisation der Einrichtung sowie die organisationale Anbindung an den Träger Aufgabe der Leitung. In diesem Bereich ist die organisatorische Betriebsleitung zu verorten. Kitaleitungen achten darauf, dass organisationale Rahmenbedingungen eingehalten werden, darunter fallen rechtliche und strukturelle Vorgaben wie der Datenschutz, Dienstpläne unter arbeitsrechtlichen Vorgaben, Wahrung des Datenschutzes und Einhaltung von hygienischen Vorschriften wie der Lebensmittelhygiene. Nicht zuletzt bedarf es auch der Strukturierung von Abläufen zur Sicherung des Kinderschutzes bzw. zur Handlungssicherheit für die Fachkräfte.

Ressourcen

Je nach finanzieller Ausgestaltung der Einrichtung können unterschiedliche Aufgaben im Bereich Ressourcen entstehen. Dies kann über die Aushandlung von Ressourcen mit dem Träger, Fundraising oder Beantragung von Mitteln erfolgen. Hinzu kann die finanzielle Verwaltung der Ressourcen kommen. Je nach Trägerschaft wird die finanzielle Verwaltung von Kindertageseinrichtungen zentral bearbeitet oder ausgelagert. Zunehmend werden finanzielle Mittel auch durch den Bund bereitgestellt, etwa indem bestimmte Schwerpunktprogramme gefördert werden. Dies kann die gesonderte Abrechnung von Fördermitteln erfordern. Es gibt Kindertageseinrichtungen, die die finanzielle Verwaltung und Buchung vor Ort an die Leitung delegieren. Für all diese Aufgabengebiete benötigen Leitungen spezifisches Wissen zur finanziellen Verwaltung, zu Fundraising und Vereinsrecht.

Selbstmanagement

Verschiedene Erhebungen zeigen, dass Leitungen von Kitas überwiegend nur teilweise für ihre Leitungsaufgaben freigestellt werden. Insbesondere in kleineren Einrichtungen mit bis zu 40 Kindern ist ein Großteil der Leitungen nicht freigestellt. Das Management von Kindertageseinrichtungen ist also einer von wenigen Arbeitsbereichen, der unter Umständen nicht als eigener Aufgabenbereich gilt, sondern im Rahmen allgemeiner Tätigkeiten von Erzieher/innen mit erledigt werden soll. Dies kann zu einer erhöhten Stressbelastung führen. Da gerade Leitungen eine relevante Rolle in der Qualitätssicherung spielen, ist es wichtig, dass sie in der Lage sind, aufkommende Belastungen nicht ›weiterzugeben‘, sondern im Rahmen von Zeit- und Selbstmanagement, von Arbeitsorganisation und -delegation zu bewältigen.

Zusammenarbeit

Als Bildungseinrichtung im Sozialraum stellt die Kita einen wichtigen Ort der Vernetzung und Zusammenarbeit dar. Fthenakis et al. (2003) nennen die Gestaltung der Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit Eltern und Familien sowie die gemeinwesenorientierte Vernetzung und Kooperation als eine Dimension der Anforderung an die Leitung von Kitas. Diese Dimension lässt sich im Aufgabenbereich Zusammenarbeit abbilden. Kitaleitungen sind daher für die Gestaltung der Zusammenarbeit mit dem Träger, mit den Eltern und den angrenzenden Bildungseinrichtungen (wie z.B. Grundschulen) oder Beratungseinrichtungen zuständig. Hinzu kommt die Zusammenarbeit im Team und im Sozialraum. »Leitungen kommt in der Teamentwicklung eine besondere Rolle zu, denn von ihrer Haltung, ihrem Aufgabenverständnis und ihrem Führungsstil hängt es ab, wie sich die Teamzusammenarbeit entwickelt« (Löhe/Schmid, 2017). Für die Zusammenarbeit mit diesen Akteuren ist es notwendig, über Fähigkeiten im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und der öffentlichen Darstellung pädagogischer Konzepte und Zielsetzungen sprachfähig zu sein.

Literatur

Deutsches Jugendinstitut/Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (Hrsg.) (2014): Leitung von Kindertageseinrichtungen. Grundlagen für die kompetenzorientierte Weiterbildung, Band 10., München.

Fthenakis, W. E. et al. (Hrsg.) (2003): Träger zeigen Profil. Qualitätshandbuch für Träger von Kindertageseinrichtungen, Weinheim.

Löhe, J./Schmid, M. (2017): Teamentwicklung und Zusammenarbeit im Team., In: Skalla, S. (Hrsg.): Handbuch für die Kita-Leitung, Köln, S. 239–258.

Viernickel, S. (2006): Qualitätskriterien und -standards im Bereich der frühkindlichen Bildung und Betreuung, Remagen.

Ergänzende Arbeitshilfen

Übersicht: Inhalte einer Stellenbeschreibung für Kita-Leitungen

Stellenbeschreibungen beinhalten das Aufgabenspektrum, das mit einer bestimmten Tätigkeit verbunden ist. Diese Übersicht listet Aufgabenbereiche von Kita-Leitungen auf, die Sie nach Bedarf in Ihre Stellenbeschreibungen übernehmen können. Dokument herunterladen

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