Abschnitt: Anforderungen an die Kitaleitung → Qualifikatorische Anforderungen
 

Warum Sie auf diese fünf Kompetenzbereiche besonders achten sollten

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Die Aufgabenbereiche der Kitaleitung sind umfassend und betreffen sowohl sozial- und erziehungswissenschaftliche Disziplinen als auch Fähigkeiten und Wissen im Bereich Management und Führung. Die Aufgaben lassen sich in den folgenden vier Kompetenzbereichen abbilden:

  • Frühpädagogik und Elementardidaktik,

  • Sozialwissenschaft und Gesellschaft,

  • Betriebswirtschaft im Non-Profit-Bereich und Personalführung,

  • Kommunikation.

Frühpädagogik und Elementardidaktik

Als Schlüsselfiguren der pädagogischen Qualität einer Einrichtung sollten Einrichtungen über umfassendes und vertieftes Wissen im Bereich der Frühpädagogik und Elementardidaktik verfügen. Diese Qualifikation erwerben sie durch eine Ausbildung als Erzieher/in oder ein Studium der Kindheitspädagogik. Hierbei ist von hoher Bedeutung, dass die Leitungen unterschiedliche pädagogische Konzepte kennen und auch über Vorschläge, Ideen und Beispiele der Umsetzung verfügen.

Dieses Wissen sollte kontinuierlich vorhanden sein und durch Kontakte nach außen aktualisiert werden (auch durch eine Qualitätsbegleitung, Reflexion oder pädagogische Supervision). Die konzeptionelle Ausrichtung der Einrichtung beeinflusst die Prozessqualität. Der Einfluss der Leitungskräfte auf die Prozessqualität erfolgt durch ihren Einfluss auf die täglichen Prozesse, aber auch durch ihre Haltung gegenüber pädagogischen Konzepten. Die steigenden Anforderungen an die Bildungsqualität in Kindertageseinrichtungen beinhalten, dass nicht nur Leitungen, sondern alle pädagogischen Fachkräfte über aktuelles Wissen verfügen.

Sozialwissenschaft und Gesellschaft

Als Akteurinnen und Akteure im Sozialraum und um die Prozesse der Zusammenarbeit mit Eltern und anderen gesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren zu gestalten, benötigen Leitungen grundlegende Kenntnisse über gesellschaftliche Akteure und sozialen Wandel. Dies gilt auch für die Einschätzung von Trends und Entwicklungen. Nicht zuletzt bietet das Wissen zu gesellschaftlichen Entwicklungen eine Möglichkeit der Selbstreflektion der Einrichtungen. Dies kann helfen, pädagogische Prozesse auch unter wechselhaften Strömungen aufrecht zu erhalten und davor bewahren, sich allen Anforderungen blind zu unterwerfen. Gerade Bildungsinstitutionen sind mit zahlreichen wechselnden Desideraten von außen konfrontiert, so zum Umgang mit Inklusion, Kinderschutz, Armut, Migration, gendergerechten Erziehungsanforderungen, Ernährungsspezifika etc.

Zunehmend heterogene gesellschaftliche Gruppen und damit verbundene ungleiche Bedingungen des Aufwachsens erfordern seitens der pädagogischen Fachkräfte ein umfassendes Wissen zu gesellschaftlichen Prozessen sozialer Ungleichheit, zu Diversität und Inklusion. Kitas sind die ersten und wichtigsten Akteure, die der Ungleichheit im Bildungswesen entgegenwirken. Explizite und reflektierte Haltungen und Handlungsweisen im Bereich Inklusion, aber auch zu Rassismus und Menschenfeindlichkeit müssen seitens der Leitung initiiert und vertreten werden.

Betriebswirtschaft im Non-Profit-Bereich und Personalführung

Die oben dargestellten Aufgabenbereiche zur Ressourcenverwaltung und -bewirtschaftung erfordern praktisch anwendbares Wissen zu betriebswirtschaftlichen Vorgängen. Dabei zeichnet sich die Kita dadurch aus, dass es sich um eine personenbezogene Dienstleistung in der Regel im Non-Profit-Bereich handelt. Hierfür bedarf es spezifischer Kenntnisse auch über Vereinsrecht, Gesellschaftsrecht, Sozialmarketing und Fundraising. Leitungen sollten handlungssicher sein, um ihr Handeln auch gegenüber anderen vertreten zu können oder aber um extern verwaltete Prozesse zu überblicken. Zusammenfassend wären diese Kenntnisse im Bereich Sozialmanagement zu verorten.

