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Wie Sie Konflikten richtig begegnen

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Das erste größere Thema im Konfliktmanagement ist das Thema der Konfliktfähigkeit. Diese beinhaltet die Fähigkeit, Auseinandersetzungen einerseits vermeiden zu können und sie andererseits, wenn erforderlich, auch aufzunehmen, um sie dann konstruktiv zu bewältigen, sich also an der Lösungsfindung zu beteiligen. Soweit die Theorie.

Und nun die wichtige Frage: Sind Sie und Ihre Konfliktpartner/innen konfliktfähig? Sie werden merken, dass diese Frage nicht mit einem einfachen »Ja« oder »Nein« zu beantworten ist. Es kommt auf den Konflikt an, z.B. darauf, ob Ihnen das Thema wichtig ist, ob Sie eine Vorgeschichte mit den Beteiligten haben und, und, und… und natürlich auf den Grad der Verletzung und/oder der Enttäuschung, also auf Ihr ganz persönliches Bewertungssystem.

Kleinere Konflikte ohne eine größere Bedeutung finden öfter ihren Weg in den Alltag. Man ärgert sich mal mehr und mal weniger oder ist irritiert und geht zur Tagesordnung über. Doch war es wirklich für alle Beteiligten ein unbedeutsamer Konflikt? Oder ein Konflikt in einer Reihe von wiederkehrenden Konflikten, die den Alltag erschweren? Kleine unbeachtete Konflikte, die wenig Aufmerksamkeit bekommen, können rasch zu schwelenden Konflikten werden, die im Verborgenen gären und ihr Ausmaß dann überraschend offenbaren. Es braucht nur »den berühmten Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt«. Der Weg von einem schwelenden kalten Konflikt zu einem aktuellen heißen Konflikt kann dann sehr kurz sein.

Bevor Sie entscheiden, dass Sie es mit einem eher bedeutungslosen Konflikt zu tun haben, stellen Sie sich ein paar Fragen wie bspw.

  • »Warum könnte dieser Konflikt, diese Situation, für andere Beteiligte mehr Bedeutung haben?«

  • »Mit wem von den Beteiligten habe ich eine belastete Vorgeschichte oder einen ungelösten oder unbesprochenen Konflikt?«

  • »Wer könnte durch die Situation enttäuscht oder gekränkt sein?«

  • »Wem (offen oder im Hintergrund) könnte dieser Konflikt nutzen?«

Sie werden dann ein Gefühl dafür entwickeln, ob es nicht doch Handlungsbedarf gibt.

Um die heißen ganz aktuellen Konflikte kümmert man sich in der Regel rasch. Sie drängen sich auf, weil sie im Raum stehen, laut sind, sich zeigen oder offensichtlich die Arbeit oder einen Prozess behindern. Die schwelenden Konflikte entgehen der geforderten Wahrnehmung oftmals. Das sind Konflikte, die nicht oder nicht ausreichend besprochen und gelöst wurden. Sie bleiben als unterschätzte Macht im Hintergrund. An ihrer Seite sind Menschen mit ihren Verletzungen und Enttäuschungen, die oft nicht gesehen werden. Ignorierte Verletzungen werden schmerzvoller mit der Zeit. Oft reicht dann schon ein Anlass, der ohne schwelenden Konflikt unbedeutend wäre. Doch durch den Konflikt im Hintergrund bekommt auch ein eher blasser Anlass Bedeutung und aus dem schwelenden Konflikt wird ein akuter Streitfall in dem all die Wucht vergangener, ignorierter Auseinandersetzungen liegt.

Ursachen für Konflikte gibt es reichlich. Und Sie werden feststellen, dass Sie auf diese Ursachen nicht immer konkreten Einfluss haben, jedoch mehr als es im Alltag oft Raum hat. Ursachen für Konflikte sind z.B. Belohnungssysteme, die nicht zum Wohle aller Mitarbeiter/innen ausgelegt sind. So gibt es Beteiligte, die nicht gesehen werden und eine Menge an Frust und Enttäuschung aufbauen. Nehmen Sie weitgehend Einfluss auf Belohnungssysteme. Handhaben Sie diese Systeme fassbar, transparent und plausibel für alle und richten Sie sie so aus, dass alle Beteiligten davon profitieren können.

Generell ist das Empfinden von Ungerechtigkeit etwas, das rasch zu einem Konflikt führen kann. Wir alle haben unser subjektives Gefühl von dem, was gerecht oder ungerecht ist. Und einem Gefühl sind die Umstände (»Es ging nun mal nicht anders.« oder »Das muss man doch verstehen.«) gleichgültig. Unsere Gefühle fordern Raum und sind gespeist von vielen bewussten und unbewussten Erfahrungen. Auch wenn man im Arbeitsalltag nicht alle (empfundenen) Ungerechtigkeiten eliminieren kann, so macht es doch einen großen Unterschied, mit seinen Empfindungen ernst und wahrgenommen zu werden.

Und an dieser Stelle spielt eine ausreichende und offene Kommunikation eine Rolle. Der Arbeitsalltag ist zeitlich oft eng gesteckt und viele Themen finden nicht genügend Raum. Doch oftmals reichen das »kleine Gespräch im Vorbeigehen« und vor allem das Signal, gesprächsbereit zu sein.

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