Abschnitt: Anforderungen an die Kitaleitung → Gesprächsführung und Rhetorik
 

Gute Rhetorik – so überzeugen Sie in jedem Gespräch

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Rhetorik, als die »Theorie der Rede und der Argumentation« (Platzer, 2012) ist ein Begriff, welcher im Sprachgebrauch des Handlungsfeldes Kita eher weniger verbreitet ist. Ein Anknüpfungspunkt an die zielorientiert-strategischen Gesprächsformen ergibt sich allerdings dadurch, dass Rhetorik als die Wissenschaft der »Redenlehre« (Helmer/Döpinghaus, 2004) die Argumentationsfähigkeit von Personen in Diskussionen in den Blick nimmt. Diese Kompetenz brauchen Leitungen in ihrem Arbeitsbereich ständig – gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, den Eltern und Familien oder auch in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit – denn Rhetorik hat einerseits das Ziel, Diskurse zu führen, d.h. wissenschaftlich fundiertes Wissen so argumentativ aufzubereiten, dass das Gegenüber von den diskutierten Inhalten durch treffende Argumente überzeugt wird. Andererseits dient sie der Verständigung aller Beteiligten im Handlungsfeld, denn der diskursive Austausch verschiedener, z.T. sehr unterschiedlicher Perspektiven kann zum Verständnis von und zur Annäherung an Sichtweisen und im optimalen Fall auch zu Zustimmung oder sogar zur Veränderung von Überzeugungen führen.

Die Rede, gemeint als Vortrag oder Input in eine Diskussion oder auch eine Präsentation, hat vier bzw. fünf Bestandteile, welche den Phasen der Gesprächsführung ähneln: Die Einleitung, das Darstellen des Sachverhaltes, die Beweisführung, die Widerlegung der Argumente des Gegenübers und die Schlussdarstellung. Auch hier zeigt sich wieder das Phänomen, dass viele Diskussionen unbewusst nach diesem Muster geführt werden. Der Unterschied zwischen Rhetorik und dem im nachfolgenden dargestellten Dialog besteht darin, dass der Annäherungsprozess an Inhalte und Themen nicht durch eine »gemeinsame Suchbewegung« erfolgt, sondern dass in Diskussionen eine sprachliche Auseinandersetzung mit Argumenten erfolgt.

Kriterien einer Rede

Die Überzeugungskraft von Führungskräften nimmt zu, wenn folgende Kriterien Anwendung finden:

  • Die in den Diskussionen verwendeten Argumente sind unverzichtbares, ggf. durch Literaturquellen abgesichertes, fachlich fundiertes und geordnetes Wissen, welches sich auf Sachinhalte bzw. auch personenbezogene Gesichtspunkte bezieht.

  • In der konkreten Situation wird mit »wahren«, d.h. abgesicherten, Informationen argumentiert, sodass ein angezweifelter Sachverhalt bewiesen werden kann.

  • Sprachklarheit und -korrektheit, ein interessanter und dem Personenkreis angemessener Stil sowie eine passende Redezeit erhöhen die Erfolgschancen, gehört zu werden.

  • In Situationen, in welchen Argumentation notwendig ist, dienen die sog. »W-Fragen« der Didaktik zur Planung eigener Argumentationsstrategien.

»Die kunstgerecht arrangierten Argumente zielen auf Zustimmung [sic!] des Hörers, ohne dass sie allein sie zu bewirken vermöchten. Die Suche nach dem, was überzeugt, ist nicht allein auf die Sache gerichtet, die argumentativ überzeugen soll, sondern zugleich auf den Redner und den Hörer. Der Redner kann durch seine Glaubwürdigkeit [sic!] der Person überzeugen, der Hörer durch sein Vertrauen in Redner und Sache zum Assens (Zustimmung, jedoch nicht im Sinne von Übereinstimmung, A.d.V.) bewegt werden. Die Geltung dessen, dem zugestimmt wird, ist örtlich und zeitlich begrenzt« (Helmer/Döpinghaus, 2004).

Rhetorisches Geschick zeigt sich in Personalgesprächen und Verhandlungen, z.B. mit dem Träger, um bessere Rahmenbedingungen ebenso wie in Diskussionsrunden mit Eltern, in denen konzeptionelle Veränderungsprozesse (z.B. Schulanfänger/innenklubs) stichhaltig argumentativ begründet werden müssen. Der Erfolg wird jedoch wieder entscheidend davon bestimmt, wie authentisch, glaubhaft und überzeugend die Führungskraft von allen Diskussionspartnern und -partnerinnen wahrgenommen wird.

Literatur

Helmer, K./Dörpinghaus, A. (2004): Rhetorik. In: Benner, Dietrich/ Oelkers, Jürgen (Hrsg.) Historischs Wörterbuch der Pädagogik. Weinheim. Basel. BELTZ.

Platzer, B. (2012): Rhetorik. In: Horn, K.-P./Kemnitz, H./Marotzki, W./Sandfuchs, U. (Hrsg.): Klinkhardt Lexikon Erziehungswissenschaft. Band 3. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt.

Ergänzende Arbeitshilfen

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