Im Bereich Personalmanagement bedarf es breiter Kenntnisse zu Instrumenten der Personalauswahl und -führung, zu Kenntnissen bei Problemen und Konflikten zwischen und mit Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen und deren Lösung. Nicht zuletzt ist Handlungssicherheit im Arbeitsrecht erforderlich.

Kommunikation

Die Arbeit der Kommunikation und Vernetzung wurde oben als vielfältige und komplexe Aufgabe dargestellt. Der Erwerb von Kommunikationstechniken, von Moderationskompetenzen und Konfliktmanagement ist daher für die Gestaltung der Zusammenarbeit mit Eltern, Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, mit dem Träger und im Sozialraum notwendig.

Theorie-Praxis-Transfer

Ergänzend zu den beschriebenen Kompetenzbereichen sollte das Thema Leitung bereits in der grundständigen Ausbildung verankert werden. Ein nicht unerheblicher Anteil von Erzieher/innen wird im Verlauf ihrer Berufsbiografie Leitungsaufgaben übernehmen. Entsprechend relevant ist es, diese Fähigkeiten schon in der Ausbildung zu thematisieren, auch um Orientierungen zu erleichtern. Um Wissen zu erwerben, das praktische Relevanz entfaltet und sich auf realistische Szenarien bezieht, sollten die Kompetenzbereiche auf Praxis-Situationen bezogen sein. Dies kann in unterschiedlichen Szenarien geschehen.

Der praktische Teil der Ausbildung von Erzieher/innen umfasst derzeit nur die praktische Mitarbeit im pädagogischen Bereich. Es wäre sinnvoll, schon früh die Möglichkeit zu eröffnen, auch gezielt Leitungspraktika zu absolvieren und diese ebenso auf die Ausbildung bzw. das Studium anzurechnen.

Coaching, Begleitung und Supervision

Die Qualifikation von Kitaleitungen ist nicht mit dem Erwerb eines formalen Abschlusses oder der Beendigung einer Fortbildung abgeschlossen. Viele Herausforderungen der Leitung zeigen sich erst in der Praxis und verändern sich kontinuierlich, zudem unterscheiden sich Einrichtungen voneinander. Zur Sicherung der Arbeitszufriedenheit, zur Qualitätssicherung und zum dauerhaften Kompetenzerwerb im Leitungsbereich sind Coaching, Begleitung oder Supervision notwendig.

Qualifikation für Kitaleitungen

Die Leitung von Kindertageseinrichtungen erfordert breite Qualifikationen, die von erziehungswissenschaftlich-theoretischen Paradigmen über Anwendungswissen der Pädagogik und betriebswirtschaftliches Fachwissen bis hin zu Fähigkeiten der Kommunikation nach innen und außen reichen (Strehmel, 2017). Diese einzelnen Qualifikationen werden in Fortbildungen für Kitaleitungen oder in spezifischen Fortbildungen angeboten. Die Ausbildung für Erzieher/innen fokussiert sich überwiegend auf pädagogisches Fach- und Praxiswissen. Angehende Kitaleitungen benötigen also in jedem Fall Zusatzqualifikationen, wenn sie diese nicht zuvor erworben haben (König, 2015). Bislang gilt, dass frühpädagogische Fachkräfte Weiterbildungen nur selten für einen Karrieresprung nutzen, wobei generell eine hohe Weiterbildungsaffinität besteht. Hier muss analysiert werden, warum weniger Fortbildungen im Bereich Führung/Leitung wahrgenommen werden (König, 2015).

Literatur

König, A. (Hrsg.) (2015): Qualität durch Weiterbildung. Konzeptionelle Denkanstöße für die frühe Bildung, Weinheim u.a.

Strehmel, P. (2017): Professionalisierung der Kita-Leitung zwischen Pädagogik und Management. In: Balluseck, H. v. (Hrsg.): Professionalisierung der Frühpädagogik. Perspektiven, Entwicklungen, Herausforderungen, Opladen, Berlin, Toronto, S. 53–74.

Ergänzende Arbeitshilfen

Übersicht: Grundkompetenzen von Leitungen

Die Übersicht listet die wichtigsten Kompetenzen auf, die Sie als Kita-Leitung zur Erfüllung Ihrer Aufgaben mitbringen sollten. Orientieren Sie sich an dieser Zusammenstellung, um Ihre eigenen Kompetenzen zu reflektieren und neue aufzubauen. Dokument herunterladen

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